Bahn stellt Schwandorfs Müll-Zweckverband vor Probleme – Triphönix kostet 430 Millionen Euro

Von Hubert Heinzl · 17. Juli 2025 um 19:00

Das hörten die Mitglieder des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf (ZMS) gern: Für das vergangenen Jahr müssen sie keine Nachzahlungen entrichten, weil es 2023 üppige Gewinne gab. Doch das dürfte in den kommenden Jahren nicht so weiter gehen. Aber auch aktuell gibt es große Herausforderungen.

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Bahntransport wird für den Müll-Zweckverband immer schwieriger

Der Baustellenbetrieb und personelle Engpässe bereiten dem ZMS immer größere Schwierigkeiten, den anfallenden Abfall auch zuverlässig auf der Schiene zur Verbrennung nach Schwandorf zu bringen. Probleme habe es in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben, sagte Verbandsvorsitzender und Landrat Thomas Ebeling in seinem aktuellen Bericht bei der Verbandsversammlung. Verschärft wird die Misere nach seinen Worten aktuell durch die Vollsperrung der Bahnlinie zwischen Schwandorf und Regensburg, die den Antransport „ganz besonders beeinträchtigt“.

In den vergangenen Wochen sei bei der Bahn-Logistik „ein historischer Tiefstand“ erreicht worden, so Ebeling wörtlich. Zurzeit wird der Müll aus Stadt und Landkreis Regensburg zum eigens eingerichteten Umschlagplatz Rosenhof geleitet und dann von dort auf der Straße weitertransportiert. Ebeling dankte ausdrücklich den ZMS-Mitarbeitern in der Logistik: „Wenn diese nicht eine so tolle Leistung erbringen würden, hätten wir sehr, sehr große Schwierigkeiten.“

Gewinne aus dem Vorjahr machen Verluste von 2024 wieder wett

Wie ZMS-Kämmerer Tim Dirmeier informierte, entstand dem Müll-Zweckverband im vergangenen Jahr ein Fehlbetrag von rund 8,3 Millionen Euro, der durch die Vorauszahlungen der Verbandsmitglieder bei den Müllgebühren nicht gedeckt wurde. Im vergangenen Jahr und auch heuer liegt der Betrag bei 115 Euro pro Tonne in Schwandorf verbrannten Mülls.

Dazu kommt noch eine CO2-Abgabe von 22 Euro pro Tonne. Doch die fehlenden Einnahmen wurden durch einen Überschuss von knapp 10,2 Millionen Euro im Jahr 2023 mehr als wett gemacht. Langfristig kommen auf den Zweckverband nach den Worten des Kämmerers aber „schwierige Folgejahre“ zu. Denn weil die Ofenlinien 2 und 3 zurückgebaut werden, muss laut Dirmeier mehr Abfall umgeleitet werden. Zudem seien die ausnehmend hohen Erlöse aus dem Energieverkauf, die es 2023 gab, künftig nicht mehr zu erwarten.

Bereits in Betrieb gegangen ist die neue Rauchgasreinigungsanlage an der Ofenlinie 4. - Foto: Dietmar Zwick

Zweckverband investiert fleißig – vor allem in sein Mega-Projekt Triphönix

Wie Dirmeier informierte, hat der Zweckverband Müllverwertung bisher rund 70 Millionen Euro in sein Projekt „Triphönix“ investiert. Insgesamt sind für die Rundum-Erneuerung des Schwandorfer Müllkraftwerks rund 430 Millionen Euro geplant. Allein im vergangenen Jahr wurden dem Kämmerer zufolge für Triphönix Rechnungen in Höhe von 48,9 Millionen Euro beglichen – der Löwenanteil der gesamten investiven Ausgaben.

Und die nächsten Investitionen im straff getakteten Ablaufplan stehen bereits an. Weil die Zeit drängte, vergab Ebeling als Verbandsvorsitzender die anstehenden Abbrucharbeiten der beiden Ofenlinien 2 und 3 im Rahmen einer Eilentscheidung. Knapp vier Millionen Euro soll es kosten, das Baufeld für eine neue und deutlich leistungsstärkere Ofenlinie freizumachen.

Weichenstellung für die Verbrennung von Klärschlamm in Schwandorf

Die ersten Weichen für die geplante Klärschlamm-Verbrennung in Schwandorf sind gestellt. Nach dem ZTKS (Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf) billigte auch der ZMS nun die Gründung eines gemeinsamen Kommunalunternehmens, das für Bau und Betrieb der Anlage zuständig sein und von einem sechsköpfigen Verwaltungsrat geleitet wird.

Dem Gremium gehören die Verbandsvorsitzenden Thomas Ebeling und Schwandorfs OB Andreas Feller (ZTKS) sowie jeweils zwei weitere Verwaltungsräte an. Die beiden Zweckverbände beteiligen sich jeweils mit einem Stammkapital in Höhe von 250 000 Euro. Für das laufende operative Geschäft ist ein vom Verwaltungsrat gewählter Vorstand zuständig.

Positive Nachricht: Neues Verfahren zur Rückgewinnung von Phosphat

Eine positive Nachricht hatte ZMS-Vorsitzender Ebeling zum Schluss seines Berichts. Denn der ZMS und die Firma ESy-Labs haben in den vergangenen Jahren ein Verfahren entwickelt, um Kupfer, Calciumsulfat und Phosphat-Fällmittel aus dem Feinstaub der Müll-Schlacke zurückzugewinnen. „Das ist ein Produkt, das alle Gemeinden, die Kläranlagen betreiben, verwenden können“, sagte Ebeling. In den nächsten Monaten soll nun eine erweiterte Anlage gebaut werden, um Erfahrungen für die Produktion im großen Stil zu sammeln. Ebeling sieht in dem neuen Verfahren große Chancen für den Standort Bayern. Der Verbandsvorsitzende zeigte sich zuversichtlich: „Die Entwicklung läuft schon seit Jahren. Es deutet alles in die richtige Richtung.“

Die Deponie:

• Volumen: Die vom ZMS betriebene Deponie Mathiasgrube hat noch ein Restvolumen von 275 000 Kubikmetern.

• Verwertung: Zurzeit wird die noch zur Verfügung stehende Kapazität allerdings nicht erschöpft, da sämtliche Schlacke von einem Unternehmen aufbereitet und verwertet wird.