Stadt erneuert altes Entwicklungskonzept: Jetzt sind die Nittenauer Bürger gefragt

Mit einem sperrigen Begriff haben sich die Nittenauer Stadträte auseinandergesetzt – und er wird sie in den nächsten eineinhalb Jahren begleiten: Das alte Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) aus dem Jahr 2013 soll fortgeschrieben werden. Auf die Beteiligten kommt eine Menge Arbeit zu – von der am Ende aber alle Nittenauer profitieren sollen.
Im Jahr 2013 hatte die Stadt ihr erstes ISEK fertiggestellt. Weil sich seitdem vieles verändert hat, soll es nun auf den aktuellen Stand gebracht werden. Marius Himmler vom Planungsbüro UIMIS Stadtstrategien machte den Aktualisierungsbedarf an einem Beispiel deutlich. Damals habe das Marktpotenzial in Sachen Einzelhandel in Nittenau bei 114,8 Millionen Euro pro Jahr gelegen. Mittlerweile sei es um 63 Prozent gestiegen, und zwar auf 186,9 Millionen Euro.
Außerdem erläuterte er den Räten ausführlich, was sich hinter dem Stichwort ISEK verbirgt. Dabei handle es sich um ein strategisches Planungsinstrument, das die Entwicklung der Stadt über die kommenden zehn bis 15 Jahre hinweg beschreibe. Dabei würden einzelnen Themenbereiche nicht isoliert betrachtet, sondern „zusammengedacht“, wie Himmler es formulierte. In den ISEK-Prozess sind insgesamt drei Planungsbüros eingebunden. Dazu kommen im ISEK-Team noch einige Vertreter der Stadtverwaltung sowie Bürgermeister Benjamin Boml (FW).
Alle Nittenauer sollen im Prozess mitgenommen werden
Im Lauf des Prozesses soll auch eine Stärken- und Schwächenanalyse für Nittenau entstehen, wodurch man finanzielle Fördermöglichkeiten für einzelne Projekte herausfiltern könne, erklärte Himmler weiter. Insgesamt werde der ISEK-Prozess rund eineinhalb Jahre dauern. Das Ziel sei, nicht von oben herab zu agieren, sondern alle Nittenauer bei der Entwicklung mitzunehmen.
Im Lauf der Zeit werde man eine Menge Themen behandeln, erklärte der Planer und nannte dabei Schlagworte wie Städtebau, Denkmalpflege, Wohnen, Arbeit, Wirtschaft, Einzelhandel, Gastronomie, Bildung, Gesundheit, Soziales, Verkehr oder Klimavorsorge. Konkret nannte er auch ein paar beispielhafte Fragen, die das ISEK am Ende beantworten soll: Wo in Nittenau kann man im Alter wohnen? Wie lässt sich das Einzelhandelsangebot im Zentrum stärken? Wie gelingt der Generationenwechsel bei der ärztlichen Versorgung?
Erste Bürgerwerkstatt soll im September stattfinden
Der Experte schilderte den Räten auch den Ablauf des ISEK-Prozesses. Der interne Start mit der Stadtverwaltung sei Ende April gefallen. Dabei habe man sich über wichtige Termine abgestimmt. Auch ein Workshop habe bereits stattgefunden. Am 9. Juli werde die ISEK-Lenkungsgruppe tagen, der unter anderem der 2. und 3. Bürgermeister, Vertreter der Fraktionen sowie der städtische Sanierungsberater angehören.
Im September soll dann die erste Bürgerwerkstatt stattfinden: Zunächst werden bei einem Stadtspaziergang zentrale Orte in Nittenau besucht. Anschließend ist die Meinung der Teilnehmer gefragt. Am 10. Oktober soll eine Ratsklausur mit Vertretern des Planungsbüros stattfinden. Parallel dazu wird das Einzelhandelskonzept der Stadt fortgeschrieben, zudem läuft eine Verkehrsuntersuchung. Im Oktober 2027 soll der Prozess zu Ende sein und das neue ISEK als fertiges Dokument vorliegen.
Stadtentwicklung passiert nicht von heute auf morgen.Marius Himmler, Stadtplaner
Wie Himmler weiter erläuterte, enthielt das ISEK aus dem Jahr 2013 exakt 173 Maßnahmen, die als wichtig für die Stadtentwicklung galten. 40 von ihnen seien umgesetzt worden, 45 seien gerade in der Realisierungsphase. Man habe seitdem also rund 50 Prozent der Maßnahmen abarbeiten können. Das sei eine Quote, die in Ordnung sei, sagte Himmler. Schließlich müsse man für manche Ideen auf die passenden Förderprogramme warten. „Stadtentwicklung passiert nicht von heute auf morgen“, lautete das Fazit des Planers.
Bürgerumfrage läuft noch bis zum 5. Juli
Ein wichtiger Baustein für das neue ISEK ist die Bürgerumfrage, die am 8. Juni startete und nun noch bis zum 5. Juli läuft. Alle interessieren Bürger können sich dort beteiligen und einen Fragebogen zu ihren Wünsche für die Entwicklung der Stadt ausfüllen. Zu finden ist die Umfrage im Internet auf www.nittenau.de.
Wie Himmler erklärte, haben sich bislang rund 300 Personen beteiligt. Es sei wünschenswert, dass sich diese Zahl noch mindestens verdopple, um möglichst repräsentative Ergebnisse zu erhalten, erklärte er. Auch Bürgermeister Boml rief die Nittenauer dazu auf, bei der Umfrage mitzumachen.