„Es möchte einem die Seele sprengen“

Dietfurt. Freude und Wehmut haben am Sonntag die evangelischen Christen in Dietfurt verspürt. Zum einen freuten sie sich, dass die neue Pfarrerin Laura Poirot gekommen war, um am Muttertag einen festlichen Gottesdienst mit Abendmahl zu feiern. Schmerzlich war, dass es der letzte offizielle Gottesdienst in ihrer Friedenskirche war. Wie berichtet, wurde das Gotteshaus verkauft und steht vor der Entwidmung.
Mit schweren Herzen kamen die Gläubigen zum letzten Gottesdienst mit Abendmahl in ihre Kirche. Trotz ihrer hoffnungsvollen Ausstrahlung merkte man auch Pfarrerin Poirot an, dass sie die bevorstehende Auflösung der Kirche bedrückt. „Trotzdem sollen wir uns nicht entmutigen lassen, sondern zusammenstehen und mit Gottvertrauen das Beste aus der neuen Situation machen“, sagte sie.
In der Predigt ging sie auf den Muttertag ein. Sie zeigte auf, was Mütter alles leisten und dass man in den verschiedensten Angelegenheiten zur Mutter kommen kann. Sie deutete Gott als unsere Mutter, „zu ihm können und dürfen wir auch in allen Anliegen kommen“, so Poirot.
Beim Gottesdienst wurden brennende Kerzen in den Altarraum getragen, sie sollten die Mütter symbolisieren. Dazu betete die Pfarrerin für sie und erinnerte namentlich an Frauen, die sich beim Bau der Friedenskirche beispielhaft eingebracht oder gespendet haben. Ebenso gedachte sie der Frauen, die sich in vielen Jahren für die Kirche einsetzten und sie mit Leben erfüllten, egal auf welche Weise und mit welchem Dienst.
Am Ende des Gottesdienstes, den Martin Dotzer an der Orgel musikalisch umrahmte, lud Pfarrerin Poirot für nächsten Donnerstag um 11 Uhr zum Himmelfahrtsgottesdienst an der Kratzmühle ein. Ebenso hat sie zur Entwidmung der Friedenskirche am Sonntag, 7. Juni, um 10 Uhr eingeladen, zu der Regionalbischof Klaus Stiegler aus Regensburg kommen wird.
Ein Trostpflaster hatte die Pfarrerin mitgebracht. Auch künftig soll es einmal im Monat einen evangelischen Gottesdienst in Dietfurt geben. Er soll in der Frauenkirche gehalten werden, so wie es auch vor dem Bau der Friedenskirche der Fall war. Nach Verlassen des Gotteshauses überraschte die Pfarrerin die Frauen mit gelben Rosen.
„Wenn ich daran denke, wie es damals war und wie heute entschieden wurde, da möchte es einem die Seele sprengen“, sagte sodann der ehemalige Kirchenvorstand Lothar Steimann. Er erinnert daran, mit welch großer Hingabe und Opferbereitschaft die Kirche in den Jahren 1968 und 1969 gebaut wurde.