Startschuss für „neue Phase des Bauens“: Generalsanierung Nürnberg – Regensburg beginnt

Der erste Schritt von Bayerns erster Generalsanierung ist geschafft: Mit dem Spatenstich am Freitag fiel der Startschuss für die monatelangen Arbeiten zwischen Nürnberg und Regensburg. Die Sperrung bis 10. Juli gilt als bislang größtes Sanierungsvorhaben auf Bayerns Schienen. Kein Wunder also, dass sich bei der Auftaktveranstaltung am Neumarkter Bahnhof die Superlative nur so überschlagen.
Die Veranstaltung geht in einem Festzelt direkt neben dem Bahnhof los. Hunderte Gäste, darunter Landräte, Bürgermeister und Bahnmitarbeiter aus der Region, feiern dort den Auftakt der Arbeiten. Als Erstes betritt Heiko Büttner, DB-Konzernbevollmächtigter, die Bühne. „Eisenbahn ist Teamleistung“, sagt er und bedankt sich bei den vielen Helfern. Vielen ist laut Büttner gar nicht bewusst, wie viele Mitarbeiter an so einem Projekt mitwirken.
In dieselbe Kerbe schlägt auch Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand für Infrastrukturprojekte bei DB InfraGO. Der geht sogar noch einen Schritt weiter und vergleicht die Arbeit bei der Generalsanierung mit den startenden Olympischen Winterspielen. „Auch dort hat man nur gemeinsam Erfolg“, erklärt er.
Eine „Logistikschlacht“
Bevor er weiterreden kann, wird er kurzerhand von einem vorbeirasenden Zug unterbrochen. „Noch rollen sie“, scherzt er und ergänzt: „Ab 21 Uhr stehen die Züge still.“ Dann startet mit der Generalsanierung eine „neue Phase des Bauens“. Bis zu 80 Baumaschinen seien dann gleichzeitig auf dem Streckenabschnitt im Einsatz. Oberleitungen, Gleise und Bahnhöfe sollen laut Bolte erneuert werden. „Das wird eine Logistikschlacht“, meint er.
Dass die Generalsanierung eine Herausforderung wird, will auch Ulrich Lange nicht leugnen. Als Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr weiß er: „Wir sind an einem der belastendsten Bahnkorridore.“ Deshalb seien die Sanierungsarbeiten auch dringend notwendig. Aber auch anderswo gebe es Modernisierungsbedarf. „Wir stehen vor einem Jahrzehnt der Gesamtsanierung unseres Schienennetzes“, kündigt er mit Blick auf die sechs weiteren Korridorsanierungen an.

Und diese Vorhaben haben es auch finanziell in sich. 25 Millionen Euro kostet den Freistaat Bayern die Sanierung samt Ersatzverkehr, verrät Bayerns Verkehrsminister Bernreiter. „Wir sehen keine Alternative“, sagt er. Gemeinsam mit der Bahn will die Politik „das System Schiene endlich auf Vordermann bringen“. Eine Generalsanierung sei dafür die beste Möglichkeit. „Besser so, als über Jahre hinweg immer wieder Baustellen und Verspätungen.“
Nicht alle sind begeistert
IHK-Geschäftsführer Jürgen Helmes sieht das anders. In einer Pressemitteilung, die nur wenige Tage vor dem Spatenstich veröffentlicht wurde, kritisiert er die monatelange Sperrung: „Eine Vollsperrung dieser zentralen Verkehrsachse über mehrere Monate hinweg wäre vermeidbar gewesen.“ Der Streckenabschnitt sei für Pendler und Unternehmen in der Region von zentraler Bedeutung. Er spricht von einer „enormen“ Belastung für Betriebe und Beschäftigte in Ostbayern in Folge der Sperrung und weiterer geplanter Sanierungen.
Mit am heftigsten erwischt es wohl Agilis. Geschäftsführer Henninghausen sieht die Generalsanierung als „in Europa beispiellosen“ Einschnitt in den Betrieb eines Eisenbahnunternehmens. Im ersten Halbjahr 2026 werde ein Teil der Agilis-Flotte schlichtweg nicht benötigt. „Einen Zug kann man nicht einfach fünf Monate lang abschalten und in die Ecke stellen“, so Henninghausen. Aufwändige Wartungsarbeiten seien notwendig. Und auch die Mitarbeiter, die sonst in und um die Züge im Einsatz sind, müssen monatelang anderweitig beschäftigt werden.
Zumindest der Spatenstich, der neben den Gleisen durchgeführt wird, gelingt den Verantwortlichen schon mal. Auf einen Spaten wird übrigens verzichtet. Es wird nur ein Knopf gedrückt, der den Start der Sanierung dann auf einer digitalen Anzeigetafel verkündet. Modern soll es sein, so wie der Streckenabschnitt nach den Arbeiten.