Alles bereit für Mammut-Baustelle der Bahn auf Strecke Nürnberg-Regensburg

Die Vorbereitung und der geplante Ablauf der Generalsanierung der Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg erinnern an ein riesiges Puzzle. Schon lange, bevor die Arbeiten am 6. Februar um 21 Uhr mit der Vollsperrung beginnen, lagern die Teile dafür auf 60 Bereitstellungsflächen im ganzen Landkreis Neumarkt. Wie die Sanierung technisch abläuft, informierte die Bahn am Dienstag.
Das sind vor allem jede Menge Tonnen Schotter, hunderte Oberleitungsmasten und einige Weichen. Auf einer der größten Bereitstellungsflächen hat die Bahn am Dienstagvormittag nicht mit Zahlen zum Umfang des Bauvorhabens gegeizt – aber auch erkennen lassen, dass die Baumaßnahme unter einem gehörigen Druck steht.
Denn ein Termin steht – wie ein Prellbock am Ende eines Gleises – auch am Ende des Zeitplans: Am 10. Juli um 21 Uhr sollen die gesamten generalsanierten 88 Kilometer zwischen Feucht und Regensburg-Prüfening fertig sein. Bei der Pressekonferenz in Burgthann-Heinleinshof direkt an der Bahnstrecke wartete Lucas Griep, der Projektleiter der Generalsanierung, mit beeindruckenden Zahlen zur Vorbereitung der Baustelle auf. Weil dazu auch der Umbau einiger der 20 Bahnhöfe gehört, war auch Helga Seybold bei dem Termin dabei. Sie ist die Projektleiterin für die Modernisierung der Bahnhöfe.
„Katharina, die Große“ beginnt mit der Arbeit am Gleis
Es wird natürlich alles renaturiert, nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind.Lucas Griep, Projektleiter Deutsche Bahn
Wer in den vergangenen Wochen mit dem Zug auf der Strecke mit der Kursbuchnummer 880 unterwegs war, hat sie wachsen sehen: die Bereitstellungsflächen. Weil die Baumaterialien nicht so einfach in die Landschaft direkt neben die Gleise abgelegt werden konnten, wurden zuerst große Planen ausgelegt. Darauf wurde eine aus Steinen und Erde festgepresste „Trageschicht“ ausgebreitet. Erst danach wurden gut 60.000 Tonnen Schotter beziehungsweise 1350 Masten gelegt. „Es wird natürlich alles renaturiert, nachdem die Arbeiten abgeschlossen sind“, erklärte Lucas Griep auf Nachfrage unseres Medienhauses.
Um die Puzzle-Teile einzufügen, sind nicht nur 2000 Arbeitskräfte gleichzeitig im Einsatz, sondern auch zwei vollautomatische Schnellumbauzüge. Jeder von ihnen entfernt – grob erklärt – in seinem Vorderteil erst alles Alte wie Schotter, Schwellen und Schienen. Und dann verlegt der hintere Teil dieser riesigen rollenden Maschine alles Neue. Eine von ihnen hat den schillernden, fast poetisch klingenden Namen „Katharina, die Große“ und gehört der Firma Spitzke aus Berlin. Sie ist 200 Meter lang und 800 Tonnen schwer. Sie wird zwischen Neumarkt und Regensburg eingesetzt.

Den im Vergleich dazu nüchtern klingenden Namen RU 800S trägt die andere Maschine der Firma Swietelsky AG aus Linz in Oberösterreich und ist 177 Meter lang und 650 Tonnen schwer. „Katharina“ und „RU“ sorgen dafür, dass 180 Kilometer Gleis erneuert werden.
Hubschrauber fliegen unwegsames Gelände an
Die spektakulärsten Momente der Baustelle sind bereits in der Startphase zu erwarten: Dann kommen Hubschrauber dort zum Einsatz, wo steiles und unwegsames Gelände den Antransport neuer Masten für die Oberleitung erschwert. Der Luftweg erschien den Planern praktikabler. Die spektakulärste Stelle des Umbaus ist schon seit Monaten in Angriff genommen: der Hang nördlich der Deininger Eisenbahnbrücke. Wegen zunehmender Abrutschgefahr wird ihm bis Anfang Juli so etwas wie ein „Korsett“ angelegt.
40 neue Weichen, die schon vormontiert sind und nur noch eingehoben werden müssen, sind ein weiteres Detail. Den kürzesten Weg zur Baustelle haben die Betonschwellen. Denn diese werden bei der Firma Bögl hergestellt. Weil die ein wichtiger Kunde der Bahn ist, wird die Strecke zumindest im Abschnitt Neumarkt-Nürnberg nicht ganz gesperrt. Denn die Firma setzt ab ihrem Werk über Neumarkt hinaus Spezialzüge ein. Mit 20 Zügen pro Woche wird während der Bauphase nachts Material für den Bau des Brenner-Basistunnels und von Windrädern an der Nordsee geliefert. Hinzu rollen pro Woche zehn Züge mit Müllcontainern über die Strecke.
Reisende werden nach Abschluss der Arbeiten nicht nur farblich aufgehübschte Bahnhöfe und Haltepunkte vorfinden. Laut Helga Seybold haben ab Mitte Juli alle Bahnsteige mit 76 Zentimetern die gleiche Höhe zum Ein- und Aussteigen. Ganz neu wird an jedem Bahnsteig die Anzeige zu den nächsten Abfahrtszeiten sein.
Straßenbauarbeiten in Postbauer-Heng während der Sperrung
• Synergieeffekte: Das Staatliche Bauamt Regensburg nutzt die Gelegenheit, zwei Straßenüberführungen im Raum Neumarkt instand zu setzen: die St2660 südlich von Neumarkt und die St 2402 in Postbauer-Heng. Die St2402 wird vom 2. Februar bis 12. Juni komplett gesperrt sein.
• Sicheres Arbeiten möglich: Durch das Abschalten und Erneuern der unterhalb des Bauwerks verlaufenden elektrifizierten Oberleitung können die Baumaßnahmen an der Brücke sicher und effizient durchgeführt werden.
• Umleitungsstrecken: Während der Vollsperrung wird der Verkehr über die benachbarte Eisenbahnunterführung der B8 und die Bahnhofstraße umgeleitet. Für Anlieger des Gewerbegebietes Ost ist die Zufahrt zur St2402 bis zur Baustelle frei.