Private Ferienhäuser als Zukunft der Region? Franziska Fuchs startet in Neunburg durch

Private Ferienunterkünfte im Raum Neunburg sind ein Trend, der in Zukunft mehr Touristen anziehen könnte. Franziska Fuchs vermietet ihr „Ferienhaus Fonse“ seit März und freut sich über zahlreiche Buchungen. Der Tourismusverantwortliche Werner Dietrich hofft, dass noch mehr Neunburger die Chancen des Konzepts erkennen.
Ein kleiner Hund namens Fonse ist ein wichtiger Teil von Franziska Fuchs' Geschichte, die im Jahr 2018 mit einem unkooperativen Vermieter begann. Dieser hatte Fuchs den Einzug des Vierbeiners in die Wohnung in Neunburg kurzfristig untersagt. Sie entschied sich daraufhin zu einem Neubau auf dem Grundstück ihrer Eltern, das sich in der Nähe des Ortsteils Baumhof befindet. Mit viel Leidenschaft und handwerklichem Geschick hat die Kaminkehrerin das Haus gebaut und hergerichtet. „Ich habe alles was nur geht selbst gemacht“, erzählt sie, „gegipst, Kabel verlegt, Fußbodenheizung, Betonplatten und so weiter...“ Im Oktober 2019 stellte sie den Bau fertig und zog gemeinsam mit Fonse ein.
Ich habe alles was nur geht selbst gemacht.Franziska Fuchs, Ferienhausbesitzerin
Eigentlich wollte sie noch viele Jahre dort wohnen. Einen Mann wünschte sie sich nicht und auch keine Kinder. Dann kam alles anders: Für die Liebe zog Fuchs in Richtung der tschechischen Grenze. Mit zwei kleinen Kindern und Ehemann lebt sie nun in Pullenried. Dabei liebte sie ihr kleines Refugium über alles: „Ich bin nicht leicht weggezogen“, erzählt sie.

Seit dem Umzug 2022 überlegte die 39-Jährige, wie das Haus nun dauerhaft zu nutzen sei. Praktisch fand sie es, um Familienmitglieder unterzubringen oder sich selbst aus dem hektischen Alltag zurückzuziehen. Ständige Mieter wollte sie nicht: „Da habe ich leider schon zu viel gesehen, auch beruflich beim Kaminkehren“, erzählt die Handwerkerin. Das Risiko sei immer gegeben, dass es nicht funktioniere und man die Mieter dann nicht mehr loswerde.
Franziska Fuchs wünschte sich Flexibilität
Eine Bekannte aus Kleinwinklarn, die ebenfalls vor nicht allzu langer Zeit ein Ferienhaus gebaut hatte, konnte aus ihrer Erfahrung nur Gutes berichten. Außerdem wendete sich Fuchs an Werner Dietrich, dem Tourimusverantwortlichen der Stadt Neunburg. Der war von der Idee sofort begeistert. Er wirbt schon seit längerem aktiv für die Schaffung neuer privater Unterkünfte und ist von der Zukunft des Konzepts überzeugt.

Wer die offizielle Bettenanzahl der Privatunterkünfte in Neunburg betrachtet, würde nicht auf Anhieb einen positiven Trend vermuten: Sie ist seit Jahren rückläufig und sank auch nach Corona zwischen 2022 und 2026 von 94 auf 75. Dies sei häufig auf eine ältere Generation von Vermietern zurückzuführen, erklärt Werner Dietrich. Viele stünden irgendwann an einem Scheideweg: Investieren und die Unterkunft auf Vordermann bringen, oder aber aufzuhören. Manche würden ihre Herberge dann auch an Monteure anstatt an Touristen vermieten.
Private Unterkünfte müssen nicht gemeldet werden
Hinzu käme eine Entwicklung, die mit dem Internet zu tun hat: Private Unterkünfte mit unter zehn Plätzen würden heutzutage meist über das Internet vermietet und seien bei der Stadt nicht meldepflichtig. Vorbei seien die Zeiten von Reisebüros mit Broschüren und Katalogen, in denen alles mitgeschrieben wurde. Daher könne man private Betten und Übernachtungen nicht sicher erheben, führt Dietrich aus.
Er sieht trotz allem einen positiven Trend in den vergangenen drei bis vier Jahren. Er kenne schon einige Beispiele wie das von Franziska Fuchs, bei denen wirklich schöne und hochwertige Angebote neu geschaffen worden seien, sagt Dietrich. Er geht fest von einer steigenden Tendenz aus. Außerdem findet er: Qualität geht über Quantität. Er freut sich besonders über die Leidenschaft und Liebe zum Detail, die in manche Projekte einfließen würden.

Franziska Fuchs machte es vor: Einen alten Schrank funktionierte sie als Gästebuch um und begrüßt alle Neuankömmlinge in einem Stück Fensterrahmen mit Namen. Die Bilder an der Wand malte eine Familienfreundin aus Schwarzeneck. Außerdem ist alles für die Anreise mit Kindern optimiert, auch Hunde dürfen mit in den Urlaub kommen. Immerhin ist der Namensgeber der Ferienhauses ihr geliebter Hund Fonse, der nach einem Unfall jung verstarb.
Die Individualität und Privatheit eines solchen Aufenthalts würden viele Gäste heutzutage schätzen, sind Dietrich und Fuchs überzeugt. Nach Corona und angesichts der steigenden Spritkosten würden viele auch den Urlaub in Deutschland neu für sich entdecken. Weniger bekannte Regionen wie die Oberpfalz könnten sich dann gut profilieren. Der Erfolg gibt Franziska Fuchs Recht: Seit ihrem Start im März ist sie bis zum Herbst fast vollständig ausgebucht.