Zwischen Veganuary und Dauertrend: Tofu-Produktion von Gesgu im Kreis Cham wächst

Von Melissa Kutscher · 18. Mai 2026 um 05:01

Wer sich auf die Suche nach Natur- oder Räuchertofu macht, steht im Moment oft vor leeren Regalen. Woran liegt das? Wie steht die Lage bei lokalen Produzenten? Ist Tofu auch in Bayern, gerade im „ländlicheren“ Bereich, genauso gefragt? Andrea Baur, Vertriebsleiterin der Firma Gesgu in Tiefenbach im Landkreis Cham, teilt ihre Erfahrungen als regionale Herstellerin.

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Wie viele Menschen pflanzlicher Ernährung grundsätzlich nicht abgeneigt sind, zeigt beispielsweise die Bilanz des diesjährigen „Veganuary“: Nach Angaben der Organisation probierten mehr als 30 Millionen Menschen in diesem Monat pflanzenbasierte Ernährung, also Essen ohne tierische Erzeugnisse, aus.

Vor allem in diesem Monat kam es zu einer gesteigerten Nachfrage nach Tofu, sodass man in vielen Supermärkten vergeblich nach dem Sojabohnenerzeugnis suchte. Aber auch jetzt in den Folgemonaten ist diese Leere noch immer sichtbar.

Lieferengpässe trotz wachsender Nachfrage

Die Gründe dafür sind vielfältig, jedoch lassen sich zwei besonders identifizieren. Einer ist die anhaltend hohe Nachfrage, die von den Produzenten nicht schnell genug bedient werden kann, auch noch nach dem „Veganuary“. Nach Angaben der Lebensmittelzeitung (LZ) lag der Absatz dieser Kategorie im März dieses Jahres bei 11,2 Prozent über dem Vorjahresmonat. Dazu kommt, dass die beiden großen Tofu-Hersteller Berief und Taifun mit Lieferengpässen zu kämpfen haben. Während bei Berief nach Angaben der LZ Mangel an Fachpersonal herrscht, wirft bei Taifun nach eigenen Angaben ein technischer Fehler, der Ende letzten Jahres passierte, die Produktion noch immer zurück. So müssen Kunden aktuell auf Produkte wie den 400-g-Natur-Tofu und Tofu-Würstchen verzichten.

„Gesund und gut„ – dafür steht „Gesgu“. Auch das Logo wurde lokal designt. - Foto: Melissa Kutscher

Das wirft die Frage auf, wie sich dieser Mangel auf andere Hersteller auswirkt. „Ehrlich gesagt nehmen wir das gar nicht so richtig wahr“, sagt Andrea Baur. „Wir haben eigentlich immer so viel Arbeit, dass wir gar nicht auf die Konkurrenz schauen“, erläutert sie.

Zusammen mit Werner Heibl und dessen Sohn Maxi Heibl gründete sie 2021 den Betrieb Gesgu – Gesund und Gut. Nach etwa einem Jahr Vorbereitungszeit, in dem sie viel recherchierten und ausprobierten, starteten sie 2022 die Produktion – anfangs noch klein in der ehemaligen Wirtschaft „Alte Post“ in Tiefenbach. Vergangenes Jahr vergrößerten sich sowohl der Standort als auch das Team. „In der kleinen Wirtschaft hatten wir einfach keine Chance, zu wachsen“, sagt Baur.

Dieses Wachstum hat jedoch eindeutig stattgefunden: Von anfänglichen 100 bis 200 Kilo produziertem Tofu pro Monat im Jahr 2022 hat sich Gesgu auf mittlerweile drei Tonnen Tofu, Soja-Milch,-Joghurt und -Sahne pro Monat gesteigert.

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Regional produzieren statt importieren

Dabei versucht der Betrieb nach Angaben von Baur möglichst nachhaltig und vor allem auf lokaler Ebene einzukaufen und zu produzieren. Dafür erhält der Betrieb das „Bio-Bayern-Siegel“. Jenes setzt nicht nur Bio-Qualität, sondern auch voraus, dass alle Rohstoffe aus Bayern kommen und auch hier verarbeitet wurden. „Wir wollten verlautbaren können, dass wir uns in Bayern selbst mit Tofu versorgen können und nicht mehr importieren müssen“, gibt Baur an. Andere Hersteller produzieren oft europaweit. „Der regionale Gedanke stand für uns im Vordergrund“, betont Baur.

In Tiefenbach wird in der neuen Halle regional produziert. - Foto: Melissa Kutscher

Wie gefragt ist Tofu in Bayern, und wie vertreten ist pflanzliche Ernährung im ländlicheren Bereich? „Wir sind selbst keine militanten Veganer“, sagt Baur. Wenn es aber mal tierische Produkte gebe, sei ihr wichtig zu wissen, dass sie unter guten Bedingungen für die Tiere entstanden sind. Jedoch betont sie: „Meiner Meinung nach ist der Ernährungswandel unaufhaltsam und es wird keine Rückschritte geben.“ Sie glaubt, dass sich im Laufe der Zeit mehr Menschen vegetarisch und vegan ernähren werden, und auch, dass „die Menschen immer einsichtiger werden“.

Wir sind selbst keine militanten Veganer.Andrea Baur, Vertriebsleiterin der Firma Gesgu in Tiefenbach

Natürlich sei es auf dem Land oft noch anders als in der Stadt. Da seien es viele gewohnt, dass es Fleisch gibt. Was Baur jedoch überrascht hat: Sogar die kleinen Läden in der Umgebung würden Bestellungen aufgeben, und auch das Fach im Selbstbedienungsautomaten in Tiefenbach sei regelmäßig schnell leer. „Das hat uns gewundert, aber wir finden es toll!“, sagt Baur dazu.

Gesgu bietet nicht nur Natur-Tofu, sondern auch mit Gewürzen aus der Region. - Foto: Melissa Kutscher

Die aktuell erhöhte Nachfrage durch die Engpässe würden sie aber hauptsächlich durch bereits bestehende Kunden bemerken. So habe zum Beispiel das Studierendenwerk Augsburg die Lieferung einer Tofu-Wurst angefragt, die sich aber noch in der Entwicklung befinde. Denn auch wenn deren Tofu in einzelnen Läden oder Supermärkten zu finden ist, hat sich Gesgu nicht auf den Lebensmitteleinzelhandel (LEH), sondern auf die Außer-Haus- und Gemeinschaftsverpflegung spezialisiert. Das heißt, dass sie beispielsweise Kantinen, Restaurants, Mensen und Studierendenwerke beliefern.

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Dies wird sich laut Baur aber in der nächsten Zeit ändern. Der Betrieb hat nämlich einige große Schritte vor sich, welche den Release eines neuen Produkts und die Kooperation mit einem neuen Geschäftspartner beinhalten. Wie es danach weitergeht? „Wir wollen Schritt für Schritt wachsen, aber eben so, wie die Bedingungen es hergeben“, sagt Bauer. „Der Weg entsteht beim Gehen.“

Das Bio-Bayern-Siegel garantiert Rohstoffe aus Bayern. - Foto: Melissa Kutscher

Lieblingsrezept der Redakteurin

Zutaten:

■ Grundlage: Jasminreis (alternativ Mi-Nudeln), Gemüse (z.B. Brokkoli, Paprika, Karotten, Weiß- oder Chinakohl, Brechbohnen)

■ Tofu: Natur-Tofu, Maisstärke, Gewürze nach Belieben, Sesamöl, Soyasoße

■ Erdnusssoße: Kokosmilch, Soya-Soße, Erdnussmus.

Zubereitung:

■ Backofen auf 200 Grad vorheizen.

■ Reis kochen. Gemüse je nach Vorliebe mit etwas süßer Soya-Soße dünsten oder anbraten.

■ Tofu auspressen, in Würfel schneiden oder reißen. In Schüssel geben, und in Öl, Soya-Soße und Gewürzen schwenken. Maisstärke hinzugeben und gut durchmischen. Für etwa 12 bis 20 Minuten in den Ofen schieben, bis es knusprig ist.

■ Für die Erdnusssoße Kokosmilch und Erdnussmus (Verhältnis etwa drei zu eins) vermengen mit einem Schuss Soya-Soße vermengen.

■ Genießen!

Tofu mit Gemüse und Sesam: Das Gericht zeigt, wie vielseitig pflanzliche Küche inzwischen geworden ist. - Foto: Melissa Kutscher