Ehepaar aus Landkreis Cham holt 13 Mal Platz eins bei Alpaka-Show – Betrieb unter „Top drei Europas“

Von Anika Ferko, Marius Göhl, Nils Mayer · 13. Mai 2026 um 10:53

Schon von der B20 aus sieht man die große Weide. Auf ihr braune, weiße, graue Punkte. Doch Kühe oder Schafe sucht man in Trefling an dieser Stelle vergeblich. Obwohl die Heimat von Alpakas eigentlich in den Hochlagen Perus liegt, ist der kleine Gemeindeteil von Traitsching im Landkreis Cham eine Alpaka-Hochburg – und zwar eine prämierte.

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Vor 15 Jahren haben Cornelia und Daniel Weinfurter das Abenteuer Alpaka gestartet – damals nur mit zwei Tieren, Minu und Ines. Heute stehen auf den Weiden von Sun Star Alpaca mehr als 100 Tiere. Gerade ist Fohlensaison. „Bei den meisten Geburten geht man auf die Weide und das Fohlen ist da. Das kriegt man oft gar nicht mit“, sagt Daniel Weinfurter, der Sun Star Alpaca zusammen mit seiner Frau betreibt.

Fast täglich kommen Fohlen auf die Welt. Für die Züchter ist es mit die spannendste Zeit des Jahres. Denn jedes Einzelne könnte der nächste Showgewinner werden. Die Weinfurters züchten, nehmen an Wettbewerben teil und verkaufen ihre Tiere beim passenden Angebot. In dieser Woche gehen beispielsweise einige Alpakas nach Südtirol.

Bis zu 50.000 Euro für ein Tier

Das richtige Alpaka kann durchaus lukrativ sein. Bis zu 50.000 Euro hätten Käufer Weinfurter bereits für einzelne Tiere geboten. Das perfekte Alpaka gebe es laut Weinfurter allerdings noch nicht. Es gehe um Genetik. „Für die Shows züchtet man zunächst auf das Optische hin. Die Tiere sollen schöne Teddybärengesichter, einen quadratischen Körperbau und eine schöne Bein- und Zahnstellung haben.“

Das Potenzial dazu ist da. Der 41-Jährige sieht für El Dorado, Breaking Hearts oder Stardust – wie seine Tiere heißen – ideale Bedingungen in Trefling. Zwei Hektar hat allein die Weide direkt am Stall. Hinzu kommen die klimatischen Gegebenheiten. „Die Alpakas kommen mit Sonne und Wärme, aber auch mit Kälte aus. Deswegen gibt es sie auf der ganzen Welt. Wir haben unsere Weide, auf der sie grasen können – sogar besser als in Peru von der Weide her.“

Auf der Weide in Trefling können die Alpakas auch mal entspannen. - Foto: Nils Mayer

Die Treflinger Alpakas kommen allerdings nicht mehr aus Südamerika. Weinfurter holt seine Tiere aus Australien, Kanada oder den USA. Der Markt ist mittlerweile übersättigt. Durchschnittliche Tiere gibt es wie Sand am Meer. Bei Sun Star konzentriere man sich deshalb auf Spitzenqualität. Und das mache den Betrieb der Weinfurters auch aus. „Hier im Landkreis sind wir konkurrenzlos. Ich würde sagen, dass wir zu den drei besten Züchtern aus ganz Europa gehören.“

Im März waren Daniel und Cornelia zuletzt auf einer Show. Wettbewerb in Krefeld. 600 Kilometer, 19 Alpakas und das Treflinger Pärchen. 13 Mal holten sie Platz eins – in den Kategorien Colour Champions (nach Farbe) und Grand Champions (nach einzelnen Kategorien).

Auch der wichtigste Titel, der „Best of Show“, ging nach Trefling. „Das war in Krefeld relativ leicht. Wir haben die beste Stute und den besten Hengst gestellt und die treten am Ende gegeneinander an. Der Gewinner kriegt den Titel.“ Insgesamt konkurrierten 200 Tiere beim Wettbewerb. „Wir haben 100 Alpakas und haben 19 mitgenommen. Das machen alle so. Da nimmt jeder nur die Besten der Besten mit“, sagt der 41-Jährige.

Die Tiere laufen vor wie auf einem Catwalk

Bei den Wettbewerben gibt es extra Richter, die die Tiere bewerten. Dabei achten sie auf die Beinstellung oder die Korrektheit des Körperbaus. Dies kann der Richter nur beurteilen, wenn er die Gangart sieht. „Die Alpakas müssen schon so 20 Meter gehen. Zuerst schaut der Richter von vorne auf das Tier und dann von hinten“, sagt Weinfurter. Die Wettbewerbe finden meist in richtigen Veranstaltungshallen oder auf Messen statt. „In Krefeld war das mitten in der Stadt.“ Die Shows sind mittlerweile fest im Terminkalender der Weinfurters verankert. Im Oktober steht bereits die Nächste an.

Das Alpaka El Dorado hat den Weinfurters bereits einige Titel bei Wettbewerben beschert – zuletzt in Bayreuth. - Foto: Marius Göhl

Gerade würden die Treflinger mit ihren Tieren wohl wenig gewinnen. Die Alpakas sind frisch geschoren. Statt Teddybär ist Pudel-Look angesagt. Zum einen gewinnt das Ehepaar so die wertvolle Wolle der Tiere, zum anderen ist das Scheren auch eine wichtige Maßnahme zum Tierschutz. „Wenn sie weiterhin die ganze Wolle drauf hätten und es im Sommer dann mehr als 30 Grad hat, könnten die Tiere hyperventilieren und sterben“, erklärt der Alpaka-Züchter.

Aus der Wolle lassen die Weinfurters verschiedene Produkte anfertigen. Bettdecken oder Socken werden beispielsweise industriell hergestellt. Schals und Mützen wiederum stricken Frauen aus der Region für die Alpaka-Züchter.

Nun haben die Tiere wieder Zeit, das Fell wachsen zu lassen, die Gesichter in die Teddybären zu verwandeln und den Catwalk zu perfektionieren, damit beim nächsten Wettbewerb wieder Grand Champions nach Trefling zurückkehren.