SEV-Start in Neumarkt mit Hindernissen: Warum Pendler jetzt besser früher losfahren

Von Lothar Röhrl · 8. Februar 2026 um 19:00

Am ersten Tag wirkte der Schienenersatzverkehr im Landkreis Neumarkt im Rahmen der Bahnsperrung fast routiniert. Doch ein Blick hinter die Kulissen offenbart Risiken: knappe Zeitfenster, Sprachprobleme, kritische Verkehrsknoten. Der Ernstfall beginnt erst jetzt – und könnte unangenehm werden.

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Samstag war der erste Tag des Schienenersatzverkehrs (SEV) zwischen Nürnberg-Neumarkt-Parsberg-Regensburg. Ein Reporter unseres Medienhauses hat sich vier Teilstrecken ausgesucht, um zu testen, wie man „von A nach B“ kommt. Das Fazit: Im Prinzip kann der SEV so funktionieren, wie er im Internet nachzulesen ist. Aber an Tagen, an denen Schüler, Pendler und viele Lastwagen unterwegs sind, droht Ungemach.

Am Abend des ersten SEV-Tages kollidierten sogar zwei Busse an der Einmündung der Holzgarten- in die Bahnhofstraße miteinander. Niemand wurde verletzt; es gab nur Sachschaden.

Wer rechtzeitig ankommen will, sollte früher starten

Generell hat unsere Tour vom Samstag einen Rat an alle ergeben, die den SEV bis zu dessen Ende am 10. Juli nutzen wollen und vor allem müssen: Fahren Sie lieber einen oder zwei Busse früher, um ihre Ziele rechtzeitig zu erreichen.

Der Grund: Bei den vier Testrouten am Samstag stellten sich die Fahrzeiten der Busse als maßgeschneidert für einen Tag wie diesen heraus – also einen ohne Berufs- und Schüler-Verkehr sowie wenigen Lastwagen auf der Autobahn A3 heraus.

Service-Personal zeigt sich sehr hilfsbereit

Lobenswertes gab es auch: Das ist vor allem der Info-Service durch Mitarbeiter der Deutschen Bahn und von Agilis. Diese standen in Neumarkt, Nürnberg und Regensburg an den Bushaltestellen für Auskünfte bereit. Und werden das dort nach eigener Aussage noch lange in der Zeit bis 10. Juli täglich tun. Weil zudem einige Fahrer auf der im Test genutzten Route nur gebrochen – wenn überhaupt – Deutsch oder Englisch sprachen, ist so eine Hilfe an den größeren Stationen wertvoll.

Und noch etwas: Zumindest in den kleineren, 40 Sitzplätze fassenden RE 22-Bussen gibt es eine Toilette. Doch muss vor deren Besuch der Fahrer angesprochen werden: Der hat den Schalter für das Licht bei sich im Cockpit.

Vier Minuten früher als geplant in Nürnberg

Die erste Test-Fahrt am Samstag ging im von Regensburg gekommenen RE22-Bus ab Neumarkt nach Nürnberg: Zwei Minuten später als für 8 Uhr geplant bei der Abfahrt, vier Minuten früher als geplant kam er am Nelson-Mandela-Platz an; gerade mal 14 Fahrgäste stiegen am Ziel aus.

Tour 2 war eine Kombination aus S-Bahn S2 (Nürnberg ab 9.36 Uhr) nach Feucht und ab da mit S3-Bus nach Neumarkt (an 10.30 Uhr). Dort fand der Fahrer nach einem größeren Umweg doch noch die Holzgartenstraße.

Tour 3 führte im RE 22-Bus ab Neumarkt (10.40 Uhr) über die A3 (mit Zwischenhalt Parsberg Nord) nach Regensburg (pünktlich an 12.35 Uhr). Tour 4 Regensburg-Parsberg Nord hätte im RB 51-Bus von Regensburg (ab 13.15 Uhr) nach Parsberg (an 14.22 Uhr) führen sollen. Warum dieser noch nicht einmal bis zur Abfahrt-Stelle kam, konnte auch eine sehr bemühte Agilis-Mitarbeiterin nicht herausbringen. Wohl aber, dass um 13.20 Uhr ein RE 22-Bus nach Parsberg-Nord (an 14.05 Uhr) fahren sollte.

Eng wird es in der Bahnhofstraße in Neumarkt, wenn mehrere Busse des Schienenersatzverkehrs gleichzeitig los müssen. Am Samstag kam es bereits zu einer Kollision. - Foto: Norbert Wittmann

In der Holzgartenstraße in Neumarkt kollidieren zwei Busse

Der Busunfall am ersten Abend des Ersatzverkehrs zeigt: Die beengten Verhältnisse an der Ecke Holzgartenstraße/Bahnhofstraße hätten bei der Vorbereitung des Ersatzverkehrs eine größere Rolle spielen müssen.

Die Hauptbewährungsprobe folgt am heutigen Montag: Wenn alle Stadtbuslinien wieder die Bahnhofstraße befahren sollen, wenn die Regionalbusse in ihrem gewohnten Takt unterwegs sein wollen und wenn Kunden der Post am Bahnhofsplatz zu ihrem Ziel möchten.

Dabei wäre ein mögliches Ersatzverkehr-Chaos zumindest stark reduziert beziehungsweise ganz vermeidbar gewesen. Nämlich dann, wenn der Knotenpunkt der vier Ersatzbuslinien weg von der Zone Holzgarten- und Bahnhofstraße hinaus auf den weitläufigen Volksfestplatz gelegt worden wäre.

Von dort aus hätte die Stadtbuslinie 572 – mit einem dichten Takt versehen – eine optimale Anbindung an Stadt, Bahnhof und Ärztehaus ergeben können. Diese Linie fährt seit ihrer Installierung im vorigen Jahr unübersehbar schlecht genutzt zwischen Klinikum und Ärztehaus hin und her.