Generalsanierung der Strecke Regensburg-Nürnberg: Eine Belastungsprobe für ganz Bayern

Von Isolde Stöcker-Gietl · 13. Oktober 2025 um 16:43

Ab Februar wird das Schienennetz zwischen Nürnberg und Passau erneuert und bleibt über Monate für den Bahnverkehr gesperrt. Wegen der Umleitungen müssen weitere Strecken im Takt ausgedünnt werden und der Güterverkehr nimmt weite Umwege in Kauf. Für Pendler bedeutet das: Mehr Zeit einplanen.

Video ansehen

Es ist eine Herausforderung. Eine, wie sie die Bahn in Bayern noch nicht erprobt hat. Von 6. Februar bis 10. Juli 2026 wird die Hochfrequenz-Strecke Nürnberg – Regensburg und direkt im Anschluss bis 11. Dezember die Strecke zwischen Obertraubling und Passau generalsaniert und dafür komplett gesperrt.

Die Maßnahme hat Auswirkungen auf Reisende und den Güterverkehr in ganz Südbayern. Der Verkehrsbetreiber Agilis hatte erfolglos dagegen Beschwerde eingereicht. Bei einer Pressekonferenz am Montag in Nürnberg versuchen die Projektverantwortlichen der Bayerischen Eisenbahn Gesellschaft (BEG) und der DB Infra Go nun die Chancen hervorzuheben. Die Bahn mache sich auf und an der Strecke fit für die Zukunft, heißt es.

Gleise, Oberleitungen und barrierefreie Bahnhöfe

Es ist ein Wust an Zahlen, der die Ausmaße verdeutlicht. Allein im Bauabschnitt 1 zwischen Regensburg-Prüfening und Neumarkt – der Hauptbahnhof Regensburg wird ebenso wie der Hauptbahnhof Nürnberg von der Generalsanierung ausgeklammert – werden 65 Kilometer Gleise neu verlegt, 80 Kilometer Oberleitungen und 19 Weichen erneuert.

Zudem wird der Deininger Damm gesichert und elf Bahnhöfe werden ertüchtigt, speziell in Bezug auf Barrierefreiheit. An den Stationen Seubersdorf, Parsberg und Beratzhausen werden Unterführungen neu gebaut, in Beratzhausen zudem der Bahnhof abgerissen und neu errichtet.

Auf der Strecke Neumarkt bis Nürnberg kommen im Bauabschnitt 2 rund 23 weitere Gleiskilometer und zehn Kilometer Oberleitungen hinzu. Zu den Maßnahmen im dritten Bauabschnitt Richtung Passau machen die Verantwortlichen am Montag noch keine Angaben. Dazu liefen derzeit die Vorbereitungen, heißt es.

Lesen Sie dazu hier: Bahnsanierung trifft Pendler im Landkreis Kelheim hart

Auch bei der Frage nach den Kosten bleiben die Aussagen vage. Projektleiterin Maria Söylemez von der DB Infra Go sagt in der Pressekonferenz, es sei zu früh, noch liefen die Planungen und Vorbereitungsarbeiten. Deutsche-Bahn-Pressesprecherin Kathrin Kratzer ergänzt am Nachmittag schriftlich: „Die Gesamtsumme auf dem Korridor Nürnberg-Regensburg bewegt sich unter einer Milliarde Euro.“

Um die Arbeiten innerhalb der geplanten zehn Monate zu stemmen, wird an den Baustellen Tag und Nacht gearbeitet. was auch auf die Anwohner an der Strecke Auswirkungen haben wird. Ab dem 20. Oktober tourt deshalb ein Infomobil und macht an den Stationen halt, um über die Maßnahmen zu informieren. Lärmgeplagten Anwohnern sollen sogar kurzzeitige Wohnungswechsel angeboten werden.

Fahrplandaten sind ab 15. Oktober online

Ab diesem Mittwoch sind in der App DB Navigator und auf www.bahn.de die Fahrplandaten zur Generalsanierung abrufbar. Eine eigene Unterseite informiert über den Schienenersatzverkehr. Die Haupt-Ausweichroute wird von Nürnberg über Amberg und Schwandorf nach Regensburg führen. Regensburg werde bis 23 Uhr angefahren, die Züge zudem mit mehr Kapazitäten ausgestattet. Fahrzeit: Etwa eine Stunde und 40 Minuten.

Auf der direkten Strecke werden neben dem herkömmlichen Schienenersatzverkehr, bei dem in Spitzenzeiten über 90 Busse zum Einsatz kommen sollen, Schnellverbindungsbusse mit je 40 Sitzplätzen angeboten, die die Reisenden auf der Autobahn ohne weitere Haltestellen transportieren. Aber Achtung: In den Bussen werden keine Fahrkarten erhältlich sein. Die müssen die Fahrgäste vorab besorgen.

Der Ersatzverkehr

• Bahnverkehr: Die Umleitungsstrecke führt über Amberg und Schwandorf. Der Fernverkehr fährt über Ingolstadt.

• Taktung mit Ersatzverkehr: Auf der Donautalstrecke wird der Takt vergrößert. Stündlich verkehrt ein Zug zwischen Ingolstadt und Neustadt/Donau, zwischen Neustadt/Donau und Regensburg gibt es Zweistundentakt mit zusätzlichen Bussen. Zweistundentakt auch von München nach Plattling.

• Taktausdünnungen ohne Ersatzverkehr auf den Strecken München-Ingolstadt, Friedberg-Augsburg und Augsburg-Meitingen.

Massiv von der Sperrung betroffen sein wird auch die Donautalstrecke nach Ingolstadt. Dort wird der Takt wegen umgeleiteter Gütertransporte deutlich ausdünnt. Laut Christine Pfisterer, verantwortlich für das Verkehrskonzept bei Infra Go, wurde der Güterverkehr mit Italien und Österreich abgestimmt, um nicht durch weitere Baustellen zusätzliche Verzögerungen zu verursachen. Für einige große Unternehmen an der Strecke hat die Bahn zudem die Möglichkeit eröffnet, während der Nachtstunden auf den Baugleisen Fahrten durchzuführen. Mit der begrenzten Geschwindigkeit von 20 km/h.

Lesen Sie hier: Einspruch gegen Sperre

Im Fernverkehr fährt während der Generalsanierung zwischen Nürnberg und Wien ein Teil der ICE-Züge über Ingolstadt–Regensburg–Passau (6 Fahrten) mit rund einer Stunde längerer Fahrzeit, der Rest der Züge beginnt und endet in Nürnberg (10 Fahrten). Zwei ICE-Züge werden über München-Regensburg-Passau nach Wien fahren. In Straubing werden während der Sanierung keine Fernzüge halten.

Weitere ICE-Verbindungen von und nach Nürnberg über Ingolstadt nach München werden mit einer etwa 15 Minuten längeren Fahrzeit verkehren. Mit der Verlagerung der Baustellung Richtung Passau werden sich dann ab Juni 2026 weitere Veränderungen im Fern- und Güterverkehr ergeben.

Die Bahn betonte mehrfach, dass die Generalsanierung alternativlos sei. Was passiert aber, wenn die engen Zeitpläne der Streckensperrung ins Wanken geraten? Projektleiterin Maria Söylemez winkt ab: „Das wird alles funktionieren!“