Bahnsanierung bei Neumarkt wird später fertig: So reagieren Pendler und Unternehmen

Mitte Juni hatte die Bahn auf Anfrage unseres Medienhauses erklärt: Die Sanierung der Bahnstrecke durch den Landkreis Neumarkt werde wie geplant zum 10. Juli fertig. Drei Tage vor diesem Termin verkündete die Bahn, dass Züge doch erst später wieder fahren werden. Die Reaktionen im Landkreis darauf fallen teils harsch aus. Es gibt aber auch andere Sichtweisen.
Am Dienstagabend hatte die Bahn erklärt, dass zwar Gleise, Weichen und Oberleitungen fertig seien, aber die sicherheitstechnische Überprüfung der neuen Stellwerktechnik andauere. Dadurch verschiebt es sich, bis die Strecke wieder durchgehend befahrbar ist.
Spätestens zum Beginn der Sommerferien sollen die Züge wieder fahren. In einer Pressekonferenz am Mittwoch versprach Gerd-Dietrich Bolte von der zuständigen DB InfraGo AG: „Wir werden am 31. Juli fahren.“
Überrascht über die Verzögerung äußert sich keiner der Pendler, die am frühen Mittwochmorgen in einem Bus des Schienenersatzverkehrs (SEV) nach Neumarkt sitzen. „War irgendwie zu erwarten gewesen“, sagt Jonas. Es wird deutlich: Großes Vertrauen setzen viele der Busreisenden nicht mehr in die Bahn infolge der zunehmenden Probleme im Bahnverkehr der vergangenen Jahre.
Neumarkter Pendler: Busse des Schienenersatzverkehrs sind zuverlässig, brauchen aber länger
Umso mehr heben sich die zuverlässigen Busse des SEV in den vergangenen Monaten ab, wie auch Azubi Jonas lobend erwähnt. Deshalb sei er auch gar nicht so genervt von der sich verzögernden Sanierung. „Die paar Tage mehr halte ich auch noch aus“, sagt der Azubi, schiebt aber nach: „Wenn es bei ein paar Tagen bleibt.“
Bei Marco Reindl klingt es ähnlich. „Ich hoffe, die bekommen das hin“, sagt der Parsberger, der normalerweise mit dem Zug in die Arbeit nach Nürnberg pendelt. Weil sich der SEV zwar als zuverlässig erwiesen habe, aber eben auch zwei Stunden für die Strecke einfach brauche, sei er über die verzögerte Wiedereröffnung der Bahnstrecke enttäuscht. Umso mehr, da er seinen Urlaub extra so gelegt habe, um einen Teil der Bahnsanierung nicht mitmachen zu müssen.
„Nicht wirklich überrascht“ sei er von der Verzögerung, sagt ein 44-jähriger Neumarkter, der zu seiner Arbeitsstelle nach Nürnberg pendelt. Zwar sei er als Pendler einiges gewohnt: „Verspätungen, Ausfälle und kurzfristige Überraschungen“. Dennoch habe er aufgrund der positiven Statusmeldungen „kurz die naive Hoffnung“ gehabt, dass die Baustelle pünktlich fertig werde. Dass die Bahn die Verlängerung erst drei Tage vor dem geplanten Ende bekannt gegeben hat, sei „bemerkenswert“. Den Ersatzverkehr bewertet der 44-Jährige zwar als zuverlässig, „aber die nahezu doppelte Fahrtzeit bleibt für Pendler eine Zumutung“.
Firmengruppe Max Bögl sucht Gespräch mit Bahn wegen verzögerter Sanierung
Die Bahnsanierung hat auch Peter Meier beschäftigt. Weniger als Pendler, vielmehr als Bürgermeister von Deining. Als solcher hatte er wegen des barrierefreien Ausbaus eines Bahnsteigs am Deiniger Bahnhof zu kämpfen – letztlich erfolgreich. Den Fortschritt der Bahnsanierung hat er deswegen genau verfolgt. „Das ist sehr gut gelaufen“, schätzt Meier ein, der auch den Schienenersatzverkehr lobt. Die verspätete Wiedereröffnung dürfe man nicht zu hoch hängen, sagt der Rathauschef. Gemessen an der Komplexität des Projekts seien zweieinhalb Wochen Verzögerung seiner Meinung nach verkraftbar.
„Sehr verärgert“ ist hingegen Postbauer-Hengs Bürgermeister Michael Frisch. Viele Einwohner pendeln nach Nürnberg oder Neumarkt. Vor allem die sehr kurzfristige Bekanntgabe ist für ihn unverständlich. Man müsse doch wissen, wie lange eine Sicherheitsüberprüfung dauere und dementsprechend planen. Frisch: „So viel Erfahrung erwarte ich von einer Deutschen Bahn.“
Betroffen von dem veränderten Termin ist auch die Firmengruppe Max Bögl, die die Schiene stark nutzt, um unter anderem Bauteile beispielsweise für den Brenner-Basistunnel zu liefern. Auch in Sengenthal war man von der Meldung der Bahn überrascht. „Wir hatten eine vollumfängliche Wiederaufnahme des Bahnverkehrs ab dem kommenden Wochenende geplant“, erklärt eine Firmensprecherin auf Anfrage.
Max Bögl führe aktuell Gespräche mit der DB InfraGo, um wie schon in den vergangenen Monaten trotz Sperrung Güterzüge im sogenannten Baufahrplan fahren lassen zu können.
Schienenersatzverkehr fährt im Landkreis Neumarkt bis 31. Juli
Zu den Hintergründen der verlängerten Sanierung erklärte sich bei einer Pressekonferenz am Mittwoch Gerd-Dietrich Bolte von der DB InfraGo AG. „Wir sind am Dienstagmittag kalt erwischt worden“, sagte Bolte. Seinen Worten nach hat die Bahn schon länger ein zeitliches Risiko erkannt, dass die fertigen Stellwerke in Parsberg und Ochenbruck nicht rechtzeitig für den Termin 10. Juli abgenommen werden können. Deshalb habe man eine provisorische Ersatzlösung ersonnen, die in ähnlich gelagerten Fällen bereits funktioniert habe.
Mit dieser Lösung hätten tagsüber Nahverkehrszüge fahren und nachts die Prüfung der Stellwerke vollendet werden können. „Die Fahrgäste hätten davon so gut wie nichts mitbekommen“, sagte Bolte. Allerdings muss auch eine solche Lösung von einem unabhängigen Prüfer abgenommen werden. Dieser habe die Ersatzlösung der Bahn aber nicht akzeptiert, sagte Bolte. Die Folge: „Jetzt machen wir alles fertig und gehen dann in Betrieb.“
Daher wird der SEV laut Bahn im bisherigen Fahrplan bis zum 31. Juli weiterfahren.