Schock am frühen Morgen: Niedermurachs Bürgermeister büxen mehr als 60 Rinder aus

Von Jan Lange · 5. Mai 2026 um 15:30

So etwas erlebt ein Landwirt nicht alle Tage: Mehr als 60 Rinder sind von einer Weide in Niedermurach im Landkreis Schwandorf ausgebüxt. Die Tiere gehören zum Biohof von Bürgermeister Martin Prey (ÖDP). Seit Dienstagmorgen sind der Gemeindechef und zahlreiche weitere Helfer unterwegs, um die Tiere wieder einzufangen. Einige Kühe haben sich offenbar gut versteckt.

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Es war eine unruhige Nacht für Martin Prey. Gegen 1 Uhr hörte der Niedermuracher Bürgermeister und Landwirt, wie Klauen auf den Asphalt schlagen. Dem 64-Jährigen war sofort klar, was das Geräusch bedeutet: Kühe liefen auf der Straße. „Ich habe meinen Junior geweckt und wir sind sofort mit dem Radl zur Weide gefahren“, erzählt Prey. Und tatsächlich: Die eigenen Rinder waren ausgebüxt. Zwischen 60 und 65 Tiere hatten das Weite gesucht.

20 Kilometer mit dem Elektro-Bike über Stock und Stein unterwegs

Mitten in der Nacht waren die Rinder kaum zu finden – und so warteten die Landwirte, bis es etwas heller wurde. „Vorsorglich hatte ich mein Elektro-Bike aufgeladen“, sagt Prey. Eine richtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Gut 20 Kilometer war er am Dienstagvormittag mit dem Rad über Stock und Stein unterwegs, um die Rinder zu suchen und wieder einzufangen.

Neben der eigenen Familie und den Mitarbeitern des Biohofes halfen auch viele Niedermuracher bei der Suche. „Die Zeitungsfrau, die auf einer Anhöhe wohnt, entdeckte auf einem Feld eine kleine Gruppe von sieben Rindern“, berichtet der Bürgermeister. Ein paar andere Rinder waren bis zur Weide eines Kollegen gelaufen und wurden dort vom Besitzer eingesperrt. Auch im Oberviechtacher Ortsteil Hof wurden zehn ausgebüxte Rinder entdeckt.

Mitunter seien einige Tiere bis Dieterskirchen unterwegs gewesen, wie die Polizei Oberviechtach am Dienstag mitteilte. Die Beamten waren zeitweise in die Suche miteingebunden, da sich die Tiere auch im öffentlichen Verkehrsraum bewegten.

Mit der Seilwinde aus einem Weiher geborgen

In Einzelfällen war das Einfangen deutlich aufwendiger: Eines der Tiere wurde in einem abgelassenen Weiher bei Teunz entdeckt, wo es sich in den Sumpf reingelegt hatte. Die Preys waren den Spuren des Tieres gefolgt und hatten es so entdeckt. Mit einer Seilwinde musste es aus dem Weiher gezogen werden.

Ein anderes Tier war wiederum in ein Vorsilo gerannt und musste vom Tierarzt betäubt werden, damit es wieder abtransportiert werden konnte. „Die Rinder zu betäuben, sollte die Ausnahme sein“, erklärt der Niedermuracher Bio-Landwirt. Solange die Tiere als Gruppe unterwegs seien, könnten sie leichter zurück auf die Weide oder in den Stall getrieben werden, erläutert Martin Prey. Einzeltiere würden dagegen oft in Panik geraten – was das Einfangen deutlich erschwert.

Insgesamt 135 Kühe gibt es auf dem Biohof Prey in Niedermurach. Die Milchkühe, die zweimal am Tag gemolken werden, stehen im Stall direkt neben dem Wohnhaus. Ein paar Hundert Meter vom Hof entfernt befindet sich die Weide, auf der voneinander getrennt zum einen die Jungrinder und zum anderen die sogenannten Trockensteher grasen, also Milchkühe in der Phase zwischen der vorangegangenen Laktation und der Geburt des folgenden Kalbes. Gleich daneben befindet sich auch deren Stall.

Gegen 13 Uhr war ein Großteil der entlaufenen Jungrinder wieder eingefangen und zurück im Stall. - Foto: Jan Lange

„Während des Wachstums stehen die Jungrinder bis zum Spätsommer durchgängig auf der Weide“, erklärt Prey. Erst vor zwei Wochen waren sie auf die Weide getrieben worden, um dort eigentlich in den kommenden fünf Monaten zu bleiben. Dass die Weide seit der Nacht zum Dienstag wieder leer ist, sorgte in den Stunden danach für jede Menge Aufregung. „In dieser Art habe ich das zum ersten Mal erlebt“, meint Martin Prey, der für die ÖDP auch im Schwandorfer Kreistag sitzt. Er wolle das auch nicht ständig erleben, fügt er hinzu.

Elektrozaun war neu errichtet und auch Strom drauf

Anhand der Ohrmarken konnten die Preys recht schnell feststellen, welche Tiere bereits eingefangen und welche noch abgängig waren. Gegen 13 Uhr waren etwas mehr als 40 Rinder zurück im Stall. Dort werden sie vorerst über Nacht auch bleiben. Nur tagsüber sollen sie auf die Weide, berichtet Prey. Das sei eine Konsequenz nach dem Ausbruch.

Am Zaun und am Strom kann es nach seinen Worten nicht gelegen haben, dass die Rinder ausgebüxt seien. Der Elektrozaun sei erst neu errichtet worden und Strom sei auch drauf gewesen. Eigentlich hätten die Tiere Respekt vor dem Elektrozaun, meint Prey. Bereits vor dem Austrieb auf die Weide werden die Tiere an den Elektrozaun angelernt. „In der freien Natur ist es eben anders“, so der 64-Jährige, der vor vier Jahren den Familienbetrieb an seinen Sohn Martin übergeben hat. Wenn die Rinder einmal mit dem Marschieren anfangen, würden sie gar nicht mitbekommen, dass der Zaun unter Strom stehe.

Erst im November waren mehrere Kühe von einer Weide bei Neuenschwand (Gemeinde Bodenwöhr) ausgebüxt. Einige Tage war damals nach den Tieren gesucht worden. Martin Prey hofft, dass alle Tiere des Biohofes am Abend wieder eingefangen sind. Denn wenn die Rinder zu lange eigenständig unterwegs seien, könnten sie meist nur mit dem Betäubungsgewehr gestoppt und zurückgebracht werden, so der Niedermuracher Bürgermeister.