Bahnsanierung im Landkreis Neumarkt: Spezial-Helikopter transportiert 1200 Masten

Bahnhöfe, Gleise, Schwellen, Weichen, Stellwerke, Strommasten und -leitungen, Bahndämme und Brücken: Es gibt viel zu tun auf dem rund 90 Kilometer langen Abschnitt, den die Bahn zwischen Nürnberg und Regensburg erneuert. Weil bis Anfang Juli alles fertig sein soll, setzt die Bahn im Landkreis Neumarkt auf besonderes Gerät.
Irgendwo hinter den Bäumen entlang der Bahnlinie nahe Deining nähert sich ein Brummen. Ein weiß-roter Helikopter schwebt über die Wipfel – unter ihm hängt an einem Seil ein Strommast. Am Boden nehmen orange bekleidete Arbeiter den Strommast in Empfang und bugsieren ihn auf ein Beton-Fundament, wo sie ihn mit Schrauben befestigen. Das Seil gleidet zu Boden, der Hubschrauber fliegt davon, um wenige Minuten später mit einem weiteren Masten wiederzukehren.

So geht es seit Tagen an verschiedenen Stellen entlang der Bahnlinie. 1200 Masten und deren Fundamente fliegt der Hubschrauber ein und die alten Masten teils auch wieder aus. 100 bis 130 Mal am Tag schleppt der Helikopter einer Schweizer Spezialfirma die rund eine Tonnen schweren Masten zu ihrem Verwendungsort.
Helikopter macht schnellen Fortschritt bei Generalsanierung möglich
Die Hubschrauber fliegen noch bis zum 10. April und pausieren während der Osterfeiertage, wie die Bahn sagt.

Warum die Bahn überhaupt auf einen Hubschrauber setzt, erklärt Tim Deutschmann. Er ist der zweite Projektleiter der Generalsanierung. Diese sei eine Mammutaufgabe, bei der viele Arbeiten gleichzeitig gemacht werden. Bis zu 2000 Arbeiter, 80 große Baumaschinen und viele kleinere sind währenddessen gleichzeitig auf den Gleisen unterwegs. Alles, damit der kompakte Zeitplan bis 10. Juli eingehalten werden kann. Dazu gehört auch der Helikopter, der es möglich macht, trotz des vielen Betriebs im Gleisbereich möglichst schnell voranzukommen. Insbesondere an unwegsamen Stellen.
Wetter hat bisher mitgespielt
Bislang spielte das Wetter mit, weshalb der Hubschrauber fast immer wie geplant habe fliegen können, erklärt Armin Klaffki von der ausführenden Baufirma Spitzke. Die stellt eine der weiteren erwähnten großen Baumaschinen, die die Sanierung voranbringen sollen. Dabei ist der Name Programm: Heinrich der Starke. Er ist der Bruder von Katharina der Großen. Was nach Geschichtsunterricht klingt, ist beeindruckende Technik.
Der gelbe Gleisumbauzug der Spezial-Baufirma Spitzke kann mit entsprechenden angehängten Wagen auf mehrere hundert Meter Länge anwachsen und auf mehr als 1000 Tonnen Gewicht. Seine Aufgabe: Er verlegt Schwellen und Gleise. Den Grund dafür hatte zuvor schon der Spezialzug namens „Katharina die Große“ bereitet. Die große Maschine ist darauf spezialisiert, das Gleisbett samt Schotter zu sanieren (wir berichteten).

Ihr Bruder schleicht aktuell bei Seubersdorf in gemäßigter Geschwindigkeit über die Bahnstrecke. Gleichzeitig „sammelt“ er alte Schwellen ein, hebt die alten Schienen aus ihrem Bett und verlegt neue Schwellen und Schienen. Dahinter laufen Gleisbauer und ziehen mit Spezialmaschinen die Schrauben der Gleise fest. Auf diese Weise schafft die Generalsanierung bis zu zwei Kilometer neuer Gleise am Tag.
Mit dem Fortschritt der gesamten Arbeiten ist die Bahn bislang sehr zufrieden. „Wir liegen im Zeitplan“, sagt Deutschmann. Unter anderem sind 33 von 96 Kilometer Schienen bereits neu verlegt.
Viel Lärm wegen Nachtarbeiten in den nächsten Tagen
Noch gibt es aber eine Menge zu tun. Weshalb die Bahn für die Zeit bis Sonntag besonders laute Nachtarbeiten ankündigt. Unter anderem wird ein „Schienenknacker“ entlang der Strecke zwischen Sengenthal und Batzhausen seiner Arbeit nachgehen. Das und der damit einhergehende Lärm lasse sich leider nicht vermeiden, erklärt die Bahn. Direkt betroffene Anwohner haben unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch darauf, von der Bahn ein Hotelzimmer gezahlt zu bekommen, um dem Lärm daheim zu entkommen. „Das hat bislang aber noch kein Anwohner in Anspruch genommen“, sagt Deutschmann, der sich ein wenig wundert: Bei anderen Projekten komme das durchaus häufiger vor.