Kreisräte dagegen: Neuer Sitzungssaal bekommt keine PV-Fassade

Das Thema neuer Sitzungssaal beschäftigt die Schwandorfer Kreisräte schon einige Zeit. Nun stand es erneut auf der Tagesordnung des Kreisbauausschusses. Über die grundsätzliche Ablehnung des Vorhabens sind die Kreisräte aber inzwischen hinweg – diesmal ging es um die Gestaltung des Neubaus.
In den beiden vorherigen Ausschusssitzungen hatte Architekt Peter Bielmeier vom Architekturbüro Winkler aus Wörth an der Donau die Planungen für den neuen Sitzungssaal vorgestellt. Dabei wurde auch über die Gestaltung der Fassade mit PV-Modulen diskutiert. Letztlich sollte das Institut für Energietechnik (IfE) aus Amberg die Wirtschaftlichkeit der verschiedenen PV-Varianten prüfen.
Über das Prüfergebnis wurde der Ausschuss am Montag informiert. Auf dem Dach des Neubaus, der an den Erweiterungsbau von 2021 anschließen soll, könnte demnach eine Anlage mit einer Leistung von 39,6 Kilowatt-Peak (kWp) installiert werden. Die Investitionskosten würden sich dafür auf 36 700 Euro belaufen, wie IfE-Mitarbeiter Josef Beyer erklärte.
Fassaden-Module wären nur an Süd- und Ostseite möglich
Mit dieser Anlage könnten laut den Berechnungen des Instituts 40 000 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt werden. Davon würde das Landratsamt 52 Prozent, also 20 800 Kilowattstunden, selbst verbrauchen. Die PV-Module auf dem Dach hätten sich nach gut 16,5 Jahren amortisiert, das heißt, dass die Kosten in dieser Zeit ausgeglichen sind.
An der Fassade des neuen Sitzungssaals könnten theoretisch nur an der Süd- und der Ostseite PV-Module angebracht werden. Die Westseite werde von den Altgebäuden so stark verschattet, dass sich die Anbringung von PV-Modulen nicht lohne. An den beiden möglichen Fassadenseiten könnten nach Berechnung des IfE Module mit einer Leistung von 22 kWp installiert werden. Die Kosten würden nach aktuellem Stand bei 88 000 Euro liegen. Die erzeugte Strommenge würde bei 15 000 kWh liegen. Das IfE hatte eine Ertragsminderung durch die senkrechte Ausrichtung der Module berücksichtigt.
Vom erzeugten Strom würde die Landkreisverwaltung knapp die Hälfte (7200 kWh) selbst verbrauchen. Der Rest würde ins Netz eingespeist und Einnahmen von 1200 Euro pro Jahr erbringen.
Nach Einschätzung der Prüfer seien die PV-Module an der Fassade aufgrund der hohen Investitionskosten von circa 2500 Euro pro Kilowatt-Peak nicht wirtschaftlich. Sie empfahlen dem Ausschuss deshalb, auf PV-Anlagen auf dem Dach zu setzen. In diesem Fall würden die Investitionskosten bei unter 1000 Euro pro Kilowatt-Peak liegen. Die Module könnten mit einer neuen Anlage auf dem Süd- und Ostflügel des Landratsamtsgebäudes kombiniert werden.
Höhere Leistung bei Dach-Anlage
Auf dem Süd- und Ostflügel ist momentan noch eine Fremdanlage installiert. Deren Betreiber wurde aber bereits im Jahr 2023 gekündigt. Er muss die über 20 Jahre alte, 19 kWp-Anlage bis Ende September 2025 abbauen. Eine Übernahme der Module wurde vom Landkreis abgelehnt.
Die neue Anlage auf dem Süd- und Ostflügel, die nach dem Abbau der alten installiert werden soll, könnte eine Leistung von etwas mehr als 74 kWp haben. Von der erzeugten Strommenge von 76 600 kWh könnte die Landkreisverwaltung 55 500 kWh selbst verbrauchen. Bei Investitionskosten von 68 800 Euro würde die Amortisationsdauer bei knapp zehn Jahren liegen.
Die Nachrüstung eines Batteriespeichers sollte ermöglicht werden.
Josef Beyer vom Institut für Energietechnik der OTH Amberg
Bei einer Gegenstimme votierte der Ausschuss dafür, von einer PV-Anlage an der Fassade des neuen Sitzungssaals Abstand zu nehmen und stattdessen den weiteren Ausbau von PV-Modulen auf den Dächern des Landratsamtes zu forcieren. Bei der Installation neuer PV-Anlagen soll die spätere Nachrüstung von Batteriespeichern ermöglicht werden.
Batteriespeicher zur Eigenverbrauchserhöhung sind laut den Prüfern derzeit nicht wirtschaftlich umsetzbar. Man solle sich dieser Möglichkeit aber nicht gänzlich verschließen. Dem folgten die Kreisräte bei ihrem Beschluss.
Wesentlich längere Lebensdauer
Die Entscheidung gegen eine PV-Anlage an der Fassade hat weitere Vorteile. So könne die vom Architekten vorgestellte Keramikfassade umlaufend um den neuen Baukörper auf allen Gebäudeseiten in gleicher Optik gestaltet werden. Eine solche keramische Fassade habe eine wesentlich längere Lebensdauer als PV-Module. Die Landkreisverwaltung verwies in diesem Zusammenhang auf die Klinkerfassade des Altbaus, die schon circa 50 Jahre alt sei.
Zudem könnte vor der Südfassade des Sitzungssaals Bäume gepflanzt werden. Sie könnten zur Verschattung des Raums und als Sichtschutz dienen. Bei einer PV-Fassade sei dies nicht möglich gewesen.
Bestandsaufnahme und Blick in die Zukunft
• Strombedarf: Das Landratsamt hat aktuell einen Strombedarf von 440 000 Kilowattstunden. Durch den Neubau mit dem Sitzungssaal würden laut Annahme des IfE noch 66 000 kWh dazukommen.
• Das ist vorhanden: Die PV-Anlagen auf dem Nord- und Westflügel des Landratsamtgebäudes haben eine Leistung von 95,6 kWp.
• Das könnte dazukommen: Durch die geplanten PV-Anlagen auf dem Süd- und Ostflügel sowie dem Sitzungssaal könnten Module mit einer Leistung von 113,9 kWp installiert werden. Die Investitionskosten würden bei rund 105 500 Euro liegen. Die erzeugte Strommenge würde 116 600 kWh betragen, davon könnte die Kreisverwaltung 76 300 kWh (66 Prozent) selbst verbrauchen. Die Amortisationsdauer würde bei 11,7 Jahren liegen.