Vom TikTok-Hype ins Kühlregal: Skyr-Trend erreicht Supermärkte im Landkreis Cham

Der nächste Lebensmitteltrend schwappt aus den sozialen Netzwerken in die Supermärkte – und trifft diesmal ein altbekanntes Produkt: Skyr. Auf Plattformen wie TikTok kursieren derzeit unzählige Rezepte rund um den proteinreichen Joghurt aus Island, von schnellen Dessert-Ideen bis zu vermeintlichen Fitness-Wundermischungen. Auch im Landkreis Cham hinterlässt der Trend Spuren.
Was als kurzer Clip beginnt, endet oft ganz real im Einkaufswagen – und lässt die Nachfrage spürbar steigen. Nach Hypes um gebackenen Feta, Hüttenkäse oder zuletzt die sogenannte Dubai-Schokolade stellt sich nun auch im Landkreis Cham die Frage: Kommt der Skyr-Trend tatsächlich in den Märkten vor Ort an? Oder bleibt er ein Phänomen der sozialen Medien? Eine erste Nachfrage bei Supermärkten in der Region zeigt: Ganz spurlos geht der Trend nicht vorbei. Händler berichten von wachsendem Interesse – wenn auch mit deutlichen Unterschieden in der Intensität.
Eine durchaus steigende Nachfrage bei Skyr hat in den letzten Monaten Marion Bauer, Marktleiterin des Rewe Bortar-Marktes in Cham, bemerkt. Teilweise seien die Regale leer gewesen, was laut Bauer aber auch mit generellen Lieferschwierigkeiten des Produktes zusammenhängt. Laut Bauer zeichnet sich die hohe Nachfrage nach dem isländischen Milchprodukt aber schon etwas länger ab: „Das Ganze ist eigentlich schon seit rund einem Jahr Thema“, beobachtet sie die Entwicklung.
Generell seien inzwischen protein- und eiweißhaltige Produkte deutlich angesagter bei den Leuten – „gerade jetzt im Frühjahr, wo viele Leute abnehmen möchten“, sagt Bauer. Und trotzdem: Auch wenn die Marktleiterin schon so einige Trends im Lauf der Jahre beobachten konnte, so intensiv wie der Hype um die Dubai-Schokolade ist die Nachfrage nach Skyr bislang nicht.
Kurzlebiger Hype oder nachhaltige Entwicklung?
Angekommen ist der Trend auch wenige Kilometer weiter bei Edeka Allescher. Größere Engpässe habe es bislang jedoch auch hier nicht gegeben. „Wir hoffen, dass die Versorgung über den Großhandel stabil bleibt“, sagt Werner Allescher, Inhaber der Edeka-Märkte in Katzbach, Cham, Schorndorf und Wilting.
Auffällig sei in seinen Filialen vor allem, wer zugreift: „Skyr wird eher von jüngeren Kunden nachgefragt, die schneller auf solche Hypes aufspringen.“ Gleichzeitig beobachtet Alle-scher ein grundsätzlich wachsendes Gesundheitsbewusstsein. „Generell wird alles, was mit Eiweiß zu tun hat, stärker gekauft.“ Das zeige sich auch bei Protein-Shakes und -Riegeln.
Die Situation ist angespannt, viele achten stärker auf ihr Geld.Werner Allescher, Chamer Edeka-Kaufmann
Parallel dazu werde jedoch deutlich preisbewusster eingekauft. „Die Situation ist angespannt, viele achten stärker auf ihr Geld“, sagt der Kaufmann mit Blick auf Inflation und internationale Krisen. Vor allem bei Eiweißprodukten griffen Kunden deshalb häufiger zu günstigeren Eigenmarken. Deren Angebot sei in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Typisch für solche Entwicklungen sei zudem, dass zunächst bekannte Marken den Trend auslösen. „Davon profitieren am Ende aber auch die No-Name-Produkte, die mitgezogen werden“, so Allescher.
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Im Unterschied zu kurzlebigen Hypes sieht er im aktuellen Trend eine nachhaltigere Entwicklung: „Der Boom bei eiweißreichen Produkten wird uns länger begleiten als etwa die Dubai-Schokolade“, prophezeit er.
Leer gekauft worden sei Skyr in seinem Markt zwar nicht, berichtet Markus Aschenbrenner, Inhaber des Edeka-Marktes in Lam. Dennoch habe sich die gestiegene Nachfrage in den vergangenen Wochen deutlich bemerkbar gemacht. Als langjähriger Einzelhändler beobachtet er genau wie Werner Allescher solche Entwicklungen mit Interesse – und einer gewissen Verwunderung. „Es gibt mittlerweile Varianten auf dem Markt, wo man sich dann schon fragt: Was gibt es denn noch alles?“, sagt Aschenbrenner mit Blick auf die wachsende Sortimentsbreite.
TikTok-Trends beeinflussen Kaufverhaltens spürbar
Dass Trends den Absatz kurzfristig stark beeinflussen können, kennt er aus Erfahrung. Zu Jahresbeginn habe etwa ein TikTok-Trend für einen regelrechten Ansturm auf Kefir gesorgt. Auch Matcha sei derzeit in seinem Geschäft stark gefragt. Engpässe habe es in seinem Markt dennoch nicht gegeben.Die Nachfrage nach Skyr habe sich inzwischen bereits wieder etwas beruhigt. Genau wie Allescher ist für Aschenbrenner auffällig, dass nicht nur Markenprodukte profitieren. Auch er beobachtet in seinem Laden eine deutliche Sogwirkung auf günstigere Eigenmarken.
Speziell Skyr wird querbeet gekauft.Markus Aschenbrenner, Betreiber des Edeka-Marktes in Lam
Deutlich bunter gemischt gestaltet sich bei ihm die Altersgruppe der nachfragenden Kunden: „Speziell Skyr wird querbeet gekauft“, berichtet er. Ähnliches gelte auch für vegetarische Produkte, die zunehmend in den Einkaufswagen landeten – ob bei der Hausfrau oder dem Schüler.
Mit Blick auf die steigende Nachfrage stellt sich auch die Frage, wie sinnvoll der Griff zu Skyr tatsächlich ist – und wie das Produkt ernährungsphysiologisch einzuordnen ist.
Dem aktuellen Trendprodukt Skyr stellt Annika Bosek, zertifizierte Diätassistentin mit Praxis in Furth im Wald, den klassischen Quark gegenüber. Aus ernährungsphysiologischer Sicht seien sich beide Produkte sehr ähnlich, erklärt sie. „Was den Eiweißgehalt betrifft, hat der Quark sogar die Nase ein klein wenig vorn“, sagt Bosek. Unterschiede sieht sie vor allem bei Konsistenz und Geschmack: Skyr sei milder und cremiger, was wohl auch zu seiner aktuellen Beliebtheit beitrage.

Ein grundsätzlich gestiegenes Gesundheitsbewusstsein kann die Expertin bestätigen – insbesondere bei jüngeren Menschen. Trends wie der aktuelle Skyr-Boom führten dazu, dass sich viele bewusster mit ihrer Eiweißzufuhr auseinandersetzen. „Zu überprüfen, wie viel Eiweiß man eigentlich zu sich nimmt, schadet nicht“, sagt Bosek. Zusätzliche Spezialprodukte seien dafür jedoch in der Regel nicht notwendig. Eine ausgewogene Ernährung decke den Bedarf meist problemlos ab. „Das schaffen auch normale Lebensmittel.“
Was den Eiweißgehalt betrifft, hat der Quark sogar die Nase ein klein wenig vorn.Annika Bosek, zertifizierte Diätassistentin mit Praxis in Furth im Wald
Dass eiweißreiche Produkte derzeit so stark im Fokus stehen, führt Bosek vor allem auf soziale Medien zurück. Dort werde das Thema Ernährung intensiv gespielt, viele Nutzer griffen solche Trends schnell auf. „Bei einem solchen Trend springen viele auf den Zug mit auf“, beobachtet sie.
Gleichzeitig rät die Diätassistentin zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Ernährungstrends. „Ich glaube, dass man bei der Ernährung auf seinen gesunden Menschenverstand hören und sich auf sich und seinen Körper besinnen sollte.“ Schließlich sei Essen nicht nur eine Frage von Nährwerten, sondern auch eine emotionale Angelegenheit.