Bahnsanierung: Verspätungen und volle Ersatzbusse nerven die Pendler in Regensburg

Von Marion Koller · 12. Februar 2026 um 05:00

Bahnsperrung zwischen Regensburg und Nürnberg: Ein Koch verliert bis zu zwei Stunden am Tag mit dem Ersatzverkehr. Schülerinnen müssen wegen des Andrangs öfter auf einen späteren Bus warten.

Video ansehen

Andreas Lehmann zieht sein Handy aus der Jackentasche und deutet auf die Uhrzeit. „Jetzt ist es 16.51 Uhr. Vor sechs Minuten hätte der Bus kommen müssen. Der braucht mit Sicherheit noch zehn Minuten.“ Er wartet vor dem Hauptbahnhof auf den Schienenersatzverkehr. Der Koch eines Regensburger Altenheims möchte nach Hemau heimfahren.

In den ersten Tagen seit der Sperrung der Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg hat er sich vor allem wegen der morgendlichen Verspätungen geärgert. „Ich schaue auf meine Bewohner“, sagt der 52-Jährige. Das Frühstück soll rechtzeitig auf dem Tisch stehen. Regulär fängt er um 5 Uhr an, doch nun passiert es, dass er erst um 5.10 Uhr in Regensburg eintrifft und dann für das letzte Stück, das er gewöhnlich zu Fuß zurücklegt, ein Taxi nehmen muss, um nicht noch später in der Küche anzufangen. Lehner verliert bis zu zwei Stunden am Tag.

Lesen Sie dazu auch: Das müssen Sie zur Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg – Regensburg wissen

Im Schnitt 40.000 Menschen sind unter der Woche täglich auf der Schiene zwischen Nürnberg und Regensburg – und umgekehrt – unterwegs gewesen. Der Fernverkehr kommt hinzu. Bis 10. Juli saniert die Deutsche Bahn (DB) die Strecke für 1,4 Milliarden Euro.

Der Bus kommt schon mal 40 Minuten zu spät

Das ist dringend notwendig, weil das Schienennetz hochbelastet ist, die Infrastruktur überaltert und störanfällig. Auch wenn viele Pendler jetzt ins Auto steigen oder im Homeoffice bleiben, sind Tausende auf den Ersatzverkehr angewiesen. Die Bilanz nach den ersten Tagen fällt durchwachsen aus. Mit den Bussen, die Nürnberg und Regensburg ohne Zwischenstopp verbinden, sind die Menschen zufrieden. Schüler und Leute, die Teilstrecken nutzen, klagen jedoch.

„Der kommt immer zu spät. Letztes Mal waren es 40 Minuten“, sagt Maria (20), eine angehende Fachpraktikerin für Hauswirtschaft, die zwischen Deuerling und Regensburg pendelt. Dann müsse sie sich jedes Mal entschuldigen. Mit der Bahn war sie immer 20 Minuten unterwegs, mit dem Bus fährt sie auch ohne Verspätung eine halbe Stunde. Die Schülerinnen Laura und Alica wollen am Dienstagnachmittag in Regensburg einkaufen und bei McDonald‘s essen. Sie kommen am Bahnhof an. Jetzt sei der Bus pünktlich und nicht so voll gewesen, sagen sie. „Wenn wir nach der Schule von Parsberg nach Undorf fahren, sind die Busse total voll.“ Wegen des Andrangs kommt es vor, dass sie eine halbe Stunde auf den nächsten Bus warten müssen. Zu Stoßzeiten sollten mehr Fahrzeuge eingesetzt werden, sind sie sich einig.

Die Busfahrer kennen die Route nicht so genau und biegen falsch ab. Aber das pendelt sich ein.Dr. Lukas Iffländer, Fahrgastverband Pro Bahn

Viele Fahrgäste haben Fragen an die Agilis-Mitarbeiter in gelben oder orangen Westen mit der Aufschrift „Reisenden-Lenkung“, die bei den Haltestellen stehen. Mit ihrer Hilfe kämen die Leute ganz gut zurecht, meint einer der Männer. Eine Promotionsstudentin, Mitte 40, schlägt vor, die Bahn solle die Haltestellen-Schilder optimieren, damit die Richtung schon von weitem zu erkennen sei. Derzeit müsse man die einzelne Haltestelle ansteuern und „genau nachsehen, wohin der Bus fährt“. Sie hat öfter beruflich in Nürnberg zu tun. Am Morgen nahm sie die Bahn über Schwandorf und Amberg. Die Fahrt dauerte eine Stunde und 40 Minuten. „Ich habe ein gutes Zeitfenster erwischt“, sagt sie. Zurück nach Regensburg nahm sie den Direktbus um 14.50 Uhr, der die Distanz in einer Stunde und 25 Minuten schaffte. „Ich bin super durchgekommen“, sagt die Frau, die auch im Fernverkehr fährt. „Wenn ich einen Anschluss erwischen müsste, würde ich die lange Strecke mit der Bahn wählen, vor allem im Berufsverkehr in der Früh.“

Christina Müller aus Parsberg arbeitet im Regensburger Einzelhandel. Die 34-Jährige hat gute Erfahrungen mit dem Ersatzverkehr gemacht. Bisher lief alles reibungslos. Der einzige Kritikpunkt: Es klappe nicht richtig, die Busse über die Live-Map auf db-ersatzverkehr.de in Echtzeit zu verfolgen. Bei Felix Esche (36), einem IT-Supporter aus Parsberg, der in Regensburg tätig ist, war bislang jeder Bus pünktlich.

Doch Dr. Lukas Iffländer vom Fahrgastverband Pro Bahn sagt nach Rückmeldungen vieler Ersatzverkehrsnutzer: „An allen Zwischenstationen hakt es, etwa in Neumarkt und Parsberg. Die Fahrer kennen die Strecke nicht, biegen falsch ab, brauchen zehn Minuten länger.“ Das pendle sich aber nach allenfalls zwei Wochen ein. So sei es bei allen großen Schienenprojekten. Dann hätten die Fahrer Routine. Fahrpläne würden angepasst. Auf die Schülerzahlen werde die Bahn sicherlich reagieren.

„Zu Beginn muss sich der Betrieb noch einruckeln“

Nach Urteil der Bayern-Sprecherin der DB ist der Schienenersatzverkehr stabil angelaufen. „Dafür haben wir vorab umfangreiche Testfahrten und einen Probebetrieb durchgeführt.“ Die Erfahrungen zeigten, dass sich der Betrieb zu Beginn noch ein wenig einruckeln müsse. „Wir schauen uns in den nächsten Tagen und Wochen an, wie der Ersatzverkehr läuft und steuern nach.“ Die DB hat bereits Beschilderungen ergänzt, Haltestellen verlegt und auf Baustellen reagiert. Koch Andreas Lehmann hofft auf Pünktlichkeit. Ins Auto steigt auf keinen Fall. Schließlich will er das Klima schonen und nicht Unmengen für Sprit ausgeben.