Tiefe Einblicke ins Projekt Triphönix: Besuch der Mega-Baustelle im Müllkraftwerk Schwandorf

Die meisten nehmen lediglich die zwei riesigen roten Kräne wahr, die sich seit Anfang Dezember über dem Schwandorfer Müllkraftwerk erheben. Doch wie viele Rädchen im Firmengelände ineinandergreifen müssen, um das größte Projekt in der Geschichte des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS) zu stemmen, wissen bisher nur wenige. Die MZ hat nun tiefe Einblicke in die Mega-Baustelle erhalten, die unter dem Namen „Triphönix“ läuft.
Mittwoch, 9 Uhr. Während draußen leichter Nieselregen auf das Dach prasselt, sitzen ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll und der Verbandsvorsitzende, Landrat Thomas Ebeling, im Besprechungsraum des Verwaltungsgebäudes. Sie haben die MZ eingeladen, um über den aktuellen Baufortschritt des Mega-Projekts mit dem klangvollen Namen „Triphönix“ zu informieren. Chronologisch zählt Knoll alle Hürden auf, die die größte Investition in der Geschichte des ZMS bisher genommen hat – und was noch zu tun ist. Draußen röhren die Baumaschinen, immer wieder kracht es.
Das Schwandorfer Müllkraftwerk, in dem jährlich 450.000 Tonnen Abfall thermisch verwertet und damit in Prozessdampf, Strom und Wärme umgewandelt werden, erhält neue Ofenlinien. Nach mehr als 40 Jahren haben die alten ausgedient. Die Arbeiten laufen seit 2023. Bis 2031 sollen die Ofenlinien 1 bis 3 durch zwei modernere und größere Ofenlinien ersetzt werden. Sage und schreibe 430 Millionen Euro wird der Umbau nach aktuellen Hochrechnungen am Ende kosten. Knoll nennt es „eines der größten Infrastrukturprojekte der Oberpfalz“.
Momentan geht es den Ofenlinien 2 und 3 an den Kragen
Die Mega-Baustelle schreitet zügig voran. Die erste Phase mit der Erneuerung der Rauchgasreinigung und Ertüchtigung der Ofenlinie 4 wurde bereits im Sommer 2024 abgeschlossen. „Die Ofenlinie 4 ist unser Arbeitspferd, während die Ofenlinien 2 und 3 abgebrochen und erneuert werden“, erklärt Knoll. Denn eins ist klar: Das Schwandorfer Müllkraftwerk muss auch während der Baumaßnahmen laufen – sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. „Die Entsorgung und Versorgung muss sichergestellt werden“, sagt Knoll. Und das klappt laut dem Verbandsdirektor bisher tadellos. Und was derzeit nicht im Schwandorfer Müllkraftwerk verwertet werden könne, werde in andere Anlagen umgeleitet. Auch hier habe es bisher keine größeren Probleme gegeben.













Gegenwärtig befindet sich der Abbruch der Linien 2 und 3 in der heißen Phase. Auf dem Firmengelände geht es deshalb zu wie in einem Bienenstock. Zwei mehr als 100 Meter hohe, rote Kräne heben tonnenschwere Teile durch die Luft, die zuvor von Mitarbeitern der Abbruchfirma per Schweißbrenner freigeschweißt wurden. Am Boden nagen Bagger am Altmetall. Lastwagen bringen den Schrott weg. Dieser wird eingeschmolzen oder anderweitig verkauft. „100 Tonnen Schrott am Tag sind nicht unüblich“, sagt Knoll. Ungeachtet dessen hält die Müllkraftwerks-Crew den Betrieb parallel aufrecht.
Dass die Arbeiten natürlich auch mit einer gewissen Lärmintensität einhergehen, bittet Knoll zu entschuldigen. Tatsächlich macht in lokalen Facebook-Gruppen die ein oder andere Beschwerde bereits die Runde. Teilweise würde man den Baustellenlärm sogar noch nach 23 Uhr wahrnehmen, heißt es. Der Verbandsdirektor widerspricht hier entschieden. Man achte strikt darauf, dass die Arbeiten von Montag bis Freitag bis maximal 22 Uhr durchgeführt werden. Am Samstag sei noch wesentlich früher Schluss.
Triphönix-Projekt soll Ende 2031 abgeschlossen sein
Der Rückbau der Ofenlinien 2 bis 3 wird etwa fünf Monate dauern. Dann werden die Fundamente für die neuen Anlagen gelegt. Diese sind deutlich größer und schwerer, weshalb mehrere hundert Mikropfähle im Erdboden versenkt werden müssen, um für mehr Stabilität zu sorgen. Der Einbau der neuen Anlage soll dann Anfang nächsten Jahres beginnen. Der Probebetrieb ist für November 2028 vorgesehen. Läuft alles nach Plan, wird ab 2029 die letzte verbliebene Ofenlinie 1 zurückgebaut und durch eine neue ersetzt. Im September 2031 könnte das Triphönix-Projekt abgeschlossen sein. „Wir sind bislang im Finanz- und auch im Zeitplan“, sagt Knoll.

Es gibt aber auch noch einen Punkt, der den Verantwortlichen derzeit etwas Kopfzerbrechen bereitet, Stichwort: Kaminanlage. Die bestehende wird man laut dem Verbandsdirektor nicht mehr nutzen können. Deshalb seien neue Kamine nötig. Die werden mit 60 Metern deutlich niedriger in den Himmel ragen als die bestehenden, die etwa 80 Meter messen. „Dafür werden die Grenzwerte in der Verbrennung und der Rauchgasreinigung verschärft“, erklärt Knoll.
Wird ein Tunnel auf dem Gelände des Müllkraftwerks gebaut?
So weit, so gut. Nur ist auf dem Firmengelände nicht unbegrenzt Platz, und irgendwo müssen die neuen drei Kamine ja unterkommen. Mittlerweile habe man einen geeigneten Standort gefunden. Dumm nur, dass es sich dabei um die Hauptverkehrsstraße des Werksgeländes handelt. Doch haben die Triphönix-Planer mittlerweile eine Lösung im Kopf. Es soll ein Tunnel mit etwa 4,50 Metern Durchfahrtshöhe gebaut werden. Auf diesem sollen die Kamine ihren Platz finden, die Lastwagen können ungehindert passieren. Die Ausschreibung für dieses Nebenprojekt soll bald rausgehen.
„Es kommt immer wieder vor, dass wir während der Bauarbeiten neue Ideen entwickeln“, sagt Knoll. Das sei auch gut so, schließlich solle die neue Anlage die nächsten 40 Jahre wieder möglichst störungsfrei laufen. Ein weiterer Vorschlag, der die Planer gegenwärtig beschäftigt, ist beispielsweise, das System der Rauchgasreinigung auf neue Füße zu stellen. Statt einer Sammelschiene sollen die Rauchgase aus den verschiedenen Ofenlinien künftig über separate Schienen geleitet werden. Das bringt laut Knoll Vorteile in Sachen Wartung, Sicherheit und Risikomanagement mit sich.

Wer sich über die Baufortschritte informieren möchte, kann das über die Baustellenkameras tun, die vor etwa zwei Wochen installiert wurden. Diese senden Standbilder, die alle 30 Minuten aktualisiert werden und auf der Internetseite des ZMS abrufbar sind.