Zitterpartie bei Küblböck: Ofensparte scheint gerettet – aber bleibt sie in Burglengenfeld?

Die Mitarbeiter der Ludwig Küblböck Baukeramik, der Küblböck Kachelofenbau sowie der Besitzgesellschaft Winkelmann haben harte Wochen hinter sich. Fast täglich gab es neue Zwischenmeldungen über die bedrohte Zukunft der Firmen in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf). Nun steht fest: Für den Ofenbau gibt es einen Investor, für die Sparte Fliesen- und Natursteinhandel hat sich ein Interessent gemeldet. Ob er aber auch ein akzeptables Angebot vorgelegt hat, blieb bis Redaktionsschluss offen.
Wie berichtet, haben die Geschäftsführer der genannten Gesellschaften Mitte März Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Durch die Kürzung von Kreditlinien durch zwei Banken, die allgemein schwierige Lage in der Baubranche sowie Investitionen, die nicht die erhofften Effekte brachten, waren sie in die Bredouille geraten.
Käufer zu finden, ist zurzeit sehr schwierig
Im Februar holten sie einen Wirtschaftsprüfer mit ins Boot. Obwohl er zu einer eher positiven Bewertung gekommen sein soll, entschieden sich die Verantwortlichen wenig später, „drohende Zahlungsunfähigkeit“ anzuzeigen. Dadurch erhofften sie sich, nicht zum wehrlosen Getriebenen zu werden, sondern selbst noch etwas zur Rettung beitragen zu können.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das zuständige Gericht Dr. Jochen Zaremba. Der Fachanwalt arbeitet für die Kanzlei SRI mit Hauptsitz in Nürnberg. Die MZ stand mit ihm seit März regelmäßig in Verbindung. Eine seiner Kernbotschaften: Die Zeiten sind hart. Selbst für Unternehmen, die jede Menge Potenzial bieten, sei es heute deutlich schwieriger als vor zehn Jahren, einen Investor zu finden.
Erst vor wenigen Tagen mehrten sich positive Signale
So gestaltete sich auch der Kampf um das Überleben der Küblböck-GmbHs zur Zitterpartie. Zwar meldeten sich immer wieder Interessenten, doch konkrete Kaufangebote ließen lange auf sich warten. Erst diese Woche hellte sich das Bild etwas auf. Für den Bereich Ofenbau reichte ein Schornsteinspezialist aus Oberbayern in der Nacht zum Donnerstag ein Angebot ein, das Zaremba für akzeptabel hält. Kommt der Vertrag zustande, könnten neben dem Betrieb immerhin knapp 20 Arbeitsplätze gerettet werden.
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Allerdings, so gibt Zaremba zu bedenken, müsse der Erwerber auch noch mit dem Eigentümer der Immobilien verhandeln, in denen Küblböck seit rund 25 Jahren untergebracht ist. Die Miete beziehungsweise die den Bedarf weit übertreffenden Nutzflächen waren schon seit Jahren eine Belastung, die die Geschäftsführung gerne geändert hätte.
Immobilieneigentümer bewegt sich bei der Miete
Die Immobilien sind in der Hand einer Fondsgesellschaft mit Sitz in Luxemburg. Erst seit kurzem soll sie bereit sein, von ihren Mietvorstellungen abzurücken. Sollte sie sich mit dem Käufer der Sparte Ofenbau nicht einigen, würde der Verhandlungserfolg des Insolvenzverwalters stark getrübt. Der Standort würde nämlich verlagert werden, die Fahrt zur Arbeit dürfte für die Mitarbeiter kaum noch zumutbar sein.
Am Donnerstag, 16 Uhr, informierte Zaremba die Beschäftigten in einer Betriebsversammlung über den Stand der Dinge. Die Angestellten, die in den zurückliegenden Monaten über die Arbeitsagentur bezahlt worden sind, nahmen die Nachricht gefasst auf. Führungskräfte loben ihre Haltung. Jeder habe große Disziplin bewiesen und weiter sein Bestes gegeben. Im Prinzip stellten die Mitarbeiter, ihr Know-how und ihre Erfahrung mit das größte Kapital dar.
Zum Geschäftsbereich Fliesen und Naturstein gab es bis Freitagnachmittag Meldungen, die ebenfalls nichts für schwache Nerven sind. Zwar hat sich mittlerweile auch dafür ein Investor gemeldet. Doch über einzelne Klauseln im Vertragsentwurf konnte keine Einigung erzielt werden. Am Montag wisse man vielleicht mehr, sagte Zaremba.
Rund die Hälfte der Arbeitsplätze geht verloren
So oder so würde sich der Kontrakt nur auf den Handel, nicht aber auf die Bearbeitung von Stein beziehen, heißt es. Das bedeutet, dass ein Teil der Jobs verloren ist. Selbst im günstigsten Fall, so rechnet Zaremba vor, könne nur rund die Hälfte der insgesamt rund 50 Arbeitsplätze erhalten werden.
Die Baukeramik GmbH wurde 1974 von Ludwig Küblböck gegründet und entwickelte sich zu einem in der Region führenden Anbieter einschlägiger Produkte. Vor einem Vierteljahrhundert übernahm Falk Winkelmann die Führung. Der heute 79-jährige Kaufmann hatte 2023 diverse Umstrukturierungen vorgenommen und neue Geschäftsführer installiert, die das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft führen sollten. Am Freitag räumte Winkelmann seinen Schreibtisch. „Für mich ist Schluss“, sagte er. Natürlich hätte er sich ein erfreulicheres Ende seines Berufslebens gewünscht.
Ein Schlag auch für die Stadt Burglengenfeld
Auch Bürgermeister Martin Antretter (SPD) hat die Entwicklung in den zurückliegenden Wochen verfolgt. Dass so renommierte Firmen wie Küblböck in Schieflage geraten seien, sei sehr bedauerlich. Gründe gebe es dafür vermutlich mehrere. Möglicherweise könnten sich viele Menschen die hochwertigen Produkte, für die Küblböck bekannt sei, nicht mehr leisten.
Die Stadt habe, so bedauerte Antretter, auf das Geschehen keinen Einfluss. Solange aber noch ein Fünkchen Hoffnung bestehe, dass es auch mit der Sparte Fliesen und Naturstein weitergeht, drücke er gern die Daumen.