Junge Ofenbauer aus Runding: Der eine schmeißt die Firma, der andere ist Vize-Europameister

Von Marius Göhl · 7. Mai 2026 um 05:00

Den Arbeitsplatz bei ihrem aktuellen Auftraggeber findet man nicht einmal auf Google Maps. So ist es manchmal im Neubaugebiet. In dem in Blaibach im Landkreis Cham ist es immerhin schick. Inmitten von Kränen, Baggern und anderen Handwerksbetrieben setzen Ferdinand Müller und Andreas Lengsfeld einen handgemachten Ofen in ein offen gestaltetes Wohnzimmer. Die beiden pflegen Handwerk. Ein womöglich aussterbendes Handwerk. Und alles, was dazu gehört.

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Die Freunde sind 23 Jahre alt. Müller, ein halbes Jahr älter, mit Cap ohne Schirm, Lengsfeld mit Dreitagebart. Ihre Heimat ist im Landkreis Cham, und irgendwie auch im Betrieb von Müller. Dort haben beide gelernt, dort haben sie ihren Meister gemacht. Und mittlerweile ist einer Firmeninhaber und der andere Vizeeuropameister.

Auf der Baustelle herrscht ein vertraulicher Ton. Während Lengsfeld die letzten Konturen des Ofens mit schwarzer Farbe ansprayt, kümmert sich Müller um die Elektrik. Kennengelernt haben sie sich im Betrieb. Der tägliche Kontakt geht über die Arbeit hinaus. Schließlich sind sie beste Freunde.

Der Ofenbau wurde in die Wiege gelegt

Nachdem Müller die Firma von seinem Vater Josef vor zwei Jahren übernommen hatte, wurde er Chef. Doch das ist kein Problem – weder für ihn noch für Lengsfeld. „Er hat eine Chef-Ader. Dadurch, dass wir beste Freunde sind, drückt er aber vielleicht ab und zu bei mir ein Auge zu“, sagt Lengsfeld.

Müller wurde der Ofenbau quasi in die Wiege gelegt. Sein Großvater Josef hat die Firma gegründet, sein Vater Josef übernommen und schließlich an ihn übergeben. „Ich habe mir vorher schon viel angeschaut. Ich habe mich für Holz sehr interessiert, habe Praktika gemacht“, sagt Müller. Am Ende landete er dennoch im Ofenbau.

Diesen Ofen haben die Ofenbauer in Blaibach in einem Haus verbaut. - Foto: Marius Göhl

Auch Lengsfelds Berufung ist familiär bedingt. Der 23-Jährige kam über seinen Onkel, der bereits seit 25 Jahren für die Müllers arbeitet, ins Team. Auch er lernte im Betrieb den Beruf des Ofenbauers. Gelernt hat er aber eigentlich noch viel mehr. „Alles, was eben dazu gehört.“ Vom Schweißen über Elektrikerarbeiten: die jungen Ofenbauer brauchen in ihrem Beruf viele Fertigkeiten.

Aussterbendes Handwerk? Fehlanzeige

Der Betrieb ist zurzeit gut ausgelastet. Sterbendes Handwerk? Fehlanzeige. Zwei Teams sind immer zeitgleich draußen auf Baustellen. Zwar gebe es immer mehr Billigöfen auf dem Markt, allerdings würden weiterhin viele Kunden auf Qualität und Handarbeit setzen, so Müller.

Der 23-Jährige muss nicht nur auf der Baustelle mit anpacken. Immer wieder kümmert er sich um Bürokram. Insgesamt sind beim Rundinger Betrieb sieben Personen angestellt – vier Ofenbauer und drei Helfer. „Ofenbaubetriebe sind nicht groß. Die meisten sind Einzelkämpfer. Wir sind fast der größte in der Region“, sagt Müller.

Wenn er mit Lengsfeld auf einer Baustelle ist, bilden sie ein dynamisches Team. Jung und doch mit Erfahrung. Sie wissen, was sie tun. Der eine schmeißt mit 23 Jahren die Firma, der andere überzeugt auf internationaler Bühne.

Bei der Europameisterschaft in Wels baute Lengsfeld in wenigen Tagen den Ofen vor Ort. - Foto: Anna Hansbauer

Im Januar nahm Lengsfeld an der Europameisterschaft im Ofenbauen in Wels (Österreich) teil. Und das mit großem Erfolg. Am Ende stand für ihn der zweite Platz. Dabei setzte er sich gegen Ofenbauer aus der Slowakei, der Schweiz, Italien, Ungarn und Tschechien durch. Und dennoch bleibt für die besten Freunde ein fader Beigeschmack.

Bekam der Österreicher bei der EM einen Heimvorteil?

„Eigentlich lief alles so, wie ich es mir vorgestellt habe“, resümiert Lengsfeld. Am Ende reichte es allerdings zum Unverständnis der Rundinger Ofenbauer nur für Platz zwei. Der österreichische Vertreter gewann. Und das, obwohl er laut Lengsfeld einige Maße nicht eingehalten habe.

Die Erfahrung war trotzdem „einmalig“. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nochmal antreten möchte der Vizeuropameister nicht. Höchstens als Trainer könnte er ein weiteres Mal dabei sein – so, wie es sein Berufsschullehrer bei ihm gemacht hat.

Stolz sind sie allemal – auch auf Platz zwei. Und so schimpfen sich die besten Freunde nun Vizeeuropameister und Firmeninhaber. Ihr aktuellstes Projekt stellen sie im Neubaugebiet gerade fertig. Das Holz ist bereit, die Anzünder liegen dazwischen. Feuertaufe für den Ofen. Die Technik läuft. Lengsfeld entzündet das Feuer im vintage-grünen Ofen. Und dieses lodert nicht nur in dem Werk, sondern auch in ihren Herzen für ihr Handwerk.