Physiopraxis und Country-Bühnen: Petro Schkarlat betreibt in Wetterfeld sein eigenes Tonstudio

Wenn Petro Schkarlat sein Tonstudio betritt, schlägt sein Herz ein kleines bisschen höher. Dass sich im Leben des 69-Jährigen alles um Musik dreht, merkt man schnell. Nachdem er selbst jahrelang auf der Bühne mit Songs aus unterschiedlichen Genres aufgetreten ist, widmet er sich seit der Covid-Pandemie der Aufnahme von Liedern – und das im eigenen Tonstudio in Wetterfeld bei Roding im Landkreis Cham.
Der Wahl-Wetterfelder pflegt eine besondere Beziehung zur Musik. Bereits in seiner Kindheit brachte ihn seine Mutter an die Geige. Damals fand er es „okay“, wollte er doch bloß kein Blasinstrument lernen müssen. „Das hätte mir zu sehr in den Ohren geknallt. Es müssen ja nicht noch andere darunter leiden“, blickt Schkarlat sarkastisch auf seine Anfänge zurück.
Es folgten Schulchor und Gitarrenunterricht. Genauer gesagt: amerikanische Schlaggitarrenschule, wie es Schkarlat nennt. „Das war so der Anfang. Das hat mich gepackt. Ich bin von der Schule heimgekommen, Ranzen in die Ecke und geübt, geübt, geübt“, erinnert sich der Rentner. Neben Geige und der E- und Akustik-Gitarre lernte er über die Jahre Mandoline, Fiddle, Lapsteel und Banjo.
Erst Schulchor, dann Bundeswehr in Frankreich
Mit 16 Jahren spielte er seine ersten Konzerte – zunächst immer in Bands. Diese wechselten häufig. Eine verrückte Zeit, wie Schkarlat sagt. Doch dann spielte die Musik nicht mehr die erste Geige. Das Geld im Hause Schkarlat war knapp. Der Musiker entschloss sich, sich bei der Bundeswehr zu verpflichten. Zusätzlich erklärte er sich bereit, in Frankreich stationiert zu sein. In Fontainebleau, rund 60 Kilometer südlich von Paris, diente er drei Jahre. Dadurch bekam er Zuschläge, welche ihm schließlich seine Ausbildung zum Physiotherapeuten in der Nähe von Koblenz ermöglichten.
Nach Abschluss seiner Ausbildung ging es für ihn zurück in seine Heimat Mühldorf am Inn. Nach 13 Jahren im Angestelltenverhältnis machte er sich in Oberbayern selbstständig. „Es war eine schöne Zeit. Eine intensive Zeit. Jetzt bin ich froh, dass ich im Ruhestand bin“, sagt der Musiker.
Nebenbei ging er weiter seiner Leidenschaft nach. Unzählige Konzerte und Songs spielte er mit seinen Bands. 1989 begann der Wetterfelder, eigene Songs aufzunehmen. Mit Erfolg. Seine Lieder liefen im BR, auf Antenne Bayern oder Radio Salzburg. Gerade in Österreich überzeugte Schkarlat – im Duo mit seiner Ex-Frau. „Wir haben bei einem Country-Musik-Award in Österreich den ersten Platz geholt. Dadurch haben wir ein Angebot bekommen, dass wir aufnehmen können“, erinnert sich der Rentner. Gesagt, getan. So entstand damals die erste Kassette von Schkarlat.
Mit Backroad and Friends Erfolg
Mit der Aufnahme als Startschuss bildete sich Schkarlats Band „Backroad and Friends“. „Wir haben das vorher als Duo gemacht.“ Mit „Backroad and Friends“ trat er jahrelang auf. Die Country/Western-Band überzeugte, auch in Österreich. Doch privat wie beruflich sollte sich einiges ändern.
Mit der Scheidung von seiner Ex-Frau und Bandkollegin stand für ihn ein neues Lebenskapitel an. „Backroad and Friends“ war Geschichte. Mit Spezln gründete er „New Backroad“. Doch dann der Schock. Durch die Corona-Pandemie ist – nicht nur für Schkarlat – die Bühne tabu.
Die Lösung: Er widmete sich seinem Tonstudio. Bereits in seiner damaligen Heimat Heldenstein, nahe Mühldorf, hatte sich der Musiker in den 80er-Jahren ein eigenes angeschafft. Per Fernstudium vertiefte der 69-Jährige sein Wissen und machte die Ausbildung zum Audio Engineer.

Im Dezember 2022 zog er in den Landkreis Cham. Mit seiner neuen Partnerin Cornelia, die er schon in Heldenstein kennengelernt hatte, entschied sich der Rentner für das alte Haus in Wetterfeld nahe der Kirche. „Wir mussten einiges umbauen. Hier war früher der Kuhstall“, sagt der Rentner am jetzigen Küchentisch. Einen Platz für das eigene Tonstudio gab es auch in der neuen Heimat.
Für seine Söhne zu ruhig, für ihn ist der Landkreis ideal
Im Bayerwald fühle er sich wohl. Die Idylle, die Ruhe, die Landschaft gefallen ihm. Wenn seine Söhne aus München zu Besuch kommen, sähen diese die Kurzaufenthalte bei ihrem Vater als Urlaub. „Wenn sie da sind, finden sie es schön. Aber zum Leben wäre das nichts für sie. Für das, was sie machen, wäre es auch zu dezentral. Aber mir gefällt es.“
Dazu tragen sicherlich auch die zwei Räume in seinem Tonstudio bei. Ein größerer für die Bearbeitungen, ein kleinerer für die Aufnahmen. Sein spzezielles Faible für Musik erkennt man überall. CDs, etliche Instrumente, dicke Boxen. 26 Instrumente besitzt er, sagt der Vollblutmusiker, nachdem er sicherheitshalber nochmal nachzählt.
Von der Akustik- über die elektronische Gitarre bis hin zur Mandoline hat er alles in den eigenen vier Wänden. Die große Bühne braucht er nicht mehr. Seine Musik hat er sich nach Hause geholt – und genau dort ist sie für ihn heute am richtigen Platz.