Gesperrte Hauptverkehrsachse sorgt für Chaos in Regensburg – Spielstraße wird zur „Rennstrecke“

Von Jonas Raab · 17. März 2026 um 05:00

Mit der Augsburger Straße ist derzeit eine der wichtigsten Verbindungen im Regensburger Stadtteil Kumpfmühl gesperrt. In den umliegenden Wohngebieten sorgt das für Chaos. Besorgte Anwohner kritisieren die Stadt für ihr Vorgehen.

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Hinter zwei Handwerkerbussen, die in der Boelckestraße stehen, reihen sich binnen Sekunden sieben Autos auf. Der Gegenverkehr hat den Kampf um die Engstelle gewonnen und darf zuerst durch. Geistesgegenwärtig weicht der Lieferdienstfahrer auf seinem E-Bike auf den Gehweg aus und umkurvt alle Autos. Situationen wie diese sind Alltag geworden in den Wohngebieten rund um die Augsburger Straße, seit diese gesperrt ist. „Es ist ein Wahnsinn“, sagt Philipp Ratajczak, der in der Von-Richthofen-Straße lebt. „Der erste Personenschaden ist vorprogrammiert.“

Wasserkanal, Gasleitungen, Straßenbelag: Es ist ein Baustellen-Rundumschlag, den Stadt und Rewag in der Augsburger Straße betreiben. Seit 9. März geht deshalb zwischen Boelckestraße und der Kreuzung zur Ziegetsdorfer Straße nichts mehr – und das bleibt monatelang so. Pendler trifft das hart, schließlich handelt es sich um eine der wichtigsten Verbindungen nach Pentling und in den Nachbarlandkreis Kelheim. „Die Verkehrsteilnehmer werden gebeten, die Baustelle weiträumig zu umfahren“, teilte die Stadt eine Woche vor Beginn der Bauarbeiten in einer Pressemitteilung mit. Doch viele wählen den kurzen Weg durch das Wohngebiet. Ratajczak spricht von einer „massiven Verkehrsbelastung“ rund um die Augsburger Straße. „Teilweise rauschen die mit 60 durch das Wohnviertel und fahren eiskalt über die Gehwege. Man mag sich nicht ausmalen, was passiert, wenn ein Kind hinter einer Hecke vorspringt“, sagt er.

Waghalsige Überholmanöver mitten in Regensburger Wohngebiet

Christina Dinesen, Anwohnerin der Boelckestraße, bestätigt Ratajczaks Sorgen: Sie berichtet von Rasern, zudem von „waghalsigen Überholmanövern“. Die für die Umleitung des Busverkehrs gestrichenen Parkplätze hätten das erst möglich gemacht. „Es ist eine kleine Rennstrecke geworden“, sagt Dinesen über ihre Straße, die in Teilen sogar Spielstraße ist.

Die Verwaltung hätte gerne, dass Autofahrer stadtauswärts die A93 über die Kirchmeierstraße ansteuern. In die andere Richtung erfolgt die offizielle Umleitung über die Franz-Josef-Strauß-Allee, die Universitätsstraße und die Friedenstraße.

Fünf Baustellentafeln weisen auf die Umleitungen hin, beispielsweise unten an der Kumpfmühler Brücke und in der Friedenstraße, aber auch kurz vor der Baustelle direkt an der A93-Auffahrt. Ratajczak findet, dass letztgenanntes Schild – es weist zwar eine Umleitung über die Ludwig-Thoma-Straße aus, nennt aber die Boelckestraße als letzten freien Abzweig – viel Verkehr ins Wohngebiet zieht. „Eine Umleitung über die Boelckestraße wird durch dieses Schild nicht ausgewiesen“, sagt Stadtsprecherin Katrin Holzgartner dazu.

Die Umleitung zeigt nach links, doch viele fahren weiter. - Foto: Jonas Raab

Aber: „Der Anliegerverkehr wird im Rahmen der technischen Möglichkeiten aufrechterhalten“, hieß es in der Pressemitteilung zur Baustelle. Und eben jener Weg durch das Wohngebiet scheint die liebste Umfahrung vieler Pendler zu sein – wohl schlicht dem Umstand geschuldet, dass man stadtauswärts direkt vor der Absperrung noch rechts in die Boelckestraße einbiegen darf und sich seinen Weg durch das Wohngebiet suchen kann.

Ratajczak, der als Architekt große Baumaßnahmen als sein „tägliches Geschäft“ bezeichnet, kritisiert die Maßnahmen der Stadt als „nicht zu Ende gedacht“. Die Schilder müssten klar machen, dass im Wohngebiet nur Anwohner etwas verloren hätten. Zudem plädiert er für Kontrollen, Blitzer oder temporäre Zebrastreifen. Das hat er der Stadt auch mitgeteilt.

Für Anlieger kam die Baustelle in Regensburg-Kumpfmühl überraschend

Nicht nur die Umsetzung, auch die Kommunikation kritisiert Ratajczak. Er bezeichnet sie als „nicht vorhanden“ – zumindest was die Von-Richthofen- und die Boelckestraße betrifft. Laut Holzgartner seien die Anwohner und Eigentümer „im direkten Umfeld der Augsburger Straße“ mehrfach informiert worden, erstmals vor über einem Jahr. Ende 2025 sei ein zweiter Informationsbrief verschickt worden. Zudem seien unmittelbare Anlieger zu einer Informationsveranstaltung eingeladen worden. „Wir haben nichts bekommen“, sagt Dinesen aus der Boelckestraße. Auch die Anwohner in der Von-Richthofen-Straße hätten nichts bekommen. Ratajczak bestätigt das.

Bis Dezember bleibt die Augsburger Straße gesperrt. - Foto: Jonas Raab

Dinesen hat sich ebenfalls an die Stadt gewandt. Sie wünscht sich eine spürbare Verkehrsberuhigung und nennt Parkbuchten oder digitale Tempoanzeigen als Möglichkeiten. „Mir ist bewusst, dass Baumaßnahmen immer mit Belastungen verbunden sind, aber man darf keine Gefahrenlagen schaffen“, sagt Dinesen. Im Magen liegt ihr, dass die Baustelle bis Dezember bleibt.

Bauarbeiten dieser Größenordnung führten zwangläufig zu Belastungen und Einschränkungen, sagt Holzgartner zur Kritik der Anlieger und verweist auf die großräumige Umleitung. Die Verantwortung, sich daran und an die geltenden Regeln zu halten, liege bei den Verkehrsteilnehmern. „Eine gezielte Kontrolle möglichen Schleichverkehrs ist nicht umsetzbar.“