25 Jahre Kleeblatt Werkstätte in Schwandorf: Mensch und Technik gehen neue Wege

Seit 25 Jahren steht die Kleeblatt Werkstätte in Schwandorf für Teilhabe, Entwicklung und neue berufliche Perspektiven für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Beim Jubiläum richtete sich der Blick deshalb nicht nur auf die Geschichte, sondern auch auf die Zukunft der Arbeitswelt.
Einen Ausblick darauf gab Professor Kris Dalm von der OTH Amberg-Weiden mit seinem Vortrag über eine mögliche Kooperation mit der Werkstätte. Seine zentrale Frage: Können Roboter künftig dazu beitragen, die Arbeitswelt zu verändern und Menschen mit Behinderungen noch besser zu unterstützen? Erste Antworten gibt es bereits, denn Roboter sind in einigen Bereichen der Kleeeblatt Werkstätte schon heute im Einsatz. Davon konnten sich die zahlreichen Besucher beim Tag der offenen Tür selbst ein Bild machen.
Erinnerung an ehemaligen Geschäftsführer Ulrich Hiltl
Zuvor waren zu einer Feier Ehrengäste eingeladen, die die Entwicklung der Kleeblatt Werkstätte in den vergangenen Jahren begleitet und unterstützt haben. Die inklusive Musikgruppe „Die lustigen Quertreiber“ unterhielt dabei mit ihren Beiträgen. Erinnert wurde außerdem an den ehemaligen Geschäftsführer der Naab-Werkstätten, Ulrich Hiltl, an dessen 13. Todestag das Jubiläumsfest stattfand. Hiltl prägte die Entwicklung der Naab-Werkstätten entscheidend und setzte wichtige Impulse für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
Geschäftsleiterin Margit Gerber blickte auf die Anfänge und die Entwicklung der Einrichtung zurück. Was 2001 mit 15 Beschäftigten begann, entwickelte sich nach ihren Worten schnell zu einem Erfolgsprojekt. „Immer mehr Menschen stellten einen Antrag auf Aufnahme“, erklärte Gerber. Schritt für Schritt wurden die Räumlichkeiten erweitert und das Angebot ausgebaut. Heute bietet die Kleeblatt Werkstätte vielfältige Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten und fördert soziale sowie persönliche Kompetenzen.

Ein wichtiges Ziel ist dabei, Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nicht nur innerhalb der Werkstätte zu begleiten, sondern ihnen – wenn möglich und gewünscht – auch Wege in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu eröffnen. Durch berufliche Bildung, Praktika, ausgelagerte Arbeitsplätze und die Zusammenarbeit mit Unternehmen werden individuelle Übergänge vorbereitet.
MdL Flierl: Jeder Mensch braucht Wertschäützung
„Jeder Mensch braucht Wertschätzung und das Gefühl, einen Platz im Leben gefunden zu haben“, betonte MdL Alexander Flierl (CSU) in seiner Rede. Die Einrichtung sei weit mehr als ein Arbeitsplatz. Auch Dr. Marje Mülder, Leiterin der Bezirkssozialverwaltung als Hauptkostenträger, würdigte die Kleeblatt Werkstätte als wichtigen Standort: „Sie sind ein Ort der beruflichen Rehabilitation und des sozialen Miteinanders – das eröffnet neue Perspektiven.“ Die Einrichtung mit derzeit 115 Beschäftigten sei gut ausgelastet: Dennoch spüre man oberpfalzweit einen Rückgang der Beschäftigungszahlen, so Mülder.
Auch stellvertretende Landrätin Sabine Schindler (CSU) und Oberbürgermeister Andreas Feller (BLS) gratulierten zum Jubiläum. Feller erinnerte auch an die inklusiven Sportgruppen, die aus Schwandorf nicht mehr wegzudenken seien.
Im Mittelpunkt des Zukunftsthemas stand der Vortrag von Prof. Kris Dalm. Er stellte das gemeinsame Forschungsprojekt „Technologische Unterstützung für Menschen mit Beeinträchtigungen in Werkstätten für einen effizienten Übergang in den allgemeinen Arbeitsmarkt“ vor. Dabei wird untersucht, ob sogenannte kollaborative Roboter (Cobots) Menschen mit Behinderungen im Arbeitsalltag unterstützen und ihnen mehr Teilhabe ermöglichen können.
Gerade bei Tätigkeiten, die aufgrund körperlicher Einschränkungen schwierig sind, könnten Roboter künftig eine wertvolle Unterstützung sein. „Die Akzeptanz der Robotik ist da“, sagte Dalm. Besonders bei manuellen Tätigkeiten gebe es Automatisierungspotenzial. „Wir können damit nur gewinnen. Außerdem macht es Spaß, mit Robotern zu arbeiten.“
Firma Sennebogen lässt hier seit 25 Jahren fertigen
Für regionale Unternehmen sind die Kleeblatt Werkstätten längst ein wichtiger Partner. Betriebsleiter Dietmar Pfaller von der Firma Sennebogen bestätigte die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Seit 25 Jahren lassen wir hier zum Beispiel Schutzschläuche und komplette Kits fertigen. Wir sind sehr zufrieden.“

Beim Rundgang durch die verschiedenen Arbeitsbereiche konnten die Gäste die Vielfalt der Werkstätte kennenlernen – von der Montage und Elektronik über Fahrradservice, Garten- und Landschaftspflege oder Hauswirtschaft bis hin zur Autoaufbereitung. Beeindruckt zeigten sich viele Besucher von moderner Technik wie dem Warenwirtschaftssystem, dem computergesteuerten Logistiksystem und den bereits eingesetzten Robotern. Am Nachmittag öffnete die Kleeblatt Werkstätte dann auch ihre Türen für die Öffentlichkeit.