16 Unfälle seit März: Zustände im Regensburger Süden besorgen Anwohner immer mehr

Genau 81 Autos und drei Busse zwängen deren Fahrer binnen fünf Minuten durch die Ziegetsdorfer Straße. Es ist Mittwoch kurz vor 17 Uhr. Rush Hour. Seit mit der Augsburger Straße eine der wichtigsten Verbindungen im Regensburger Süden gesperrt ist, bahnt sich der Feierabendverkehr seinen Weg mitten durch das Wohngebiet. Nicht zum ersten Mal schlagen Anwohner Alarm.
Noch enger als in der Ziegetsdorfer Straße geht es in der kurvigen Konrad-Adenauer-Allee und ihren Seitenstraßen zu. „Es ist ein Wahnsinn“, sagte Philipp Ratajczak, der in der Von-Richthofen-Straße lebt, schon Mitte März. Da hatten die Bauarbeiten in der Augsburger Straße – sie dauern voraussichtlich bis Dezember – gerade erst begonnen. Ratajczak berichtete von Autofahrern, die mit Tempo 60 durch das Wohnviertel rauschen würden. Christina Dinesen, Anwohnerin der Boelckestraße, beklagte „waghalsige Überholmanöver“. Beide wandten sich an die Stadt und forderten unter anderem Geschwindigkeitskontrollen und eine deutlichere Beschilderung der offiziellen Umleitung.
Verkehrschaos im Regensburger Süden: Ausweichmanöver auf den Gehweg
Was ist seitdem passiert? „Bei mir hat sich niemand gemeldet“, sagt Ratajczak. „Sehr bedauerlich“ – die Gefahr, insbesondere für Kinder, sei groß, da viele Autofahrer bei Gegenverkehr auf den Gehweg ausweichen würden. Die Situation sei sogar noch „deutlich schlimmer“ geworden. Selbst große Lastwagen und Busse seien mitten im Wohnviertel oft zu schnell unterwegs. „Es ist wirklich eine Katastrophe.“
Am oberen Ende der Baustelle wohnt Ulrich Pompe. Er hat sich Anfang Mai direkt an Oberbürgermeister Dr. Thomas Burger (SPD) gewandt. Die Verkehrsbelastung in der Ziegetsdorfer Straße sei „extrem“ gestiegen, heißt es in dem Schreiben, das auch der MZ vorliegt. Zu Stoßzeiten komme man als Anwohner kaum noch aus der Ausfahrt raus. Ist mal weniger los, „rasen fast alle durch die Wohnstraße“. Selbst Busse hielten sich nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit. „Die angrenzenden Häuser wackeln.“
Stadtwerk-Sprecher Martin Gottschalk will die Kritik am Busverkehr so nicht stehen lassen. „Selbstverständlich“ hielten sich die Fahrer an Geschwindigkeitsbegrenzungen. Aufgrund der vielen Engstellen sei es für Busse hier überhaupt nicht möglich, die erlaubten 30 Kilometer pro Stunde zu überschreiten.

Beobachtungen der MZ zeigen jedoch: Es gibt durchaus Abschnitte, in denen sich weiß Gott nicht alle Verkehrsteilnehmer an Tempo 30 halten. Wie Ratajczak und Dinesen fordert Pompe Geschwindigkeitskontrollen. Laut Stadtsprecherin Katrin Holzgartner finden die längst statt: In der Ziegetsdorfer Straße werde regelmäßig kontrolliert. Weder die Anzahl der Verstöße noch die Höhe der gemessenen Geschwindigkeiten machten eine Intensivierung notwendig. Auch in der Boelckestraße seien die Verkehrsüberwacher tätig geworden. „Das Ergebnis dieser Geschwindigkeitskontrollen macht derzeit keine weiteren Maßnahmen nötig“, sagt Holzgartner.
Weiteren Wünschen der Anlieger erteilt die Sprecherin Absagen: Dauerhafte Geschwindigkeitsanzeigen erzielten erfahrungsgemäß „langfristig nur eine geringe Aufmerksamkeit bei Verkehrsteilnehmern“, provisorische Zebrastreifen seien im Bereich von Baustellen nicht zulässig und für weitere Tempolimits, etwa für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, seien die rechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben. Immerhin: In der Ziegtesdorfer Straße sollen bald die Fahrzeuge gezählt werden.
Baustelle drückt Verkehr in Regensburger Wohngebiet: Alles nur Gewöhnungssache?
Zur Kritik der Anwohner sagt Holzgartner: „Zu Beginn einer Bauphase braucht es erfahrungsgemäß eine gewisse Zeit, bis sich alle Beteiligten an die neue Situation gewöhnen.“ Das sei auch hier der Fall gewesen. Übermäßige Beschwerden habe es nicht gegeben.
Seit Anfang März ist es laut Polizei-Sprecher Markus Reitmeier zu 16 Unfällen in der Ziegetsdorfer Straße, der Konrad-Adenauer-Allee und der Boelckestraße gekommen. In 13 Fällen wurden geparkte Autos beschädigt, entweder im Vorbeifahren oder beim Einparken. Drei Unfälle passierten im fließenden Verkehr, eine Person wurde leicht verletzt. Unfallschwerpunkte hätten sich nicht abgezeichnet.
Die Anwohner fürchten, dass irgendwann mehr passiert. Ratajczak: „Man mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn ein Kind hinter einer Hecke vorspringt.“