Aus der Friedenskirche in Dietfurt soll ein Mehrgenerationenhaus werden

Am Muttertag haben Christen zum letzten Mal eine Messe in der evangelischen Kirche in Dietfurt (Landkreis Neumarkt) gefeiert. Am 7. Juni wird das Gotteshaus entwidmet. Danach startet der Eigentümer mit den Planungen für sein neues Projekt. Woher der Bauherr kommt und wer in die Kirche einziehen soll, erklärt er selbst.
Wie Geschäftsführer Willi Kirsch von der Firma Kirsch und Haubner Immobilien mitteilt, sei es gelungen, das Objekt zu vermitteln. Am Dienstag wurden beim Notar die Unterschriften unter den Verkaufsvertrag gesetzt.
Nun ist nicht mehr die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Beilngries – zu der auch Berching und Dietfurt gehören – Eigentümerin der Friedenskirche, sondern ein Paar aus Dietfurt, das namentlich nicht genannt werden will. Es plant, das Gotteshaus zu einem Mehrgenerationenhaus umzugestalten: Im Untergeschoss sollen Oma und Opa wohnen, im Kirchenraum im Erdgeschoss die Eltern mit ihrer Tochter.
Pfarrer Michael Murner ist mit dieser Lösung zufrieden
„Wir freuen uns, dass unsere Notsituation diesen Abschluss gefunden hat“, sagt der geschäftsführende Pfarrer Michael Murner zu dem Verkauf. Klar, lieber wäre es ihm gewesen, die Kirche überhaupt nicht veräußern zu müssen. Diese Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen, die Umstände hätten einen Verkauf aber nötig gemacht.
Angesichts dessen sei diese Lösung die bessere Option. Die Alternative, die Murner nicht gern gesehen hätte, wäre gewesen: Ein Bauträger kauft das Grundstück, reißt die Kirche ein und baut komplett neu. Mit dem jetzigen Eigentümer werde das nicht passieren. Das sei auch ein Wunsch des Pfarrers gewesen.
Das sagt der Neumarkter Immobilienmakler Willi Kirsch zum Verkauf
Auch Makler Willi Kirsch sei bei der Vermittlung des Gotteshauses wichtig gewesen, das besondere Gebäude zu bewahren. Ebenso solle die Bausubstanz in seiner aktuellen Form größtenteils erhalten bleiben. Ein Kriterium sei für Kirsch zudem gewesen, dass die Nutzung sozialverträglich in die Umgebung passt. Denn die evangelische Friedenskirche befindet sich mitten im Wohngebiet in der Blumenstraße. Da passe die Nutzung als Mehrgenerationenhaus gut.
Für 465.000 Euro stand die Kirche in Dietfurt zum Verkauf
Damit wird eine neue Zeitrechnung für das Gotteshaus eingeläutet. In den Jahren 1968/69 wurde die Kirche gebaut und eingeweiht. Für 465.000 Euro stand sie in den vergangenen Wochen nun zum Verkauf auf der Homepage des Immobilienmaklers.

Im Erdgeschoss befindet sich die Kirche mit dem Altarraum selbst. Zudem gibt es eine Sakristei (im Turm), einen gut 40 Quadratmeter großen Gemeindesaal sowie Teeküche und Abstellraum im Erdgeschoss.
Im Untergeschoss befinden sich ein gut 20 Quadratmeter großer Jugendraum, Toiletten sowie eine separate Wohnung mit über 94 Quadratmetern Wohnfläche – inklusive Wohnzimmer, Küche, Essdiele, Bad/WC, Flur, Abstellraum sowie zwei Schlafräume. Insgesamt umfasst das Objekt gut 194 Quadratmeter Nutzfläche, das Grundstück ist 1700 Quadratmeter groß.
Das plant der neue Eigentümer mit der Kirche in Dietfurt
Platz genug, um darauf mehrere Generationen leben zu lassen. Die Einliegerwohnung im Untergeschoss soll so umgebaut werden, dass dort zunächst die Eigentümer selbst mit ihrer Tochter einziehen können. Im zweiten Schritt soll der Kirchenraum im Erdgeschoss umgestaltet werden. Sobald dieser fertig ist, wollen die Eigentümer nach oben ziehen, unten sollen dann die Großeltern der Tochter einziehen.
Doch warum kauft man sich eine Kirche, um darin zu wohnen? „Wir haben den Charme erkannt und wollten etwas Außergewöhnliches haben“, sagt der Eigentümer. Sowohl er als auch seine Freundin stammen aus Dietfurt und wohnen derzeit in der 7-Täler-Stadt, allerdings zur Miete.
Jetzt ist es Zeit für ein Eigenheim. Aber ein klassisches Einfamilienhaus in einem Neubaugebiet mit Nachbarn ringsherum sei für das Paar nicht infrage gekommen. Das weitläufige Areal sei daher optimal.
Der neue Eigentümer betont, dass sich an der Architektur von außen nicht viel ändern soll. „Die Dietfurter sollen das Gebäude weiter als Kirche mit Kirchturm erkennen“, sagt er.

Bevor er mit seiner Familie in den Kirchenraum einziehen kann, muss ein Architekt eine Planung vorlegen. Im Herbst will er Gespräche führen. Parallel soll gestartet werden, die Wohnung zu renovieren. Erst danach steht der Kirchenraum an. Eile haben die Eigentümer dabei nicht. „Das ist ein Projekt über Jahre.“