Stand-Up-Paddlerin gerät bei Poikamer Wehr in Lebensgefahr – 80 Einsatzkräfte eilen zur Rettung

Von Martin Rutrecht · 4. Mai 2026 um 14:00

Wenige Meter noch und es hätte mutmaßlich ein schweres Unglück gegeben. Eine 49-jährige Stand-Up-Paddlerin aus dem östlichen Landkreis Kelheim geriet am Sonntagabend durch die Strömung in den Sog des Poikamer Wehrs. Kurz vor dem Kraftwerk strandete sie auf Treibgut. Dort wurde sie von einem Feuerwehrboot aus dem Wasser gefischt.

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Um 19.03 Uhr ging die Alarmierung am Sonntag bei der Feuerwehr Bad Abbach ein: „Person in Wassernot“. „Ein aufmerksamer Passant hat die hilflos auf ihrem Stand-Up-Paddle hockende Frau entdeckt“, erklärt FFW-Kommandant Maximilian Neubauer. Die Frau bangte um ihr Leben: Einige Meter vor ihr klafften die Rechen der Stauanlage.

Hilflos in den gesperrten Bereich abgetrieben

Die 49-Jährige wollte, so vermutet Neubauer, mit ihrem SUP von Kapfelberg kommend die Donau abwärts paddeln und die Bootsrutsche an der Seite des Wehrs befahren. „Am Lengfelder Ufer ist ein gesicherter Bereich markiert, wo man die Passage nehmen kann“, so der Kommandant. „Alles andere bedeutet höchste Lebensgefahr und ist entsprechend gesperrt.“

Offenkundig geriet die Frau aus dem sicheren Fahrwasser und wurde von der Strömung Richtung Kraftwerk gezogen. Zu ihrem Glück im Unglück wurde ein Bojenseil, an dem sich Treibgut aus Geäst und Schilfgras verfangen hatte. Auf dieser wenige Meter großen Insel strandete die Frau. Sicher konnte sie sich dort nicht fühlen, denn die Strömung umspülte das Schwemmgut.

Mit einem Schlauchboot barg die Feuerwehr Bad Abbach die Frau vom Treibgutinselchen. - Foto: Neubauer/FFW Bad Abbach

Bei den Einsatzkräften lief derweil die Alarmkette an. Die Feuerwehren Bad Abbach (mit Drehleiter), Lengfeld und Poikam wurden verständigt, von der Feuerwehr Kelheim rückte eine Tauchergruppe an. DLRG und Wasserwacht stießen ebenso hinzu wie zwei Rettungswagen. Und der ADAC-Rettungshubschrauber „Christoph 15“ flog an. „Alles in allem waren es rund 80 Einsatzkräfte“, so Neubauer. „Wenn es um ein Menschenleben geht, ist es das wert“, schickt er nach. Auch die Polizei Kelheim traf ein.

Die Bergung ging relativ zügig. Mit ihrem Mehrzweckboot und einem Schlauchboot steuerten Kräfte der Feuerwehr Bad Abbach auf die Frau zu und retteten sie aus der Gefahrensituation. „Der ganze Einsatz hat rund 45 Minuten gedauert“, so der Kommandant. Die 49-Jährige sei „nervlich angefasst“ ans Ufer gebracht worden. Sie blieb unverletzt. Das Großaufgebot konnte wieder abziehen.

Für die Kosten muss die Gerettete nicht aufkommen. „Der Einsatz stellte eine Gefahrenabwehr-Maßnahme dar“, erklärt eine Sprecherin der Polizeiinspektion Kelheim auf Anfrage. Weitere Ermittlungen seien Stand jetzt nicht vorgesehen.

Kanufahrer will sich Wehr „anschauen“ und driftet ab

Kommandant Maximilian Neubauer warnt eindringlich vor den Gefahren des Wehrs. „Vor zwei Jahren hatten wir innerhalb weniger Woche mehrere ähnliche Unglücke.“ So rettete sich ein Kanufahrer gerade noch auf eine Klappe der Stauanlage. Er wollte sich das Wehr genauer anschauen, gab er an, nachdem ihn die Höhenrettung der Berufsfeuerwehr Regensburg rausgehievt hatte.

Nur zwei Wochen später kenterten zwei Paddler, als sie mit ihrem Boot in den abgesperrten Strömungsbereich kamen. Sie retteten sich selbst ans Ufer. „Die Stärke der Strömung wird oft unterschätzt. Wenn die eigene Kraft dann schwindet, gibt es kein Halten mehr“, führt Neubauer vor Augen.