Geht der ZMS weg von der Schiene? Grüne und ÖDP bereiten Antrag vor

Es waren deutliche Worte: Im Dezember 2025 machte Verbandsvorsitzender Thomas Ebeling auf der Versammlung des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS) auf die Lieferprobleme mit der Bahn aufmerksam – und brachte auch Alternativen zur Schiene ins Spiel. Das wiederum alarmiert Schwandorfs Grünen/ÖDP-Fraktion. Sie fürchten mehr Lkw-Verkehr. Die Umweltschützer haben einen Antrag vorbereitet, der am Montag, 19. Januar, im Stadtrat behandelt werden soll.
Schon bei der Gründung des Zweckverbandes 1979 hatten sich die Verantwortlichen für ein schienengebundenes System entschieden. Ein Großteil des Mülls von den Verbandsmitgliedern wird seither mit Güterwaggons zum Müllkraftwerk Schwandorf gebracht, dort verbrannt und zu Strom und Wärme umgewandelt. Wie Vorsitzender Ebeling bei der jüngsten Sitzung des ZMS berichtete, sei das System über die vergangenen Jahre immer weiter ausgebaut worden. Das Müllheizkraftwerk Schwandorf sei die einzige große Anlage in Deutschland, die bis zu 80 Prozent der Müllmengen über die Schiene erhalte.
Doch derzeit gibt es seitens der Deutschen Bahn offenbar massive Probleme. In seinem Bericht legte Ebeling Anfang Dezember vergangenen Jahres alarmierende Fakten vor. Demnach stehe die auf den Güterverkehr spezialiserte Tochtergesellschaft DB Cargo AG, die auch für die Abwicklung des Mülltransports ins Schwandorfer Kraftwerk verantwortlich ist, alles andere als gut da. Das liege unter anderem an schlechter Ausstattung, Personalmangel vor allem bei Lokführern und dem Rangierpersonal sowie die veraltete Schienentechnik.
Müllumladestation wurden teils über Wochen nicht angefahren
Die Probleme der DB Cargo AG wurden und werden laut Ebeling sogar noch durch die Baumaßnahmen der DB-Tochter InfraGO verschärft, was dazu geführt hätte, dass manche Müllumladestationen zum Teil über Wochen nicht hätten angefahren werden können. „In diesem Jahr haben wir unsere Zielmenge aufgrund der unzureichenden Leistungsfähigkeit der DB AG verfehlt“, bilanzierte Ebeling bei der Versammlung im Dezember. Er kündigte an, dass man sich intensiv darum bemühen werde, Alternativen zu finden. Dabei schloss er auch nicht aus, den schienengebundenen Transport so weit wie möglich auf die Straße zu verlagern.
Worte, die nun die Grünen/ÖDP-Fraktion im Schwandorfer Stadtrat alarmieren. Stellvertretender Fraktionsvorsitzender Alfred Damm (ÖDP) hat die Berichterstattung zur jüngsten Verbandsversammlung des ZMS mit Sorge verfolgt. Er hat zusammen mit seinen Parteifreunden einen Antrag vorbereitet und Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller gebeten, diesen auf die Tagesordnung der nächsten Stadtratssitzung zu nehmen. Diese ist für Montag, 19. Januar, terminiert.
„Wir fordern dabei die Stadt und den Stadtrat auf, die geplante Änderung der Müllanlieferung des ZMS, weg von der Schiene und hin zur Lkw-Anlieferung, abzulehnen und den ZMS aufzufordern, die Anlieferung über die Bahn aufrecht zu halten“, schreibt Damm an die MZ. Grüne und ÖDP führen in ihrem Antrag drei Gründe auf, die gegen eine mögliche Verabschiedung von der Schiene sprächen.
Schwerlastverkehr auf den Straßen würde massiv ansteigen
Zum einen befürchtet die Fraktion einen massiven Anstieg des Schwerlastverkehrs auf den Straßen in und um Schwandorf. Das würde zu Lärm- und Abgasbelastungen führen. „Bei einer avisierten Menge Müll von 450.000 Tonnen pro Jahr wären bei einer Transportleistung von 25 Tonnen pro Lkw rund 18.000 Anlieferungen und 18.000 Rückfahrten im Jahr notwendig“, rechnen Damm und seine Mitstreiter vor.
Außerdem könnte der Transport über die Straße negative Folgen für die Stadtentwicklung haben. Damm nennt hier als Beispiel die geplante Umnutzung des Maschek-Areals an der Libourne Allee. Hier soll unter anderem geförderter Wohnraum sowie ein Ärztehaus realisiert werden. Das sei nicht mehr möglich, wenn durch die Lkw-Anlieferungen die Lärmgrenzen überschritten würden, heißt es im Antrag.
Zu guter Letzt sei eine Abkehr von der Bahn in Zeiten des Klimawandels ein fatales Zeichen. „Anstatt zu versuchen, den CO2-Ausstoss zu verringern, wird dieser durch die geplante Änderung deutlich erhöht. Dies konterkariert die Bemühungen der Stadt und des Landes Bayern klimaneutral zu werden“, finden die Naturschützer. Der Wunsch der Fraktion: Sollte der ZMS mit der Deutschen Bahn keine Lösung für die Anlieferung über die Schiene finden, müsse alles daran gesetzt werden, diese mit einem anderen Anbieter zu gewährleisten, statt auf die Straße auszuweichen.
Verbandsdirektor beteuert: Zusammenarbeit mit der Bahn soll fortgeführt werden
Und genau das tut der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf bereits, wie Verbandsdirektor Thomas Knoll auf Nachfrage der MZ beteuert. Er zeigt sich überrascht, dass die besagte Fraktionsgemeinschaft einen Antrag an den Stadtrat vorbereitet hat. Man habe schließlich gar nicht vor, den Mülltransport weg von der Schiene zu bringen – im Gegenteil. „Wir haben über die Jahre Millionen investiert, um auch noch die nächsten 40 Jahre die Müllanlieferung über die Schiene möglich zu machen“, sagt Knoll. Auch gegenwärtig würden Gleise und Umladestationen ertüchtig. „Da wäre es ja fern jeder Logik, wenn wir plötzlich auf die Straßen ausweichen“, ergänzt Knoll.

Der Verbandsdirektor weiß aber natürlich auch um die Probleme mit dem wichtigsten Partner in dieser Sache: der Deutschen Bahn. Die Tochtergesellschaft DB-Cargo sei in unruhiges Fahrwasser geraten. Jahrelang hatte die bundeseigene DB die Millionenverluste ihrer kriselnden Frachttochter aufgefangen – die EU-Kommission hat dieser Praxis nun aber einen Riegel vorgeschoben. Künftig darf der Mutterkonzern die Verluste von DB Cargo nicht mehr ausgleichen.
DB Cargo hat Verträge mit dem ZMS beendet
Ab diesem Jahr muss die Güterbahn damit faktisch unterm Strich wieder schwarze Zahlen schreiben und ohne die Mittel von der Deutschen Bahn auskommen. Ob das gelingt, ist völlig offen. Deshalb habe die DB Cargo kurz nach der Versammlung des Müllzweckverbands im Dezember sämtliche Verträge mit Großkunden zum 31. Dezember 2026 beendet, berichtet Verbandsdirektor Knoll. Auch der ZMS ist betroffen. „Wir versuchen natürlich alles, um die Zusammenarbeit mit der DB Cargo weiter aufrechtzuerhalten“, sagt Knoll. Es würden bereits intensive Gespräche geführt.
Sollte das nicht klappen, bestehe noch die Möglichkeit, alternative Güterbahnanbieter per europaweiter Ausschreibung mit ins Boot zu holen. Die Verlagerung des Mülltransports auf die Straßen sei dann der letzte Ausweg. Man müsse sich laut Knoll aber schon jetzt Gedanken machen, wie eine Abkehr von der Schiene theoretisch umzusetzen sei. „Man braucht natürlich einen Plan B. Schließlich sind wir auf einen funktionierenden Mülltransport angewiesen“, so der Verbandsdirektor.