Neues Leben für altes Mühlengelände in Nittenau: Investor plant Betreutes Wohnen am Anger

Die Pläne für die Zukunft des Weißmühlgeländes in Nittenau werden allmählich konkret: Ein Investor will nun die Neugestaltung vorantreiben. Künftig soll hier eine Einrichtung für Betreutes Wohnen mit einer zusätzlichen Gruppe für demenzkranke Menschen untergebracht werden. Die Mitglieder des Bauausschusses begrüßten das Vorhaben, sahen aber auch einige Fragezeichen.
Bauamtsleiter Josef Lingauer erläuterte den Räten zunächst in groben Zügen das Projekt, hinter dem die Immosad Verwaltungs GmbH aus Nittenau steht. Geplant sei die Sanierung der bestehenden Gebäude „Am Anger“ 2, 4 und 10 sowie deren „teilweise bauliche Ergänzung“. Am 18. Februar habe das Unternehmen die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans für das Areal beantragt, so Lingauer weiter.
Weil das Projekt der Schaffung von Wohnraum diene, habe die Stadtverwaltung allerdings in Abstimmung mit dem Landratsamt angeregt, die Variante des sogenannten Bauturbos nach Paragraf 246e des Baugesetzbuchs zu prüfen. Damit könne man schneller Baurecht schaffen als mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, erklärte Lingauer.
Machbarkeitsstudie liegt bereits vor
Der Bauamtsleiter ging auch kurz auf die Vorgeschichte zu den aktuellen Plänen ein. Es gebe dazu bereits eine Machbarkeitsstudie, die von einem Planungsbüro aus Furth im Wald erarbeitet worden sei. Man wolle nun die Interessen der Stadt und des Vorhabenträgers unter einen Hut bringen, so Lingauer. Er wies darauf hin, dass eine Anwendung des Bauturbos zu einem schnelleren Baustart führe und man dennoch auch die Interessen der Stadt berücksichtigen könne: Der Investor erstelle den Bauantrag und müsse sich dabei eng mit der Verwaltung abstimmen, so Lingauer. Weil das Weißmühlgelände sehr groß sei, sei es außerdem sinnvoll, dass der Investor sein Vorhaben im Bauausschuss vorstelle.
Die Stadträte hatten daraufhin einige Fragen. Christoph König (Grüne) wollte wissen, welche Einflussmöglichkeiten der Stadt Nittenau bei Anwendung des Bauturbos tatsächlich noch bleiben werden. Denn bei der Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans könne die Stadt beispielsweise Nachhaltigkeit beim Bau und der Energieversorgung der Gebäude verlangen. Das sei speziell im Hochwasserbereich wichtig. „Da will ich kein Öl oder Gas drinhaben“, so König. Er habe große Bedenken, dass die Stadt beim Bauturbo mit ihren Wünschen außen vor bleibe.
3. Bürgermeister Karl-Heinz Stich (FW), der die Sitzung leitete, konnte Königs Einwände nachvollziehen. „Diese Bedenken sind berechtigt“, sagte er. Der Bauamtsleiter entgegnete, beim Bauturbo sei am Ende für die Baugenehmigung die Zustimmung der Kommune nötig. Diese Zustimmung könne sie vom Abschluss eines städtebaulichen Vertrags abhängig machen.
Zudem existiere in Nittenau eine städtische Gestaltungsfibel, und auch eine städtebauliche Beraterin werde unterstützend mitwirken. „Das Mühlengebäude ist schon ein prägnanter Baukörper“, sagte Lingauer. Dieser müsse sich auch nach der Sanierung ins Ortsbild einfügen. Wenn die Stadt bei der Entwicklung des Geländes Zeit sparen wolle, sei der Bauturbo am Ende die bessere Wahl, lautete das Fazit des Bauamtsleiters.
Auf dem Weißmühlgelände muss endlich was passieren
Gunther Stangl (FW) rief daraufhin dazu auf, auf dem Weißmühlgelände keine Zeit zu verlieren. „Alles ist besser, als es so stehen zu lassen, wie es ist. Wenn da etwas zusammenbricht...“, gab er zu bedenken. Er selbst habe gegenüber dem Bauträger keine Befürchtungen. Schließlich habe dieser sicherlich kein Interesse daran, „etwas Hässliches“ hinzustellen.
Alles ist besser, als es so stehen zu lassen, wie es ist. Wenn da etwas zusammenbricht...Gunther Stangl, FW-Stadtrat
SPD-Fraktionssprecher Florian Loibl erklärte, aus seiner Sicht sei die Variante des Bauturbos in Ordnung. Er wollte aber wissen, wie das weitere Vorgehen aussehe. Lingauer erklärte, bei Anwendung des Turbos müsse der Bauherr nun seine Eingabeplanung erarbeiten. Dabei gehe es zunächst um die grobe Planung wie zum Beispiel die Lage der Gebäude und anschließend auch um Details wie Fensterfarben oder Balkone. Weil sich der Investor im Lauf dieses Prozesses mit der Stadt abstimmen müsse, werde man merken, ob man einen städtebaulichen Vertrag brauche oder nicht. Das Ziel sei der fertige Bauantrag, mit dem sowohl die Stadt als auch der Investor einverstanden seien.
CSU-Fraktionssprecher Thomas Hochmuth vermutete hinter diesem Prozess einen hohen Arbeitsaufwand. „Das sind viele Aufgaben für die Verwaltung. Wer trägt dafür die Kosten? Bleibt das am Stadtsäckel hängen?“, wollte er wissen. Lingauer erklärte, bei anfallenden Gebühren sei der Bauherr in der Pflicht. Wie es dagegen mit finanziellem Ausgleich für die Arbeitszeit aussehe, die Rathausmitarbeiter für das Projekt aufwenden, sei noch unklar, ergänzte Stich. Das werde man noch prüfen. Am Ende waren die Räte einstimmig dafür, dass der Investor seine Pläne auf dem Weg des Bauturbos vorantreiben soll.
Mehrfamilienhaus mit 13 Wohnungen geplant
Anschließend hatten die Räte noch einen einzelnen Bauantrag für das Weißmühlgelände auf dem Tisch. Für die Grundstücke Am Anger 10 und 12 beantragte ebenfalls die Immosad Verwaltungs GmbH Aufstockung, Sanierung, Umbau und Nutzungsänderung des Gebäudes in ein Mehrfamilienhaus mit 13 Wohnungen. Dazu gehört auch ein Teilabbruch von Garage und Anbauten.
Das sorgte im Gremium für Irritationen. Florian Hummel (CSU) erklärte, gerade eben habe man beschlossen, das Weißmühlgelände als Einheit zu entwickeln. „Jetzt haben wir hier ein Häppchen davon“, wunderte er sich und forderte, das Gelände als Ganzes via Bauturbo überplanen zu lassen. Mit Ausnahme von Gunther Stangl sahen die übrigen Räte das ähnlich und verweigerten dem Bauantrag das gemeindliche Einvernehmen.