Bahnprobleme des ZMS nun auch Thema im Stadtrat: Keiner will Mülltransport auf Straße sehen

Von Vanessa Ebert · 23. Januar 2026 um 05:00

Bisher ist es eine hypothetische Frage: Welche Folgen hätte es, wenn der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) die Müllanlieferung statt über die Schiene künftig auf der Straße abwickeln müsste? Darüber wurde am Montag im Stadtrat intensiv diskutiert – am Ende bezogen die Mitglieder geschlossen Position.

Immer wieder musste der ZMS in der Vergangenheit mit Problemen mit seinem Dienstleister, der DB Cargo AG, kämpfen. Bei einer Versammlung im Dezember 2025 hatte der Verbandsvorsitzende, Landrat Thomas Ebeling (CSU), auf die Lieferprobleme mit der Bahn aufmerksam gemacht und dabei Alternativen zur Schiene angesprochen. Ende 2025 hat die Tochterfirma der deutschen Bahn schließlich den Vertrag mit dem Verband zum 31. Dezember 2026 gekündigt.

Im Gespräch mit der MZ versicherte ZMS-Verbandsdirektor Thomas Knoll vergangene Woche, dass der ZMS dennoch nicht vorhabe, den Mülltransport auf die Straßen zu verlegen. Vielmehr sei das „der letzte Ausweg“.

Schwerlastverkehr würde massiv ansteigen

Diese dennoch mögliche Option aber ist es, die Schwandorfs Grünen/ÖDP-Fraktion in Alarmbereitschaft versetzte. Am Montag brachten die Umweltschützer das Thema im Stadtrat auf den Tisch. „Eine Verlagerung ausschließlich auf die Straße sollte tunlichst nicht umgesetzt werden“, mahnte Alfred Damm (ÖDP).

Seine Fraktion befürchte einen massiven Anstieg des Schwerlastverkehrs und eine hohe Lärm- und Abgasbelastung für die Anwohner. Doch nicht nur für diese, sondern auch für die Stadtentwicklung habe das Szenario negative Folgen. Die Stadt könnte laut Damm zum Beispiel die Nutzung des Maschek-Geländes nicht mehr wie gewünscht gestalten, wenn durch die LKW-Anlieferung die Lärmgrenzen überschritten würden. In Zeiten des Klimawandels sei mehr Straßenverkehr darüber hinaus „völlig falsch“ und torpediere die Bemühungen der Stadt und des Bundes, klimaneutral zu werden. „Wir fordern daher, dass die Stadt ein klares Zeichen setzt“, erklärte Damm.

Der Antrag sei „ganz im Sinne der SPD“, pflichtete Stadtrat Andreas Weinmann bei. Auch in seiner Fraktion sei das Thema bereits diskutiert worden. Er verwies auf ein Gespräch mit dem Landrat, der ebenfalls nochmals versichert habe, dass es keine konkreten Pläne weg von der Schiene gäbe. Dennoch hält Weinmann es für richtig, aktiv zu werden und Position zu beziehen. Für die Bevölkerung sei es nicht zumutbar, den Schienenverkehr auf die Straße zu verlagern. Die schienengebundene Anlieferung sei nicht umsonst für die Genehmigung und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung ausschlaggebend gewesen. Der OB solle daher die Position der Stadt als Verbandsmitglied im ZMS vertreten.

Beim ZMS ist alles auf die Schiene ausgelegt

Stadtrat Tim Dirmeier (CSU) ist gleichzeitig Kämmerer des ZMS und bestätigte das, was zuvor Verbandsvorsitzender Knoll gegenüber der MZ erklärt hatte: „Es ist keinesfalls der Wunsch oder die Absicht des ZMS, den Transport auf die Schiene zu verlegen.“ In den vergangenen Jahren sei viel investiert worden, so Dirmeier. Auch sei das System generell auf die Schienen ausgelegt. Allein technisch wäre eine Umstellung schwierig. Den Antrag der ÖDP/Grünen-Fraktion hält er dennoch für gerechtfertigt: „Da stehen wir auf einer Seite.“ Dirmeier regte aber auch an, seitens der Stadt auf die Bahn zuzugehen, die schließlich den Vertrag gekündigt habe.

OB Andreas Feller teilte den Stadträten schließlich mit, dass er bereits an einem Schreiben arbeite, das die von der ÖDP/Grünen-Fraktion genannten Bedenken enthalte. Das Stadtoberhaupt wolle darin darüber hinaus die Möglichkeit thematisieren, dass der ZMS beziehungsweise eine Tochterfirma selbst Lokomotiven erwirbt und Lokführer einstellt. Ebenso möchte er an die Verantwortung der Bahn appellieren. Diesem Vorgehen stimmte der Stadtrat geschlossen zu.