Trockenheit beschäftigt Landwirte – Wie das Neunburger Lorenz-Werk nach Lösungen sucht

Von Clara Lietzmann · 21. April 2026 um 19:00

Regionale Kartoffeln sind der zentrale Rohstoff für die Produktion des Lorenzwerks in Neunburg (Landkreis Schwandorf). Die anspruchsvolle Knolle leidet jedoch unter zunehmenden Trockenphasen. Gemeinsam mit Partnern versucht Lorenz, Lösungen für die Landwirte in der Oberpfalz zu entwickeln. Regenerative Landwirtschaft und Bewässerungsteichwirtschaft könnten Wandel bringen. Darüber informierte sich am Donnerstag auch die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

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Lobende Worte fand Michaela Kaniber nach ihrer Produktionsführung durch das Lorenzwerk in Neunburg: Mit dieser Marke könne sie sich identifizieren, erklärte sie. Jedes einzelne Produkt kenne sie persönlich. Auch das nachhaltige Handeln und den sozialen Anspruch des Unternehmens stellte die Ministerin heraus.

An der Stapelchipslinie kam Michaela Kaniber mit Michael Holtschulze, Director Production International, ins Gespräch. Die Verpackung kommt nun erstmals ohne Aluminium im Deckel aus. - Foto: Johannes Ziereis - ziereisFoto

Für Neunburg ist das Lorenz-Werk seit 1967 ein wichtiger Wirtschaftsfaktor mit zahlreichen Arbeitsplätzen und einem Vertragsnetz von Kartoffelbauern im Radius von rund 50 Kilometern. Erst im Vorjahr nahm der Konzern hier eine neue Produktionslinie für Stapelchips in Betrieb. Diese wurde Michaela Kaniber zum Auftakt des Rundgangs vorgeführt.

Im Anschluss ging es weiter in das Herzstück der Produktion in der Nachbarhalle. Hier werden frische Kartoffeln direkt verarbeitet. Ganze LKW-Ladungen mit Ware werden hier täglich ausgeschüttet. Mehrere Spülgänge und Spezialkameras sichern die Sauberkeit – dann geht es zum Schälen und Schneiden und nicht zuletzt in die nach Angaben des Unternehmens größte Fritteuse Mitteleuropas. Die Ministerin nahm sich Zeit und ließ sich jeden Schritt detailliert erklären.

Die Verantwortlichen wechselten sich ab, der Ministerin die Produktionsschritte zu erklären. - Foto: Johannes Ziereis - ziereisFoto

„Hier merken wir unmittelbar, wie gut die Qualität der Ernte ist“, führte Werkleiter Florian Dowy aus. Je besser die Ernte, desto weniger Ausschuss entstehe. Auch die Sorte sei entscheidend für das Ergebnis, fügte er hinzu: „Genau das macht es aber spannend, wir arbeiten direkt mit dem Rohstoff.“

Kartoffel erfordert hohen Einsatz

Die Ertragssicherheit der kleinen Knolle allerdings bereitet dem Lorenz-Konzern Sorgen. Etwa seit dem Jahr 2000 sei der Anbau rückläufig und riskant geworden, erläuterte Matthias Kick, Leiter des Kartoffeleinkaufs Deutschland. Der Hauptgrund hierfür seien zunehmende Trockenphasen im Sommer. Auch die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade sei ein fortschreitendes Problem.

Früher hat die Kartoffel Deutschland und Europa satt gemacht.Michaela Kaniber, Bayerische Landwirtschaftsministerin

Seit 2023 engagiert sich Lorenz in der Regenerativen Landwirtschaft, um Bodenqualität und Klima nachhaltig zu fördern. Die Kartoffel als anspruchsvolle Spezialkultur mache dies nicht leicht, stellte Alexander Reinl, selbst Landwirt und Berater bei Lorenz, klar. Dennoch wolle man gezielt neue Methoden testen. Gemeinsam mit der Firma Klim wurde dazu ein System geschaffen, das den Bauern einen finanziellen Anreiz dafür anbiete. Als besonders aussichtsreich erscheint die sogenannte Untersaat. Dabei wird spezielles Saatgut auf den Kartoffelacker aufgebracht, um ihn vor Erosion zu schützen und mehr Feuchtigkeit zu speichern. In zwei Versuchsjahren infolge konnte laut Reinl ein verbesserter Ertrag festgestellt werden.

Karpfenteiche könnten die Lösung sein

Ein weiterer Ansatz gegen die Trockenheit ist die Bewässerungsteichwirtschaft. Die Idee entstand nach dem Dürre-Sommer 2006: Traditionelle Oberpfälzer Karpfenteiche sollen tiefer ausgehoben werden, um als Wasserspeicher zu dienen. In einem Pilotprojekt 2022 bis 2026 testete die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) das Konzept unter anderem mit einem Zuliefer-Landwirt in Raffach bei Schwarzenfeld.

Wollen für Neunburger Landwirte an einem Strang ziehen: Director Production International Michael Holtschulze, Werkleiter Florian Dowy, Ministerin Michaela Kaniber, Bürgermeister Martin Birner und Landrat Thomas Ebeling (v. l.). - Foto: Johannes Ziereis - ziereisFoto

Die Messungen der ersten beiden Versuchsjahre seien ausgezeichnet ausgefallen, berichtete Matthias Kick. Wasserqualität und Tröpfchentechnik erwiesen sich demnach als einwandfrei. Die abschließende Auswertung des Projekts stehe aber noch aus. Mit Beregnungen könnte man nicht nur bei Dürre, sondern auch darüber hinaus viel erreichen, zeigte sich Kick hoffnungsvoll.

An diesen Erfolg wolle man anknüpfen und weitere Standorte im Landkreis prüfen, kündigte Landrat Thomas Ebeling (CSU) an. Das entsprechende Konzept sei bereits ausgeschrieben. Die Ministerin Kaniber bot das Gespräch über mögliche Fördermittel an.

Die Kartoffel sei ein Grundnahrungsmittel, dessen Rückgang in Deutschland man nicht einfach hinnehmen könne, erklärte sie abschließend. „Früher hat die Kartoffel Deutschland und Europa satt gemacht.“ Heute müsse man auf die Herausforderungen reagieren und gezielte Agrarprogramme entwickeln – auch über Bayern hinaus. So lange sie im Amt sei, werde sie sich dafür einsetzen, versprach die Ministerin.

Die Stapelchips werden aus einer Masse ausgestanzt, die auf Kartoffelpulver und Stärke basiert. ProduktionsleiterMichael Deml (r.) erklärt Thomas Ebeling (Hintergrund), Michaela Kaniber, Martin Birner, (v.l.) den Schritt. - Foto: Johannes Ziereis - ziereisFoto