Am ZMS in Schwandorf geht eine Ära zu Ende: Nachfolger von Thomas Knoll steht fest

Von Vanessa Ebert · 19. Mai 2026 um 19:00

Von langer Hand geplant ist der Generationswechsel beim Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS). Seit mehr als 16 Jahren leitet Verbandsdirektor Thomas Knoll (64) dort die Geschicke, nun steht sein Nachfolger fest. Zum 1. September übernimmt Diplom-Ingenieur Holger Baumann (51). Auf ihn warten eine Menge Herausforderungen, die nicht nur das Großprojekt Triphönix mit sich bringt.

Den Wechsel an der Spitze hatte der ZMS seit geraumer Zeit akribisch geplant. Mehr als 50 Bewerbungen gingen nach Mitteilung des Verbands ein. Es folgten ein umfangreiches Auswahlverfahren und intensive Gespräche. Jetzt kann Thomas Knoll ruhigen Gewissens in den Ruhestand gehen. „Ich bin überzeugt, dass mein Nachfolger gut zurechtkommen wird“, erklärt der 64-Jährige im Gespräch mit der MZ.

Verbandsvorsitzender Thomas Ebeling (l.) und Verbandsdirektor Thomas Knoll (r.) stellen den neuen ZMS-Geschäftsleiter Holger Baumann vor. - Foto: Franz Grabinger

Bereits im März wurde die richtungsweisende Personalentscheidung in der Verbandsversammlung getroffen, wie der ZMS in einer Presseerklärung mitteilt. Als Kandidat der Wahl setzte sich Diplom-Ingenieur Holger Baumann (51) durch. Er wird neuer Geschäftsleiter des ZMS und tritt damit die Nachfolge des langjährigen Verbandsdirektors an. „Ausschlaggebend waren neben seiner fachlichen Qualifikation insbesondere seine langjährige Führungserfahrung in der Abfallwirtschaft sowie seine strategische Kompetenz im Umgang mit komplexen organisatorischen und infrastrukturellen Anforderungen“, geht weiter aus der Mitteilung hervor.

Nach dem Abitur in Weiden habe Baumann an der Universität Rostock Landeskultur und Umweltschutz studiert. Der gebürtige Oberpfälzer sei zuletzt über viele Jahre hinweg in leitenden Positionen in der Abfallwirtschaft tätig gewesen, so der ZMS.

Erster Termin steht schon fest

Zum 1. September wird der Ingenieur seinen Dienst in Schwandorf antreten. In seinem Kalender steht dann auch gleich ein wichtiger Termin, wie Thomas Knoll verrät. „Holger Baumann wird an diesem Tag auch unsere Auszubildenden begrüßen, die zusammen mit ihm starten“, so der 64-Jährige.

Mit der neuen Funktion übernimmt Baumann ein breites und anspruchsvolles Aufgabenspektrum. Doch für ihn soll es kein Sprung ins kalte Wasser werden. „Einen sanften Übergang“ will Knoll seinem Nachfolger ermöglichen und ihm noch eine Zeit lang beratend zur Seite stehen. Wie lange und in welchem Umfang sein Nachfolger sich das wünsche, werde sich beim Start zeigen. Spätestens zum Ende des Jahres aber will sich Knoll endgültig verabschieden.

Im Grunde ist auf dem Gelände immer gebaut wordenThomas Knoll, Verbandsdirektor ZMS

Der 64-Jährige blickt auf mehr als 16 Jahre beim ZMS zurück. Intensiv beschäftigt hat Knoll in den zurückliegenden Jahren das Megaprojekt Triphönix. Unter diesem Namen plant der Verband die Modernisierung des Müllkraftwerks und somit die größte Investition in seiner Geschichte. Das Vorhaben ist 2021 gestartet und soll etwa 2031 abgeschlossen sein. Eine Modernisierung in diesem Umfang und im laufenden Betrieb sei schon eine besondere Herausforderung, erklärte Knoll einst gegenüber der MZ. Wenn auch das größte, war Triphönix bei weiten nicht das einzige Projekt in Knolls Laufbahn. Die Aussage „Im nächsten Jahr wird es wieder ruhiger“, sei auf den Verbandssitzungen schon zum Running Gag geworden, schmunzelt er. „Im Grunde ist auf dem Gelände immer gebaut worden“, erklärt der Verbandsdirektor. Auch neue Entwicklungen seien kontinuierlich angestoßen worden.

Eine breitgefächertes Aufgabenspektrum

In rund drei Monaten wird Baumann die Geschicke des ZMS mit seinen 17 Verbandsmitgliedern verantworten. Darüber hinaus wird er als Geschäftsführer zweier Tochtergesellschaften, der Ostbayerischen Verwertungs- und Energieerzeugungsgesellschaft mbH (OVEG) und der Schwandorfer Rohstoff- und Recycling GmbH (SRR) fungieren, die Geschäftsleitung des Zweckverbandes Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) mit seinen derzeit 41 Verbandsmitgliedern übernehmen sowie als stellvertretender Vorstand des gemeinsamen Kommunalunternehmens Klärschlammverwertung Schwandorf (gKU KVS) tätig sein.

Auch Schwandorfs Landrat Thomas Ebeling (CSU) freut sich über die Nachfolgelösung. „Mit Holger Baumann haben wir eine Führungspersönlichkeit gewonnen, die den komplexen Anforderungen des ZMS gerecht wird“, so wird Ebeling als Verbandsvorsitzender in der Pressemitteilung zitiert. „Er vereint fachliche Expertise, Führungserfahrung und regionale Verwurzelung – beste Voraussetzungen, um den ZMS erfolgreich weiterzuführen“, ist der Landrat überzeugt.

Ferntransport zum Müllkraftwerk bleibt ein Thema

Die Herausforderungen, die diese Funktionen mit sich bringen, sind vielfältig. Außer dem Großprojekt Triphönix werden seinen Nachfolger, so zeigt Knoll auf, auch Themen wie der Ferntransport zum Müllkraftwerk, die thermische Klärschlammverwertung sowie die steigenden Anforderungen an Einrichtungen der kritischen Infrastruktur beschäftigen und sowohl technisches Know-how als auch strategische Weitsicht abverlangen.

Aktuell beschäftigt den ZMS insbesondere das Thema Müllanlieferung. Ende 2025 hat die DB Cargo AG, eine Tochterfirma der deutschen Bahn den Vertrag mit dem Verband zum 31. Dezember 2026 gekündigt. Derzeit laufen laut Knoll Gespräche mit in- und ausländischen Transportdienstleistern. In den nächsten Wochen soll es dazu Neuigkeiten geben.

Im Moment hat Knoll noch alle Hände voll zu tun, ein paar Gedanken zum neuen Lebensabschnitt hat er sich aber schon gemacht. „Meine Frau hat mir einen umfangreichen Lego-Bausatz von Schloss Neuschwanstein geschenkt“, schmunzelt er. „Das werde ich im Winter wohl in Angriff nehmen.“ Auch sein Wohnhaus möchte er auf Vordermann bringen. Komplexe Themen aber lassen ihn auch in Zukunft nicht los: „Ursprünglich habe ich ja die Juristerei gelernt und habe vor, wissenschaftliche Aufsätze zu verfassen“, so Knoll.