Streckensperrung zwischen Regensburg und Nürnberg: Verband zieht ein Zwischenfazit

Die monatelange Sperre zwischen Regensburg und Nürnberg bremst Güterzüge aus. Ein Verband übt Kritik an der Kommunikation der Deutschen Bahn. Der Konzern erklärt, ob die Sanierung im Zeitplan liegt.
Die Bahn baut in Deutschland ein neues Hochleistungsnetz – und nimmt dafür einzelne Strecken monatelang aus dem Betrieb. Seit Anfang Februar ist die wichtige Verbindung zwischen Regensburg und Nürnberg gesperrt. Für den Güterverkehr bedeutet das eine Belastungsprobe. Die ersten Wochen seien „recht stabil“ verlaufen, teilt ein Verband nun mit – auch, weil man im Vorfeld von der Prämisse „Wer nichts erwartet, wird nicht enttäuscht“ ausgegangen sei.
Im Verband „Die Güterbahnen“ sind laut eigenen Angaben über 120 Unternehmen mit Bezug zum Schienengüterverkehr zusammengeschlossen. Auf die Sanierung der Strecke Regensburg–Nürnberg hatten sich die Firmen Sprecherin Daniela Morling zufolge gut vorbereitet: So sei bereits im Vorfeld von großen Fahrzeitverlängerungen, längeren Standzeiten und auch Zugausfällen ausgegangen worden. Die Unternehmen hätten zudem mehr Personal eingeplant. Die Erwartungen an einen reibungslosen Ablauf waren der Sprecherin zufolge niedrig.
Sperrung Regensburg–Nürnberg: „Super-Stau“ gerade noch vermieden
Tatsächlich drohte laut dem Verband direkt zu Beginn der Sperrung ein „Super-Stau“, wie Geschäftsführer Peter Westenberger es damals in einer Mitteilung ausgedrückt hatte. Der Grund: Ein neues Stellwerk auf einer wichtigen Umleitungsstrecke konnte nicht rechtzeitig den Betrieb aufnehmen. Erst wenige Stunden vor Sanierungsstart fand die Bahn-Infrastrukturtochter DB InfraGO eine Übergangslösung, sodass die Züge dennoch über Ansbach fahren konnten. Am ersten Sperrungstag sorgte dann auch noch eine kaputte Oberleitung für Probleme.
„Nach dem sehr holprigen Start“ habe sich die Lage nun stabilisiert, zieht Verbandssprecherin Morling ein Zwischenfazit. „Die Lage auf den Umleitern bleibt allerdings fragil, da die Schwächen bekannt sind und mehrere Störungen auf einmal oder eine größere Störung schnell dazu führen können, dass das Kartenhaus zusammenfällt.“
Die Strecke zwischen Regensburg und Nürnberg ist Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes TEN-T, einem zentralen Schienennetz für den Güterverkehr in der Europäischen Union. Die Verbindung spielt eine wichtige Rolle im Rhein-Donau-Korridor. Es handelt sich um die Hauptstrecke von den Nordseehäfen nach Österreich und weiter in Richtung Südeuropa. Vom Regensburger Hafen fahren beispielsweise mehrmals in der Woche gemäß Fahrplan Züge nach Hamburg und Bremerhaven. Diese Verbindungen seien wichtig, um Güter von der Straße auf die klimafreundlichere Schiene zu verlagern, teilt Bayernhafen mit.
Verband: „Fatales Signal an die verladende Wirtschaft“
Die Sanierung führt nun aber bis zu ihrem Abschluss wohl erst mal in die entgegengesetzte Richtung. Im vergangenen Jahr betrug der Schienengüterumschlag am Bayernhafen-Standort Regensburg 1,43 Millionen Tonnen – ein Plus von etwa zwei Prozent. In diesem Jahr könnte es aufgrund der Sanierung ein Minus von bis zu mehreren Hunderttausenden Tonnen geben, schätzt Bayernhafen.
Verbandssprecherin Morling zufolge bereiten vor allem sogenannte Gelegenheitsverkehre einigen Unternehmen Probleme. Da bei handelt es sich um kurzfristig anberaumte Fahrten. Diese würden nun „auf den überlasteten Strecken seltener ,Platz finden‘“, sagt Morling. Zwar bemühe sich InfraGO, Lösungen bereitzustellen. Firmen müssten mitunter aber neue Aufträge ablehnen. „Das ist ein fatales Signal an die verladende Wirtschaft, wenn man Anfragen zurückweisen muss“, so die Sprecherin. „Der Verkehr geht dann im schlimmsten Fall an den Lkw und ist für die Schiene erstmal verloren.“
Manuel Lorenz, verkehrspolitischer Sprecher der für die Oberpfalz und den Kreis Kelheim zuständigen Industrie- und Handelskammer Regensburg, bestätigt das: Einige Betriebe, die auf die Bahn für ihre Transporte setzen, würden von Engpässen und fehlenden Kapazitäten berichten. „Teilweise bleibt ihnen nichts anderes übrig, als kurzfristig auf den Lkw auszuweichen – mit entsprechenden Kosten und zusätzlichen Belastungen auf der Straße“, sagt Lorenz. Kritik übt der IHK-Experte an der Kommunikation der Bahn im Vorfeld der Sanierung: Einige direkt betroffene Unternehmen – zum Beispiel mit eigenen Gleisanschlüssen – seien zunächst gar nicht informiert worden. „Und auch später kam es zu Pannen“, so Lorenz. „Die Projektkommunikation zählt insgesamt zu den größten Schwachstellen dieses Bauvorhabens und sollte aus unserer Sicht dringend verbessert werden.“
Sprecherin der Deutschen Bahn äußert sich
Der Verband „Die Güterbahnen“ nennt die Kommunikation von DB InfraGO „durchwachsen bis schlecht“. „Von einem Unternehmen wird sie sogar als ,unterirdisch‘ betitelt“, sagt Morling. „Die zuständige Betriebszentrale in München ist so überlastet, dass sie zeitweise gar nicht erreichbar ist.“ Ihr zufolge werden Züge ohne Rücksprache umgeplant – teilweise sogar falsch: „Beispielsweise wenn eine E-Lok über eine nicht elektrifizierte Strecke geleitet werden soll“, sagt die Sprecherin.
Die Deutsche Bahn widerspricht: „Einen solchen Vorfall gab es nicht“, teilt eine Sprecherin auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mit. „Grundsätzlich erfolgen betriebliche Dispositionen und mögliche Umplanungen immer in enger Abstimmung mit den betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen.“
Der Konzern ist offenbar zufrieden mit den ersten Wochen der Sanierung: Man habe „eine gute Betriebsstabilität erreichen können“, sagt die Sprecherin. Sie macht auch Hoffnung darauf, dass die Strecke pünktlich am 11. Juli wieder freigegeben wird: „Wir liegen mit den Arbeiten im Zeitplan.“