Brachfläche neben dem Schwandorfer Rewe: Investoren erleiden Rückschlag

Irritiert und ratlos wirkten Investor Gökhan Altincik und seine Planer nach der Entscheidung: Mit drei Ja- und acht Nein-Stimmen hatte der Planungs- und Umweltausschuss in Schwandorf am Dienstag das Vorhaben „Mehrgenerationenwohnen Tonwarenfabrik“ abgelehnt. Damit hatten sie nicht gerechnet.
„Keiner von uns ist in den Ausschuss gegangen, um eine Ablehnung zu kassieren“, erklärte Gökhan Altincik am Tag nach der Sitzung immer noch sichtlich enttäuscht über die Entscheidung.
Dass das Projekt nicht einfach durchgewunken wird, war schon im Juli 2023 deutlich geworden, als der Regensburger Architekt Julian Söllner den Vorentwurf im Planungs- und Umweltausschuss vorgestellt hatte. Bedenken und Kritikpunkte waren auch in der damaligen Sitzung geäußert worden. So wurden die geplante Anzahl der Parkplätze und die Anbindung des neuen Wohngebietes an das bestehende Straßennetz von den Räten negativ bewertet.
Erster Entwurf überarbeitet
In der Folge hatten die Planer den Entwurf noch mal hinsichtlich der Kritikpunkte überarbeitet. Aus den zuvor vorgesehenen 100 Parkplätzen sind nun 150 geworden, 145 für Anwohner und fünf öffentliche. Sie sind entweder unter den Gebäuden – in Form von Arkaden – oder quer zur Straße angeordnet. Für die zusätzliche Parkfläche an der Straße wurde die Breite der Fahrbahn von gut sechs auf 5,50 Meter verringert. Mit der aktuellen Anzahl an Parkflächen hält der Investor die Vorgaben der städtischen Stellplatzsatzung ein.
Dennoch wurde erneut über das Parken diskutiert. 3. Bürgermeisterin Marion Juniec-Möller (Grüne) merkte an, dass man schon jetzt keinen Parkplatz in dem Wohnviertel finde, wenn man als Auswärtiger dort zu tun habe. Zudem würden Familien zwei Autos brauchen, um von A nach B zu kommen, so die Grünen-Stadträtin.
Anwohner beschweren sich
Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) erklärte, dass Anwohner der benachbarten Zenger- und Vogelstraße bei ihm mehrfach vorstellig geworden seien. Sie würden sich massiv an der Parksituation stören. Schon jetzt sei ein ganzer Stadtteil zugeparkt, unter anderem auch mit zahlreichen Firmenfahrzeugen, sagte der Rathauschef. Wenn nochmal mehr als 90 Fahrzeuge dazukommen würden, die parken müssten, sei das zu viel für das kleine, begrenzte Gebiet.
Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) sei in Schwandorf keine Alternative. Die Bewohner seien auf zwei Fahrzeuge angewiesen, fand auch der OB. „Willkommen in der Lebenswirklichkeit“, meinte er zu den Planern. Bei 92Wohnungen würde es am Tag gut 180Bewegungen aus und in das neue Wohngebiet geben, so Fellers Einschätzung. Vor diesem Hintergrund sehe er das Projekt kritisch.
Es sei auch zu viel Verkehr für nur eine Zufahrt, meinte der OB. Nach den derzeitigen Planungen soll der Verkehr über die Schiller- und Zengerstraße ins und aus dem Gebiet geleitet werden. Die neue Verbindungsstraße zur Schillerstraße soll in beide Richtungen befahren werden können. Der Abschnitt der Zengerstraße, der das Gebiet südlich anbindet, soll nur als Ausfahrt dienen.
Die Verkehrsanbindung hatten die Planer nach der Kritik im Juli 2023 untersuchen lassen. Ein Gutachter habe die fünf Knotenpunkte entlang der Schillerstraße bezüglich der Verkehrsbelastung geprüft, erklärten sie am Dienstag. Für die Kreuzungsbereiche sind Qualitätsstufen von A(sehr gut) bis F(überlastet) möglich. An allen Knotenpunkten würden laut dem Gutachten die Qualitätsstufen A und B(gut) erreicht, wiesen die Planer hin.
Einige Wohngebiete werden nur über eine Zufahrt erschlossen
Dass im Ausschuss die Neutralität des Gutachtens angezweifelt wurde, war für sie unverständlich. Mit der Schlothauer & Wauer Ingenieurgesellschaft für Straßenverkehr sei ein unabhängiges Unternehmen beauftragt worden, betonten sie im Nachgang.
Kurt Mieschala, Fraktionsvorsitzender der Unabhängigen Wähler (UW), wies seine Ausschusskollegen darauf hin, dass es auch genügend andere Wohngebiete gebe, die nur über eine Zufahrt erschlossen seien. Er könne das Vorhaben deshalb auch befürworten.
OB Feller war trotz der Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung überzeugt, dass es ohne eine weitere Zufahrt nicht funktionieren werde. Er brachte eine zusätzliche Zufahrt in Richtung Fabrikstraße/Dominikanerberg ins Spiel. Laut den Planern wäre am nordwestlichen Abschluss des Wohngebietes bautechnisch eine Stichstraße möglich. Allerdings könne man diese nicht mit der Fabrikstraße verbinden, da dem Bauherrn die Grundstücke nicht gehören würden.
SPD über Meinung des OBs verwundert
SPD-Stadtrat Manfred Schüller wunderte sich, dass die Stadtverwaltung eine Vorlage ausgearbeitet habe, in der sie das Vorhaben positiv bewerte und der OB sich nun dagegen ausspreche. Feller verteidigte sich, dass er bereits bei der Erstvorstellung das Projekt kritisch gesehen habe.
Neben den bekannten Kritikpunkten wurde von den Stadträten nun auch die Größe bemängelt. Es sei zu massiv, meinte CSU-Fraktionschef Andreas Wopperer. Auch Marion Juniec-Möller fand, dass mindestens ein Wohnblock zu viel auf dem Gelände geplant sei.
Die Investoren zeigten sich im Nachgang gesprächsbereit. Einen ganzen Block weniger bauen, sei aber nicht möglich, betonten sie. Da es sich um geförderten Wohnraum handele, bei dem die Mieten gedeckelt seien, müsse sich das Projekt rentieren, was bei einer Verkleinerung nicht mehr der Fall sei, so Altincik. Sollte das Bauvorhaben platzen, werde das Gelände halt weiter brachliegen, deutete er an.

