Kirche muss Hälfte aller Gebäude verkaufen: Evangelisches Dekanat Neumarkt im Sparzwang

Die evangelische Kirche muss sparen – und das trifft viele Gemeinden hart. Auch das Dekanat Neumarkt muss seine Gebäude neu ordnen: Nur die Hälfte wird weiter gefördert. Manche Kirchen bleiben, andere müssen verkauft oder stillgelegt werden. Was das vor Ort bedeuten kann, erklärt Dekanin Christiane Murner.
Die Vorgaben der evangelischen Landeskirche sind klar: In Zukunft wird nicht mehr für alle Gebäude in den evangelischen Kirchengemeinden Geld zur Verfügung stehen. Für das Dekanat Neumarkt heißt das in Zahlen: Für nur 18 der insgesamt 36 Gebäude wird es in Zukunft Fördergelder für Instandhaltung oder Renovierungen geben. Die Höhe der Zuschüsse sinkt von 33 auf 25 Prozent. Im schlimmsten Fall müssen sich Kirchengemeinden von Gebäuden trennen.
Zuletzt war in der Region Beilngries, zu der auch die Kirchengemeinden Dietfurt und Berching gehören, in einer Versammlung bekannt gegeben geworden, dass nur die Kirchen in Beilngries und Berching erhalten bleiben können, die Kirche in Dietfurt dagegen veräußert oder vermietet werden muss. Eine emotionale Diskussion folgte auf die Bekanntgabe. Ähnliche Situationen könnten in naher Zukunft auch auf die restlichen Regionen im Dekanat zukommen.
Fünf Gebäude in Neumarkt
Denn bis zum Ende des Jahres soll für die anderen Regionen feststehen, welche Gebäude die Kirche halten kann und wird – und von welchen sie sich trennen muss. Konkret betrifft das die Regionen Neumarkt, Parsberg/Velburg, die Landlpfarrei, sowie Allersberg/Ebenried/Pyrbaum. Wie Murner erklärt, sind alle Kirchenvorstände einzeln dazu aufgerufen, eine Priorisierung innerhalb jeder Gemeinde vorzunehmen.
Aufgeteilt wird in die Kategorien A, B und C. In die Kategorie A kommen die Gebäude, die weiter mit Mitteln der Landeskirche gefördert werden können, in B diejenigen, für die bis 2035 eine andere Lösung gefunden werden soll, und in C diejenigen, bei denen unmittelbarer Handlungsdruck besteht. Letztere sollen dann entweder komplett veräußert oder dauerhaft vermietet werden.
Steuereinnahmen sind rückläufig
Dass dies überhaupt nötig geworden ist, begründet Murner mit den rückläufigen Steuereinnahmen der evangelischen Kirche. Immer weniger Mitglieder in der Kirche bedeuten weniger Geld. Um weiterhin genug finanzielle Mittel für Personal und Gebäude bereithalten und die Gemeinden aufrechterhalten zu können, müsse sich die Landeskirche auf das Wesentliche konzentrieren.
Zur Landlpfarrei, Parsberg und Pyrbaum machte Murner keine näheren Angaben. Neumarkt könnte jedoch bei der Kategorisierung der bestehenden Gebäude mit einem blauen Auge davonkommen. Denn im Unterschied zur Region Beilngries stünden in Neumarkt fünf Gebäude für 7000 Gemeindeglieder, in Beilngries vier Gebäude für 1400 Gemeindeglieder zur Verfügung. Darüber hinaus seien in Neumarkt bereits im Jahr 2016 mit dem Bonhoeffer-Haus an der Ecke Schopperstraße/Föhrenweg, dem Jugendhaus und dem Pfarrhaus drei Gebäude veräußert worden, um die Strukturen zu verschlanken und Kosten zu senken.
So geht Murner nicht davon aus, dass ein weiteres Gebäude der Region Neumarkt – dazu gehören das Evangelische Zentrum, die Christuskirche, zwei Pfarrhäuser und die Kapelle in Deining – in der Kategorie C landen wird und somit unmittelbarer Handlungsdruck besteht.
Großzügige Spender gesucht
Der momentane Plan sieht nun vor, dass sich zunächst die Kirchenvorstände der einzelnen Gemeinden über eine Priorisierung ihrer Liegenschaften verständigen, bevor die Kirchenvorstände der fünf Regionen erneut beraten und ihre ehrenamtlichen Kirchenvorsteher mit ihren Ergebnissen in den Dekanatsausschuss entsenden. Dieses Gremium – es besteht aus 16 Personen sowie Dekanin Christiane Murner – wird einen Beschluss fällen, der den Kirchengemeinden nochmals zur Stellungnahme vorgelegt wird, bevor er endgültig zur Genehmigung an den Landeskirchenrat geht.
Wenn festgelegt ist, welche der 36 Dekanatsgebäude in die Kategorie C fallen, gibt es verschiedene Alternativen, erklärt Murner: Sie können entweder verkauft, vermietet oder stehengelassen werden – was bedeutet, dass sie weder gereinigt, geheizt noch instandgehalten werden.
Nur ein großzügiger Spender, der sich bereiterklärt, ein Gebäude zum Beispiel für die nächsten zehn Jahre zu finanzieren, könnte das dann noch verhindern. Doch Christiane Murner gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich für die betroffenen Gebäude dann so jemanden finden lässt.