Mit Video: Stephanie Siebert lädt zu Töpfer-Aktion in Atelier „Naturgarten“ in Rettenbach ein

Mit Leib und Seele dabei – so lässt sich die Arbeit als Töpferin der Kinderbetreuerin und dreifachen Mutter Stephanie Siebert (36) wohl am besten beschreiben. Angefangen beim Hobby-Betrieb in der Küche eröffnete sie vor etwa einem Jahr ihr eigenes Atelier mit dem passenden Namen „Naturgarten“ in Haag. Morgen öffnet sie im Rahmen der Europäischen Tage des Kunsthandwerks die Türen ihres Ateliers – Zuschauen und Mitmachen erwünscht!
Sonnenschein, ein naturbelassener, weitläufiger Garten, ein kleiner Hühnerstall und das Gebell des Atelierhunds Gustl. Durch das Gartentor über eine kleine Steintreppe führt der Weg zum Atelier. Durch die große Glastür betritt man einen lichtdurchfluteten Raum, der mit fertigen, bunten Tassen, Kisten mit kleinen Löffeln und Regalen mit trocknender Töpferware gefüllt ist.

Diese Aussicht erwartet alle, die sich morgen zu der von Siebert organisierten Veranstaltung einfinden. Geplant ist neben der Besichtigung des Ateliers und dem Verkauf von Keramiken eine kreative Mitmachaktion. Dabei können die Teilnehmer bereits vorbereitete, kleine Tonfliesen selbst gestalten.
Die positive Einstellung macht es aus
Siebert wünscht sich, dass die Fliesen nicht nur farblich ausgestaltet werden. Ihre Idee sei es, die Fliesen mit Schlagworten zu versehen, die für die Teilnehmer die „Werte der Gesellschaft“ verkörpern.
Es gibt keine Menschen mit Behinderung, nur die Gesellschaft behindert uns.Stephanie Siebert
Mit ihrer Idee greift die Töpferin auf ihre eigene Haltung zurück, denn sie ist Optimistin durch und durch. Sie ist dreifache Mutter und seit einem Jahr auch Hundemama. Die Kombination aus Familienleben und der Tätigkeit als Töpferin könne aufgrund der Zeitintensivität schon manchmal herausfordernd sein; unter anderem, weil einer ihrer Söhne eine Behinderung hat.
„Viele würden das negativ sehen – ich finde, es ist eine Bereicherung. Unser Sohn hat für meinen Ehemann und mich den Blick auf die Welt verändert und uns quasi dazu gebracht, über den Tellerrand hinauszuschauen.“ In ihrer Freizeit hat sie auch schon mit der Selbsthilfegruppe „Mein Herz lacht“, welche sich an Eltern behinderter Kinder richtet, gearbeitet und mit einem Beitrag über ihre Töpfer-Arbeit an deren Podcast mitgewirkt. „Es gibt keine Menschen mit Behinderung“, sagt sie, „nur die Gesellschaft behindert uns.“
Ein steiler Werdegang: Vom Hobby zum Teilzeitjob
Als sie vor etwa drei Jahren mit dem Töpfern begonnen hat, sei es für sie vor allem „für ihre mentale Gesundheit“ gewesen. Nach und nach hat sich das Hobby jedoch ausgewachsen – bis eine Freundin vorgeschlagen hat, sie solle doch anfangen, ihre Töpferwaren zu verkaufen. Daraufhin hat Siebert ein Kleingewerbe angemeldet und an ihrem ersten Markt in Adlersberg teilgenommen. Mittlerweile produziert sie am meisten für Märkte – allein vergangenes Jahr habe sie an 15 davon teilgenommen. Da die Herstellung eines Stücks etwa drei bis vier Wochen dauert, erfordert die Marktplanung und die Annahme von Aufträgen über Instagram vorausschauende Planung.

Da das Geschäft mittlerweile boomt, ist für dieses Jahr nicht nur die Eröffnung eines Onlineshops geplant, sondern auch die Umwandlung in ein „offenes Atelier“. Die Idee sei, Leuten, die selbst keinen Ort zum Töpfern haben, einen Platz zu vermieten und ihnen so die Möglichkeit zu geben, trotzdem ihr Hobby ausüben zu können.
Wer noch keine Erfahrung hat, kann zudem eine Anfrage für einen Töpferkurs stellen. Diese bietet Siebert seit etwa einem Jahr circa einmal im Monat an, je nachdem, wie viel Zeit sie hat.
„Wer selbstständig ist, arbeitet selbst und ständig“, sagt sie und lacht. Sie habe noch ein Jahr Elternzeit vor sich, in dem sich beim Atelier noch viel tun soll. Wie es danach weitergeht? Das lässt sich die Töpferin offen.




