Statt Shein und Temu: Willmeringerin bietet handgefertigte Artikel auf Instagram und Etsy an

Von Marius Göhl · 11. April 2026 um 17:00

Annalena Dreher aus Willmering ist in ihrer Branche ein Fisch, der gegen den Strom schwimmt. Während Plattformen wie Shein und Temu den Markt mit Billigware fluten, bietet sie mit ihrer Slowfashion eine Alternative. Handarbeit, Zeit und Leidenschaft – und das trotz Vollzeitjob.

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„Ganz klassisch“ hat ihr Hobby begonnen. In der Covid-Pandemie hatte sie viel Zeit. Dreher arbeitet in der Bildungsstätte St. Gunther in Cham als Kinderpflegerin. Ihr Beruf war in der anfänglichen Hochphase „nicht als systemrelevant“ eingestuft. Was folgte, war Zeit zuhause. Und die Leidenschaft zum Häkeln.

In der Schule hat die 28-Jährige das erste Mal gehäkelt. „Ich mochte damals schon das Handwerken.“ Durch die Vorliebe für Christkindlmärkte von Drehers Mutter und ihr hat die Willmeringerin wieder damit begonnen. „Meine Mama meinte: Annalena, häkle doch mal wieder. Dann können wir die Sachen auf einem Markt anbieten. So habe ich wieder angefangen und total Freude daran entwickelt.“

Von der Discounter-Wolle zur Baumwolle

Über die Jahre professionalisierte sie ihr Handwerk. Seit knapp zwei Jahren hat sie einen eigenen Shop auf der Online-Plattform Etsy, eine Instagram-Community mit mehr als 5000 Followern. Hinzu kommen individuelle Aufträge von Kunden. Mit Billig-Wolle von Non-Food-Discountern hat die gebürtige Chamerin gestartet, heute nutzt sie zu 100 Prozent Baumwolle und besondere Wollsorten.

Das Trennregal im Wohn-Ess-Bereich ihrer Wohnung in Willmering ist randvoll mit Wolle jeglicher Art, Farbe und Größe. Mit der Zeit funktionierte sie sogar ein Zimmer zum Lagerraum um. „Den zeige ich lieber nicht. Da steht alles voll“, schmunzelt handmade.valena, wie sich Dreher auf Instagram nennt.

Handmade.valena ist ein Relikt der Vergangenheit. In der Pandemie hat die Willmeringerin den Instagram-Account zusammen mit einer Freundin gestartet. Aus Veronika und Annalena wurde Valena. Mittlerweile betreibt sie den Social-Media-Account allein.

Trotz der wachsenden Reichweite bleibt das Häkeln Drehers Leidenschaft. Und Nebentätigkeit. Weiterhin arbeitet sie Vollzeit als Kinderpflegerin. Zeit fürs Häkeln nimmt sich die Hobby-Häklerin, wenn sie sie hat. „Manchmal an Wochenenden, aber auch ganz oft einfach am Abend. Mich entspannt das. Dann setze ich mich auf die Couch, mache eine Serie an und häkle.“ So kann die 28-Jährige vom Alltag abschalten.

Im Sommer 2024 eröffnet sie Etsy-Shop

Im Sommer 2024, bevor sie ihren Etsy-Shop eröffnete, hatte sie bereits ein Kleingewerbe angemeldet. Dreher häkelt hauptsächlich Deko-Artikel. Kerzen, Kränze, Kinderschuhe, Schlüsselanhänger, Mützen, Blumen und alles, worauf sie Lust hat. Ihr absoluter Kassenschlager ist ein Weinglashalter. „Für Junggesellenabschiede ist das sehr beliebt.“ Umhängen, Weinglas rein, losgehen.

Auch Schlüsselanhänger häkelt die 28-Jährige selbst. - Foto: Melissa Kutscher

Die meisten Artikel verkauft die Willmeringerin tatsächlich vor Ort. Im Winter 2024 bot sie ihre Häkeleien auf dem Christkindlmarkt bei Gartenbau Pohl an. „So hat es eigentlich angefangen. 2025 war dann nichts. Da habe ich meine Produkte nur beim Frey ausgestellt.“ Heuer war Dreher bereits am Turmgeschichten-Kunsthandwerkermarkt in Bad Kötzting.

Außerdem will sie zwei Mal am „So a Kirta“ in Lam und einmal auf einem kleineren Weihnachtsmarkt in Regensburg ihre Sachen ausstellen. „Der in Regensburg ist ein absoluter Geheimtipp. Die haben nur handgemachte Sachen.“

Die Online-Plattform Etsy hingegen sieht die gebürtige Chamerin kritisch. Ein Grund: die Schwemmung des Markts. „Es sind sehr viele Leute auf Etsy. Etsy rentiert sich meiner Meinung nach nur, wenn du schon groß bist und viele Verkäufe hast. Man zahlt sehr hohe Provisionen“, sagt Dreher. Dennoch finde sie die Plattform gut, sie kaufe selbst viel auf Etsy. Für die kleinen Händler sei es allerdings schwierig, sichtbar zu werden.

Dumpingpreise bedrohen Handmade-Shops

Denn viele bieten Dumpingpreise. Die Willmeringerin hingegen versucht, ihre Waren zu fairen Preisen anzubieten. Nicht mit in den Preis einbezogen: die Arbeitszeit. „Wenn ich das mit einrechnen würde, müsste ich wirklich viel verlangen.“ Die Provision der Online-Plattform schlage sie hingegen auf den Preis. Direkt bei ihr über Instagram zu kaufen, lohne sich also.

Durch das breitgefächerte Angebot deckt Dreher nahezu alle Preissegmente ab. Während kleine Teile um die fünf Euro kosten, verlangt sie für aufwendigere Sachen wie ein Mobile mehr als 60 Euro. Ihre Leidenschaft hauptberuflich auszuüben, sei momentan kein Thema. „Vielleicht irgendwann“, sagt Dreher.

Auf gehäkelte Blumen will sich Dreher in nächster Zeit konzentrieren. - Foto: Melissa Kutscher

Nach dem Ostergeschäft konzentriert sich die 28-Jährige auf Frühlingsgefühle. Gehäkelte Blumen als Strauß – das ist die Vision. Neben den Märkten wartet noch das Weihnachtsgeschäft auf Dreher. Das sei das Geschäft, von dem „Handmade-Shops leben“ – auch aufgrund der Märkte.

Und während die großen Billig-Giganten weiter ohne wirkliche Regularien produzieren, macht Dreher weiter – und zwar im Kleinen. Und wenn abends die Serie läuft, greift sie wieder zu Wolle und Nadel. Fair und handgemacht.