Ministerin Michaela Kaniber (CSU) besuchte Bauernhof in Raffach – Projekt soll gegen Trockenheit wappnen

Hohen Besuch aus München hatte der kleine Ort Raffach am Freitag. Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) ließ sich auf dem Hof der Familie Stangl ein Forschungsprojekt vorstellen.
Die Veränderungen der Wetterbedingungen durch den Klimawandel führten in den letzten Jahren dazu, dass es immer wieder schlechte Kartoffelernten gab. Wie Florian Stangl, der Hofbetreiber, feststellt, wird der Kartoffelanbau immer mehr zum Risiko.
Niederschlagsarme Regionen
Die Kosten sind hoch und am Ende ist unklar, was die Ernte wirtschaftlich bringt. Neben einem Betrieb in Erlangen-Höchstadt und einem Betrieb in Roth nimmt der Stanglhof an einem Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) teil.
In Bayern gebe es rund 44000 Karpfenteiche mit einer Fläche von 20000 Hektar und einem Wasservolumen von 155 Millionen Kubikmeter. Sie liegen verstreut im ganzen Land, vorwiegend in den niederschlagsärmeren Regionen Nordbayerns. Durch eine Vergrößerung der Teiche können im Winter die vermehrten Niederschläge und im Sommer die Wassermassen bei Starkregen aufgefangen werden. Ein Teil des Wassers kann im Sommer zur Bewässerung von landwirtschaftlichem Anbau genutzt werden. Stangl begrüßte die vielen Gäste auf seinem Hof und erklärte, dass man seit vielen Jahren Kartoffeln für die Chipsfabrik in Neunburg anbaue. Sie seien ein typischer Familienbetrieb mit zwei Auszubildenden. Man bewirtschaftet 80 Hektar, hält 100 Milchkühe und betreibt Teichwirtschaft.
Stephan Sedlmayer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, wies auf die enormen Probleme hin, die der Klimawandel mit sich bringe. Landwirtschaftliche Kulturen müssten bewässert werden, gleichzeitig sei es aber dringend notwendig, die Grundwasservorräte zu schonen.
Martin Oberle, im LfL für Fischzucht zuständig, erklärte die Bedeutung der Teiche für das Projekt, das bis zum 30.Juni 2026 geplant ist. Es verbindet Teichwirtschaft mit Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen. An den Versuchsstandorten habe man insgesamt zwei Hektar Teichfläche. Durch deren Vertiefung könnten zusätzlich 12000 Kubikmeter Wasser gespeichert werden, das reicht für die Bewässerung von zwölf Hektar Anbaufläche.
Für Martin Müller von der Arbeitsgemeinschaft für Landtechnik und Bauwesen geht es um sparsame Bewässerung. Seine Firma hat dafür eine App entwickelt, mit der man auf dem Stanglhof genau weiß, wann und wie lange bewässert werden muss.
Michael Holtschulte, Betriebsleiter der Chipsfabrik, erzählte, wie er 2004 nach Neunburg kam und gleich mit einem schlechten Kartoffelerntejahr konfrontiert wurde. Die Stabilisierung des Anbaus gehe nur über Bewässerung.
500000Euro investiert
Landwirtschaftsministerin Kaniber betonte in ihrer Rede, dass der Klimawandel die Landwirtschaft vor große Herausforderungen stelle. So stehe man immer häufiger vor dem Dilemma, zu viel oder zu wenig Wasser zu haben. In Bayern könnten bei einem um zehn Zentimeter höheren Wasserstand in den Teichen rund 20 Millionen Kubikmeter Wasser zurückgehalten werden.
Rund 500000 Euro investiert der Freistaat in das Projekt. „Wir brauchen Schwammlandschaften, um das Wasser zurückzuhalten“, so die Ministerin.