Wie Neumarkter Pendler sich auf die Bahnsperrung einstellen: „Hoffen wir das Beste“

Von Wolfgang Endlein · 5. Februar 2026 um 05:00

Wenn am Freitag um 20:43 Uhr der Regionalexpress den Neumarkter Bahnhof Richtung Nürnberg verlässt, wird er der letzte Nahverkehrszug für lange Zeit gewesen sein. Bis zum 10. Juli saniert die Bahn die Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg. Als Ersatz verkehren Busse. Werden die Fahrgäste diese annehmen oder andere Lösungen suchen? Wir haben bei Pendlern, Firmen und Schülern nachgefragt.

Für Leon, der jeden Schultag mit der S-Bahn aus dem benachbarten Franken nach Neumarkt fährt, gibt es nicht wirklich eine Alternative zu den purpurnen Ersatzbussen, wie er sagt. Weil er sich schon mit dem Fahrplan beschäftigt hat, ist der Schüler aber entspannt. Zwar verdoppele sich seine Fahrzeit auf rund 30 Minuten, aber weil der Ersatzbus zu gewissen Zeiten direkt in der St.-Florian-Straße hält, spart sich Leon den Weg zum Bahnhof. „Ich werde wohl ungefährt gleich lang unterwegs sein wie bisher – wenn der Bus pünktlich ist“, sagt der Schüler. Aber die S-Bahn sei ja auch nicht immer pünktlich.

Bei Bankkaufmann Marco Reindl erhöht sich die Fahrzeit zwischen seinem Wohnort Parsberg und Nürnberg „von 35 Minuten auf eindreiviertel Stunden“, wie er sagt. „Das ist eine Katastrophe.“ Deshalb plant der 46-Jährige, einen zweiten Tag im Homeoffice zu arbeiten, zweimal pro Woche ins Auto zu steigen und einmal in den Ersatzbus.

Erstmal Erfahrungen mit den Bussen sammeln will Olaf Böttcher, der täglich mit dem Regionalexpress von Neumarkt nach Nürnberg in die Arbeit pendelt. Spannend werde sein, wie voll die RE-Ersatzbusse sein werden, sagt Böttcher. Mit einer Verbindung nach 8 Uhr hofft er, dass er sehr volle Busse vermeiden kann. Da sein Arbeitgeber einige Tage Homeoffice in der Woche ermöglicht, ist er zusätzlich flexibel.

Was tun Neumarkter Unternehmen für ihre Bahnpendler während der Sperrung?

„Man muss sich mit der Situation arrangieren“, gibt Böttcher sich pragmatisch. Nur auf eines hat er nicht wirklich Lust. „Das Auto ist für mich nicht wirklich eine Alternative, um nach Nürnberg zu fahren.“ Er erwartet, dass der Autoverkehr im Zuge der Bahnsperrung zunehmen wird. Das würde allerdings auch die Ersatzbusse betreffen. Böttcher: „Hoffen wir das Beste.“

Manche Neumarkter Unternehmen haben sich ebenfalls Gedanken gemacht, was die Vollsperrung für den Arbeitsweg ihrer Mitarbeiter bedeutet und ob sie deswegen etwas unternehmen sollten. „Rund neun Prozent unserer Belegschaft pendeln regelmäßig mit der Bahn nach Neumarkt“, sagt Prof. Michael A. Popp, Unternehmenschef von Bionorica SE. Man habe die Vollsperrung intern frühzeitig kommuniziert und dazu aufgerufen, Fahrgemeinschaften zu bilden und eigene Mitfahrbörse zu nutzen. „Zusätzlich setzen wir auf flexible Arbeitszeitmodelle, um die Unannehmlichkeiten des Schienenersatzverkehrs bestmöglich abzufedern“, sagt Popp.

Bei Dehn SE blickt man der Sperrung „zunächst neutral entgegen“, erklärt Unternehmenssprecher Simon Thaler. Weil der Anteil der Mitarbeitenden, die mit der Bahn nach Neumarkt anreisen, verhältnismäßig gering sei (deutlich unter zehn Prozent), sei keine eigene betriebliche Regelung geplant. Das Unternehmen werde die weitere Entwicklung aber beobachten und gegebenenfalls passende Lösungen für die Betroffenen suchen.