Schock in Burglengenfeld: Küblböck droht die Zahlungsunfähigkeit

Von Thomas Rieke · 17. März 2026 um 16:32

Die Zahl der Firmenpleiten hat in Deutschland den höchsten Stand seit 2014 erreicht. Auch in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) ist die Wirtschaftskrise immer deutlicher zu spüren. Aktuelles Beispiel: Die Traditionsunternehmen Küblböck Baukeramik und Küblböck Kachelofenbau sowie die Besitzgesellschaft Winkelmann haben dieser Tage Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

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Falk Winkelmann, der vor rund 25 Jahren die 1974 von Ludwig Küblböck gegründete Baukeramik GmbH übernommen hat und noch heute Teil der Geschäftsführung ist, erläuterte der Redaktion in einem von Offenheit geprägten Gespräch, wie die Unternehmen in die Notlage gerutscht sind.

Im Herbst vergangenen Jahres habe man zur Kenntnis nehmen müssen, dass zwei international agierende Banken, mit denen man viele Jahre zusammengearbeitet hatte, die Kontokorrentlinien halbierten. Das heißt: Der Kreditrahmen für das laufende Geschäft wurde massiv beschnitten. Alle Hinweise, dass dieser Schritt die Lage nur verschlimmere und den Todesstoß bedeuten könnte, seien auf taube Ohren gestoßen, erklärt Winkelmann. Das Eigeninteresse der Banken, auf Nummer sicher zu gehen, habe überwogen.

Jüngste Investitionen machten sich nicht bezahlt

Doch es gibt weitere Faktoren, die den Firmen Küblböck zu schaffen machten, räumt der 78-jährige Kaufmann ein. Vor rund zwei Jahren habe man viel Geld in die Hand genommen, um am Firmensitz an der Hopfenröthe die Ausstellung neu zu konzipieren. Die Impulse, die man sich dadurch erhoffte, seien allerdings ausgeblieben. Insgesamt leide die Bauwirtschaft bekanntlich unter lahmenden Umsätzen.

Nicht zuletzt sei die Immobilie, in der Küblböck seit über 20 Jahren angesiedelt ist, ein Problem. Die Räumlichkeiten seien viel zu groß, die Pacht entsprechend eine unverhältnismäßige Belastung. Ein Umzug scheidet aufgrund laufender Verträge derzeit jedoch aus.

Wirtschaftsprüfer mit ins Boot geholt

Schon vor einigen Jahren hat Winkelmann die Hauptgeschäftsführung an mehrere Partner übertragen. Alle zusammen entschlossen sich seinen Angaben zufolge im Februar, einen Wirtschaftsprüfer mit ins Boot zu holen. Er sollte alle Arbeitsfelder unter die Lupe nehmen und aufzeigen, wie man eventuelle Schwachstellen beseitigen könnte.

Unterm Strich habe sich gezeigt, dass vieles eigentlich in Ordnung sei. „Die Buchhaltung ist o.k., und die Abläufe der Warenwirtschaft sind sauber.“ Trotzdem habe man sich entschieden, schon jetzt den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Winkelmann wörtlich: „Wir möchten nicht zu Getriebenen werden, wir möchte selbst weiter treiben.“

Löhne sind noch bis Mai gesichert

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Amberger Rechtsanwalt Jochen Zaremba bestellt. Nach Informationen der Redaktion hat er nun drei Monate Zeit, nach Wegen zu suchen, wie die ins Trudeln geratenen Firmen gerettet werden könnten. So oder so seien die Gehälter der rund 50 Beschäftigten immerhin bis Mai gesichert, versichert Falk Winkelmann.

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Der 78-Jährige, der seinen Anteil an den Gesellschaften im vergangenen Jahr auf unter 20 Prozent gesenkt hat, ist zuversichtlich, dass die Geschäfte, trotz schwieriger Rahmenbedingungen, unter dem Dach neuer GmbHs fortgeführt werden können. Das liege am Engagement seiner Nachfolger, an der Agilität des Vertriebs, an der starken Marktposition und an den Kontakten zum Großhandel. 85 Prozent des Umsatzes entfielen auf ihn. Das Verhältnis zu den Kunden sei von einem „langjährigen, vertrauensvollen Miteinander geprägt“, so Winkelmann. In den Gesprächen, die man zuletzt geführt habe, habe man viel Zuspruch und Sympathie erfahren.

Hoffnungen ruhen auf in der Region verwurzelten Banken

Noch zu führen sind Verhandlungen mit Banken. Winkelmann setzt große Hoffnungen auf in der Region verwurzelte Kreditinstitute, denen noch daran gelegen sei, Firmen und Arbeitsplätze in ihrem Dunstkreis zu erhalten. Auch für die „Baustelle Firmensitz“ deutet sich eine Lösung an. Winkelmann ist optimistisch, dass die Firmen Küblböck ein Drittel der Fläche abtreten können – entweder an den Eigentümer oder einen Untermieter.

Winkelmann wirkt bei allem, was er sagt, sachlich, ruhig und überlegt. In rund 60 Jahren Berufstätigkeit hat der Kaufmann schon so manche Tiefen erlebt – und überwunden. Kaum hatte er die Baukeramik GmbH samt Ofenstudio übernommen, wurde er von einer Krise eingebremst. Nach einer Phase der Konsolidierung sollte es jedoch steil bergauf gehen. Auch die Folgen des Ukrainekriegs und die Debatte über ein (mittlerweile abgewendetes) Kaminofen-Verbot sorgten für Sorgenfalten, wurden aber gemeistert.

2023 informierte Winkelmann über „Weichenstellungen“. Mit einem Quartett „junger Wilder“ wollte er die Firmen in eine erfolgreiche Zukunft führen und sich sukzessive zurückziehen. Eine der damals präsentierten Führungskräfte ist aus privaten Gründen aber längst wieder ausgeschieden. Winkelmann selbst will dem Rest der Mannschaft weiter beratend zur Seite stehen. Auf eine Sechs-Tage-Woche mit zwölf Stunden Arbeit täglich hat er dagegen keine Lust mehr.