Toilettenärger und Schwächeanfall: Ein Tag Ersatzverkehr zwischen Nürnberg und Regensburg

Von Nils Mayer · 14. Februar 2026 um 11:40

„Wie sollen wir denn da alle reinpassen?“, fragt eine Frau verzweifelt in die Menschenmenge an der überfüllten Haltestelle. Noch bevor der Bus zum Stehen kommt, drängeln sich die Ersten nach vorne, um einen der umkämpften Sitzplätze zu ergattern. Ein Tag Schienenersatzverkehr (SEV) zwischen Nürnberg und Regensburg zeigt: Die Fahrt mit dem Ersatzbus ist nichts für schwache Nerven und der Umweg mit dem Zug ist der heimliche Star.

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Los geht es am Vormittag am Regensburger Hauptbahnhof. Das Ziel Nürnberg soll zuerst mit dem Zug erreicht werden, bevor es dann mit einem der Ersatzbusse wieder zurückgeht. Die direkte Zugverbindung über Schwandorf wurde im Vorfeld als Alternative zum SEV beworben. In der Bahnhofshalle angekommen, ist mit der gesperrten Rolltreppe die Generalsanierung in ihrer ganzen Pracht zu bestaunen.

Der Zug als praktische Alternative

Kurzer Blick auf die noch funktionierende Anzeigetafel: RE 40, Gleis 1, Abfahrt in zehn Minuten. Der Zug kommt pünktlich und fährt pünktlich ab. Was auffällt: Im Zug ist kaum etwas los. Nur wenige Fahrgäste sitzen in großem Abstand zueinander über die Abteile verstreut. Ein extremer Gegensatz zur späteren Busfahrt, aber dazu später mehr. Die Fahrt nach Nürnberg dauert eine Stunde und 45 Minuten und klappt ohne Probleme.

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Bei der Ankunft wirkt der Nürnberger Hauptbahnhof teilweise verwaist. Deutlich weniger Reisende und weniger Züge. Der Stillstand auf der Strecke nach Regensburg bringt laut Agilis-Geschäftsführer Axel Hennighausen seine ganz eigenen Probleme mit sich. In einem Pressestatement macht er deutlich: „Einen Zug kann man nicht einfach abschalten und in die Ecke stellen. Hier ist eine kontinuierliche Wartung und Instandhaltung nötig.“ Auch die Mitarbeiter müssten weiter beschäftigt werden. Zugbegleiter und Fahrzeugführer sind während der Sperrung unter anderem als SEV-Helfer im Einsatz.

Die sind vor dem Nürnberger Hauptbahnhof in ihrem „Info-Mobil“ untergebracht. In einem Container sitzt eine Lokführerin, die Reisenden hilft, nicht in den falschen Bus einzusteigen. „Eigentlich steh ich den ganzen Tag draußen in der Kälte, aber jetzt muss ich mich mal aufwärmen“, erzählt sie. Begeistert von ihrer neuen Beschäftigung ist sie nach eigenen Worten nicht. „Schau ma mal“, sagt sie verhalten und ergänzt: „Ich freue mich aber, wenn ich den Leuten helfen kann.“ Und wie läuft der SEV bisher? „Also, soweit läuft alles rund.“

Das „Infomobil“ am Nürnberger Hauptbahnhof dient als Anlaufstelle bei Fragen. Lokführer sind dort als SEV-Helfer im Einsatz. - Foto: Nils Mayer

Um das zu testen, braucht es einen Stresstest: Rückfahrt nach Regensburg um 16 Uhr mit einem Bus voller Pendler und zwar mit mehreren Stopps, unter anderem in Neumarkt. An der überfüllten Bushaltestelle wird klar: So entspannt wie die Zugfahrt wird es nicht laufen. Dann kommt der magentafarbene Ersatzbus. Die Türen öffnen sich. Nur leider zur falschen Seite, Richtung Straße. Also rennen die Reisenden um den Bus herum, um mitten auf der Fahrbahn einzusteigen. Jetzt beginnt der Kampf um Sitzplätze. Schlussendlich ist der Bus randvoll. Vielen bleibt nur ein Stehplatz.

Die Fahrgäste sind eine bunte Mischung aus Jung und Alt. Doch eine Sache haben sie alle gemeinsam: Sie sind schlecht gelaunt. „Hält der Bus in Neumarkt überhaupt?“, fragt eine Frau mehrmals. „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“, murrt ein Mann zurück.

Wir starten, nur um wenige Minuten später wieder anzuhalten. Weitere Fahrgäste wollen zusteigen. Also rücken die ohnehin schon dicht an dicht stehenden Personen im Bus noch dichter zusammen. Kurz darauf sackt der Kreislauf einer Frau ab. Glücklicherweise sind sofort Fahrgäste da, um ihr zu helfen. Nachdem sich die Frau hingesetzt und ein Wasser getrunken hat, bessert sich ihr Zustand rasch.

Mit dem Halt in Neumarkt ist knapp die Hälfte der Strecke geschafft. Die Situation im Bus hat sich inzwischen etwas entschärft und niemand muss mehr stehen.

Ein blinder Passagier sorgt für Ärger

Doch einen weiteren Aufreger hat die Fahrt noch parat. Seit Fahrtbeginn ist die Toilette des Busses besetzt. Das sorgt für wütende Bemerkungen und Unverständnis bei den anderen Reisenden. Bis zum Regensburger Bahnhof bleibt die Toilette verschlossen und der blinde Passagier unbekannt. Beim Aussteigen nach fast zweieinhalb Stunden lassen einige Fahrgäste ihrem Ärger über den SEV freien Lauf. „Soll das jetzt Monate so gehen?“, fragt ein Mann seine Frau und die erwidert: „Wie soll das nur mit den Schülern klappen.“

Wer Zeit hat, sollte der Zugalternative eine Chance geben. - Foto: Nils Mayer

Im Netz brodelt es bei diesem Thema bereits. Matthias Beer, CSU-Bürgermeister von Beratzhausen, fällt in den sozialen Medien ein hartes Urteil zum Schulverkehr mit SEV: „Ja, so ist die Situation nicht akzeptabel.“ Er legt nach: „Dass Schüler stranden und gar nicht erst in der Schule ankommen, geht über Anfangsschwierigkeiten hinaus.“

Die Kritik ist beim SEV zuständigen Verkehrsunternehmen deu.mobil angekommen, bestätigt Sprecherin Viola Breidenbach: „Wir sind uns der Problematik bewusst.“ Im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern spricht sie von „kleineren Startschwierigkeiten“ und verspricht Besserung in den kommenden Tagen.

Nach einem Tag SEV bleibt nur die Hoffnung, dass diesem Versprechen Taten folgen. Wer seine Nerven schonen will, der sollte den Zug zwischen Nürnberg und Regensburg nehmen. In den Bussen geht es nämlich teils drunter und drüber.