Sich verzögernde Sanierung der Bahnstrecke bei Neumarkt ist kein „Voll-Skandal“

Von Wolfgang Endlein · 8. Juli 2026 um 16:54

Die Züge zwischen Nürnberg und Regensburg fahren nicht wie geplant am 10. Juli wieder. Stattdessen wird die Sanierung der Bahnstrecke spätestens am 31. Juli fertig sein. Darüber und die Bahn kann man sich aufregen, man kann aber auch anders auf die Sache blicken, kommentiert MZ-Redakteur Wolfgang Endlein.

Die Bahn macht es einem seit vielen Jahren leicht, verärgert zu sein. Dass sie nun kurzfristig verkündet hat, die Bahnstrecke Nürnberg-Regensburg doch nicht pünktlich fertig saniert zu bekommen, passt bestens ins Bild jener, die Deutschland generell im freien Fall sehen. Letzteres ist bei allen berechtigten Sorgen, die man sich aktuell machen kann, genauso übertrieben wie die sich verzögernde Sanierung als einen Nachweis der völligen Unfähigkeit der Bahn zu interpretieren.

Zwar erhofft man sich eine Verzögerung nicht, aber angesichts der Komplexität des Projekts sind zwei Wochen mehr kein Voll-Skandal (um es mit Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann zu sagen). Wer Gelegenheit hatte, die 90 Kilometer lange Baustelle mit ihren bis zu 2000 Arbeitern zu besuchen und sich von Verantwortlichen deren Abläufe erklären zu lassen, gewann den Eindruck: Ja, es ist eine komplexe Aufgabe mit ambitioniertem Zeitplan, aber die haben das im Griff.

Es gibt Gründe, um in Neumarkt etwas nachsichtiger mit der Bahn zu sein

Was sich zum Großteil bestätigt hat. Gleise, Weichen und Oberleitungen sind fertig. Es hakt „nur“ an der Abnahme von zwei Stellwerken. Nimmt man das plus den sehr gut organisierten Schienenersatzverkehr, könnte man etwas nachsichtiger mit der Bahn sein. Dann darf man sie aber auch an ihren Worten messen: „Am 31. Juli werden die Züge wieder fahren.“