Das müssen Sie zur Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg – Regensburg wissen

Von Nils Mayer · 4. Februar 2026 um 05:00

Jetzt wird es ernst: Vom 6. Februar bis zum 10. Juli wird die Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg gesperrt. Es ist die erste Generalsanierung samt Vollsperrung und Schienenersatzverkehr in Bayern. Wir klären die Fragen der Fahrgäste und lassen auch diejenigen zu Wort kommen, die das Projekt kritisch sehen.

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An welchen Streckenabschnitten wird wann und wie viel gearbeitet?

Gebaut wird an mehreren Stellen parallel. „Deshalb ja auch die Totalsperrung“, erklärt Lucas Grieb, DB-Projektleiter der Generalsanierung. „Besonders herausfordernd werden die Arbeiten am Deininger Damm“, sagt er. Die Sanierung an der Weißen Laaber bei Neumarkt sei dringend notwendig, weil sich der Damm, den die Züge per Brücke überqueren, seit Jahren verformt.

Auch der Streckenabschnitt Neumarkt – Regensburg wird nach den Worten Griebs „besonders arbeitsintensiv“. Das liegt vor allem daran, dass dort, anders als beim Abschnitt zwischen Neumarkt und Nürnberg, an zwei anstatt nur an einem der Gleise gewerkelt wird. „Dort wird dann rund um die Uhr gearbeitet“, kündigt der Projektleiter an. Heißt: Es wird laut.

Was kommt auf die Anwohner in Sachen Lärmbelästigung zu? Und wo wird es besonders laut?

„Ich würde den Anwohnern Ohropax empfehlen“, meint Lukas Iffländer, stellvertretender Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn. Da er selbst in Bahnhofsnähe wohne, wisse er, wie laut die Sanierungsarbeiten an den Schienen sein können. „Bohrmaschinen, Schweißarbeiten und das Verladen von Schotter sorgen vor allem tagsüber für ordentlich Krach“, sagt Iffländer.

Das versucht auch Projektleiter Grieb gar nicht erst schönzureden: „Tagsüber wird es schon mal laut werden.“ Das Verladen des Bauschutts und die Helikopterflüge werden laut Grieb den meisten Lärm verursachen. Letzteres sei aber zumindest für alle Schaulustigen ein Spektakel. Da auf dem Streckenabschnitt Neumarkt – Regensburg „rund um die Uhr“ gearbeitet wird, ist auch dort mit der größten Lärmbelastung zu rechnen. „Wir versuchen, das Ganze für alle so angenehm wie möglich zu gestalten“, erklärt Grieb.

Auf welche Lärmschutzmaßnahmen setzt die Bahn?

Zumindest in der Nacht sollen die Anwohner geschont werden. „Wir werden die lauten Arbeiten tagsüber durchführen“, meint der Projektleiter. Außerdem sind die meisten betroffenen Anwohner bereits kontaktiert worden, wie Helga Seybold, Leiterin Bau bei DB InfraGO, erzählt: „Alleine im Januar wurden 60 000 Anwohner per Post informiert.“

Auch ein Lärmschutzgutachten sei bereits erstellt. Dieses zeige, welche Anwohner besonders von Baulärm betroffen sind. Was bereits kommuniziert wurde. „Und die haben dann Anspruch auf einen vorübergehenden Hotelplatz“, erklärt Seybold. Außerdem hat eine in den vergangenen Monaten durchgeführte Info-Tour an zehn Bahnhöfen die Reisenden über die anstehende Sanierung samt Baulärm aufgeklärt.

Zuspruch gibt es von Pro Bahn. „Die Leute wissen Bescheid“, meint Iffländer und ergänzt: „Erfahrungsgemäß wird auch die angebotene Hotelübernachtung von den Anwohnern wahrgenommen.“

Wie krisensicher ist der Schienenersatzverkehr (SEV)? Wie wird auf Ausfälle oder Verspätungen reagiert?

„Wir sind auf alles vorbereitet“, meint Felix Thielmann, der für die DB die Programmleitung des SEV übernimmt. Er koordiniert die über 90 Ersatzbusse und ist in Kontakt mit den helfenden Busunternehmen und den 270 Fahrern. Auf mögliche Verspätungen oder Ausfälle angesprochen, gibt Thielmann aber auch zu, „dass der SEV natürlich ein Kompromiss ist“. Und der könne eben nicht mit dem regulären Zugbetrieb mithalten.

Zweifel hat auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Jürgen Mistol: „Beim Ersatzverkehr läuft nicht immer alles wie geplant.“ Als Pendler habe er bereits viele Erfahrungen mit dem SEV gemacht. Weil er im Verkehrsausschuss des bayerischen Landtags sitzt, weiß er aber auch, wie viel Arbeit dieses Mal in die Vorbereitung geflossen ist: „Ich habe den Eindruck, dass das Ganze wirklich gut geplant wurde.“

Die Ausstattung der Ersatzbusse: Wie schaut es mit Barrierefreiheit, Fahrradmitnahme und Toiletten aus?

Wenn es um die Ersatzbusse geht, kommt Programmleiter Thielmann kaum aus dem Schwärmen heraus: „Die sind eine echte Weltneuheit.“ Damit meint er vor allem die für die Direktverbindungen eingesetzten Expressbusse. Die haben nämlich nicht nur eine Toilette an Bord, sondern sind auch barrierefrei. Letzteres gilt laut Thielmann für alle eingesetzten SEV-Busse. Auch Wlan und Steckdosen soll es immer an Bord geben. „Die Ausstattung kann sich jeder vor Fahrantritt online ansehen“, erklärt er. Fahrradfahrer werden spätestens dann merken: „Die Mitnahme von Fahrrädern ist nicht erlaubt“, sagt Thielmann und ergänzt: „Der Schienenersatzverkehr ist eben ein Kompromiss.“ Kinderwagen hingegen seien gestattet, auch wenn die den Platz für Gepäck und andere Fahrgäste im Bus deutlich einschränken.

Gibt es Anpassungen beim SEV während der Schulzeit und bei besonderen Events wie Fußballspielen?

Auch hier gibt sich SEV-Programmleiter Thielmann gelassen: „Die Kapazitäten sind so gewählt, dass sie locker reichen.“ Für den Schulverkehr seien eine enge Taktung und ausreichend Busse vorbereitet. „Außerdem gibt es Haltestellen direkt an den Schulen.“ Und auch für andere Großveranstaltungen wie Fußballspiele sei der SEV bestens gerüstet. „Wir können im Notfall kurzfristig reagieren und messen in Echtzeit, wie es um die Kapazitäten steht“, so Thielmann.

Warten die Anschlusszüge auf die Ersatzbusse bei Verspätungen?

„Wir sichern Anschlüsse zu, aber mit Augenmaß“, sagt Thielmann. Was er damit meint: Bei kleineren Verspätungen warten die Züge, aber sollte es länger dauern, müssen Reisende auf den nächsten Zug umsteigen. Was die letzte Verbindung angeht, gibt Thielmann ein Versprechen: „Wir setzen Himmel und Erde in Bewegung, damit niemand in der Nacht am Gleis zurückbleibt.“

Der Landtagsabgeordnete Mistol ist zwar noch nicht mit dem SEV irgendwo gestrandet, „aber es gab Reisen, die haben deutlich länger gedauert als geplant“. Das Problem sei dabei oftmals der Anschlusszug gewesen, der nur in den wenigsten Fällen gewartet habe. Von Seiten der Bahn heiße es zwar, dass dieser Fall vermieden werden soll, trotzdem weiß Mistol: „In der Realität sieht das oft anders aus.“

Wie realistisch ist ein pünktlicher Abschluss der Generalsanierung zum 10. Juli?

„Wir werden den Termin einhalten“, verspricht Projektleiter Grieb. Der Zeitplan sei trotz der umfangreichen Arbeiten realistisch gesetzt. Etwas vorsichtiger äußert sich Iffländer von Pro Bahn: „Störungen an den Stellwerken können zum Risiko werden.“ Diese könnten im schlimmsten Fall eine kurzfristige Verlängerung der Generalsanierung nötig machen. „Noch mehr Sorgen mache ich mir aber um die ersten Wochen nach der Sanierung.“ Da erwarte er nämlich einen etwas ruckeligen Start. „Es wird einige Zeit brauchen, bis alles rund läuft“, prophezeit Iffländer.

Wie geht es weiter?

Sechs weitere Generalsanierungen sind alleine in Bayern geplant. Und auch auf dem Streckenabschnitt zwischen Nürnberg und Regensburg könnte eine erneute Sanierung samt Sperrung nur eine Frage der Zeit sein. Die DB schreibt auf ihrer Info-Webseite von einer „Weichenstellung für die Zukunft“. Eine weitere Modernisierung wird zwischen den Zeilen bereits angekündigt: Ziel dieser weiteren Arbeiten sei es, die Strecke mit dem europaweit etablierten Steuerungssystem ETCS aufzurüsten. Klartext: Fortsetzung folgt.