Als die Luftbeobachter abheben, heulen die Sirenen – Brände in Regensburg, Bodenwöhr und Nabburg

Von Jonas Raab · 4. Mai 2026 um 19:00

Es ist staubtrocken. In Regensburg stand ein Park in Flammen, im Landkreis Schwandorf forderten zwei Waldbrände Großaufgebote der Feuerwehr. Seit einer Woche kreisen Luftbeobachter über der Oberpfalz, um Brandherde früh zu identifizieren. Wir haben sie auf einem Flug begleitet – und Experten gebeten, die aktuelle Trockenphase einzuordnen. Wird es immer schlimmer?

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Die Cessna brummt – und die Sirenen heulen. Irgendwo muss es brennen. „Geht’s schon los“, sagt Pilot Jörg Weishaupt, als er die Start- und Landebahn am Flugplatz in Regensburg-Oberhub ansteuert. Ein kurzer Motorcheck, dann gibt Weishaupt Gas und zieht das Leichtflugzeug in die Höhe.

Es ist der 28. April – und schon so trocken, dass die Regierung der Oberpfalz Luftbeobachtungsflüge angeordnet hat. „Wieder relativ früh“, sagt Weishaupt. Seit 25 Jahren ist er Einsatzpilot bei der Luftrettungsstaffel, seit zehn Jahren leitet er den Stützpunkt in Oberhub. Neben Weishaupt sitzt Luftbeobachter Thomas Fischer. „Ein Schuppen hat gebrannt“, weiß der – er ist Feuerwehrler – mittlerweile über das Sirenengeheule zu berichten.

Während des einstündigen Flugs – in etwa einem Kilometer Höhe geht es von Regenstauf aus über Kelheim nach Neumarkt und zurück in den nordwestlichen Landkreis – recken sich die Köpfe der beiden in alle Richtungen. „Alles ruhig“, lautet Weishaupts Zwischenfazit nach einer guten halben Stunde. Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, werden die kommenden Tage noch zeigen.

Trockenheit im Raum Regensburg: Gerade einmal 130 Liter Niederschlag bis jetzt

Auch die Felder von Thomas Scheuerer sieht man von oben. Hagelstadts Bürgermeister führt einen Ackerbaubetrieb in fünfter Generation. Dass sich das Klima verändert, spürt er seit Jahren. „Ausgeprägtere Trockenphasen, höhere Temperaturen und zurückgegangene Grundwasserstände“, zählt er auf, während er den im Oktober gesäten Dinkel auf einem Feld unweit des Hofes in Augenschein nimmt. „Der sollte eigentlich schon weiter sein“, sagt Scheuerer. Die Bestockung, also die Verzweigung am Stängelgrund, bei der aus einer Getreidepflanze mehrere Nebentriebe entstehen, sei heuer schwächer als sonst.

Der Dinkel von Landwirt Thomas Scheuerer ist heuer etwas schwach auf der Brust. - Foto: Jonas Raab

„Wir sind mit einem 20-prozentigen Niederschlagsdefizit aus dem vergangenen Jahr gegangen. Der Winter war relativ trocken. Und in den ersten vier Monaten des Jahres haben wir gerade einmal 130 Liter Wasser bekommen“, bilanziert Scheuerer. Normal seien etwa 650 Liter im Jahr. Die Frühjahrstrockenheit macht sich insbesondere beim Getreide bemerkbar. Und beim Raps, der gerade blüht. „Der braucht jetzt richtig Wasser“, sagt der stellvertretender Kreisobmann beim Bauernverband.

Neben Weizen und Dinkel lebt Scheuerer von Kartoffeln und Zuckerrüben. Der Landwirt überlegt, hierfür in künstliche Beregnung zu investieren. „Es ist einfach zu heiß in manchen Phasen im Sommer – und zu trocken.“ Beim Getreide sei heuer noch nichts verloren, sagt der Landwirt vergangenen Mittwoch – „wenn wir in den nächsten Tagen doch noch Niederschläge bekommen“.

Was folgte: fünf Tage ohne einen Tropfen Regen. Die Regierung hat die Luftbeobachtungsflüge deshalb ausgeweitet. An den meisten Stützpunkten in der Oberpfalz heben die Flugzeuge derzeit gleich zweimal täglich ab. Für Dienstag sind weitere Flüge angeordnet worden.

Elisabeth Brunnbauer ist Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst. Frühjahrstrockenheit sei „im Zuge des Klimawandels ein häufiger auftretendes Phänomen“ geworden, sagt sie. In den vergangenen Jahren sei es noch schlimmer gewesen als heuer. Im Landkreis Regensburg seien vor allem die nördlichen und westlichen Gebiete trocken – insbesondere die Täler entlang der Naab und der Donau. „Naturgemäß“ falle hier weniger Niederschlag, was Brunnbauer mit einem „gewissen Abschattungseffekt“ der Fränkischen Alb erklärt. Durch einen „relativ hohen“ Steinanteil könne der Boden Wasser weniger gut halten.

Brände kennen keine Landkreisgrenzen: Von Oberhub geht es über Kelheim nach Neumarkt und wieder zurück zum Flugplatz. Das Bild entstand zwischen Hohenfels und Beratzhausen. - Foto: Jonas Raab

„Wie es dem Wald heuer ergeht, werden die kommenden Wochen entscheiden“, sagt Maximilian Kammermeier vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Noch sei Feuchtigkeit im Boden. „Die großen Bäume kommen klar, weil sie mit ihren tiefen Wurzeln Wasser von weiter unten aufsaugen können.“ Für junge Bäume sei die Trockenheit ein größeres Problem. „Viele Waldbesitzer gießen schon“, sagt Kammermeier. Dass die Luftbeobachter jetzt schon unterwegs sind, sei nicht ungewöhnlich. Vom Winter liege noch Streu, im Landkreis Regensburg oft sehr trockenes Buchenstreu, im Wald. Und weil die Bäume noch nicht ganz ausgetrieben haben, könne die Sonne „extrem reinstrahlen“, erklärt Kammermeier.

Flächenbrand im Regensburger Norden – Einsatzleiter mit Appell

Mittwochabend am Sallerner Berg: Im Aberdeenpark brennt es. „Aufgrund des starken Windes breitete sich das Feuer schnell aus“, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Jens Schuhmann in die Kamera eines Reporters der Blaulicht-Agentur vifogra. „In kürzester Zeit“ seien 400 Quadratmeter Wiese und Buschwerk in Brand gestanden. Schuhmann appelliert, keine Feuer im Freien zu entfachen. Die Brandursache muss laut Polizeisprecher Thomas Hasler noch geklärt werden.

Von größeren Waldbränden ist der Landkreis Regensburg in jüngerer Vergangenheit verschont geblieben. Kammermeier sieht darin einen Trend. Die Zahlen seien in den vergangenen Jahren in ganz Bayern zurückgegangen – „trotz Klimawandels“. Als Gründe dafür nennt er Waldumbau, die präventiven Luftbeobachtungsflüge und Aufklärung der Bevölkerung.

Waldbrände im Kreis Schwandorf: Großeinsätze bei Bodenwöhr und Nabburg

Kreisbrandrat Hans Bornschlegl appelliert an Spaziergänger, nichts wegzuwerfen. „Eine Glasflasche kann zum Brennglas werden“, sagt Pilot Weishaupt, der immer wieder auch Flächenbrände entdeckt. Diesmal nicht. „Gott sei Dank“, sagt Weishaupt, als er die Cessna zurück in die Halle zieht.

Wie real die Gefahr ist, zeigt ein Blick in den Nachbarlandkreis. Vergangenen Freitag standen im Taxöldener Forst bei Bodenwöhr – keine 25 Kilometer vom Flugplatz Oberhub entfernt – 800 Quadratmeter Kiefernwald in Flammen. Am Montag kämpften bei Nabburg rund 300 Einsatzkräfte auf einem halben Hektar mit einem Waldbrand.