Schwandorfer Kino steht seit gut einem Jahr leer – Gibt es noch eine Zukunft?

Es ist einer von vielen Leerständen in der Schwandorfer Innenstadt, und doch ist es ein besonderer: das Kino an der Postgartenstraße. Viele Jahre liefen dort Filme – vom Blockbuster bis zu kunstvollen Meisterwerken. Doch inzwischen steht das Gebäude seit gut einem Jahr leer. Inhaber Karl Heinz Saur hat die Suche nach einem Nachfolger aber noch nicht aufgegeben. Mehr noch, er hat sogar eine Vision, wie sich das Kino entwickeln könnte.
Das Gebäude an der Postgartenstraße, unweit der Sparkasse gelegen, hat eine Fläche von mehr als 300 Quadratmetern. Erst vor wenigen Jahren, sagt Inhaber Karl Heinz Saur, ist eine größere Renovierung erfolgt. Unter anderem seien die beiden Kinosäle und die Technik grundlegend überarbeitet worden. Und tatsächlich wartete das Lichtwerk Kino, wie es früher hieß, lange mit einem Programm auf. Neben aktuellen Blockbustern waren immer wieder auch kunstvolle Filme zu sehen.
Doch 2023 hatte der langjährige Pächter dann Insolvenz anmelden müssen. Für einige Zeit hatte Karl Heinz Saur, im Hauptberuf Zahnarzt, den Betrieb zunächst in Eigenregie weitergeführt. Nach einem Wasserschaden hatte aber auch er Ende März 2024 die Reißleine ziehen müssen. Rund ein halbes Jahr stand das Kino deshalb leer – bis die Kinofreunde Schwandorf einen ungewöhnlichen Versuch starteten. Sie wollten dem Lichtspielhaus wieder Leben einhauchen, es zu einem sozialen Treffpunkt entwickeln.
Dafür sollte sogar eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft gegründet werden, um von Donnerstag bis Sonntag ein Kinoprogramm zu bieten. Am Ende wurde das Projekt aber beendet, noch bevor es richtig gestartet war. Die Betreiberin Christina Wolf hatte damals in einer Mail auf das „finanzielle Risiko aus hohen Fixkosten, fraglichem Erfolg und meiner fehlenden Erfahrung“ verwiesen. Das war im Dezember 2024. Seitdem sind die Schaukästen, die eigentlich die neuen Filme verkünden sollten, komplett leer. Nur in der Tür hängt ein Schild, dass sich potenzielle Interessenten gerne melden können.
Bisher ist in Schwandorf noch kein Nachfolger in Sicht
Bisher hat sich allerdings noch kein Nachfolger gefunden, wie Saur auf Anfrage der MZ informiert. Die Suche aber läuft weiter. Denn für den Zahnarzt, der über Jahre für die Freien Wähler im Schwandorfer Stadtrat saß, ist klar: Das Gebäude in der Postgartenstraße soll auf jeden Fall weiter als Kino genutzt werden. Eine Umnutzung wäre nämlich mit größerem Aufwand verbunden – zumal vor wenigen Jahren erst groß renoviert worden sei. „Und das wäre echt schade“, sagt Saur, „wenn man das alles wieder rausreißen würde.“

Aber die Bedingungen für kleinere Kinos waren schon mal einfacher. So sind etwa die Kostensteigerungen durch Energiepreise oder die Konkurrenz durch Streaming-Dienste beispielsweise Themen, die in der öffentlichen Debatte immer wieder genannt werden. Ein weiterer Faktor sind„kontinuierliche Investitionen“, die gerade für kleinere Kinos „nicht so leicht aus eigener Kraft zu leisten“ seien, sagt Arnim Roever, Pressereferent beim Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino), zur allgemeinen Lage. Auch Personalkosten stellten eine „besondere Herausforderung“ dar. „Häufig arbeiten die Betreiber selbst viel mit. Der Kinobetrieb erfordert sehr flexible Arbeitszeiten, und es ist für Kinos nicht leicht, Personal zu finden“, sagt er.
Eine Schließungswelle kleinerer Kinos gebe es in Deutschland aber nicht. Im Gegenteil, deren Zahl habe sich „in den vergangenen Jahren stabilisiert“, so Roever. Auch wenn jede Schließung zu bedauern sei und für die Menschen vor Ort einen „großen Verlust“ bedeute, könne nicht pauschal von einem plötzlichen Kinosterben gesprochen werden, stellt der Pressereferent klar.
Da wäre ein wahnsinniges Potenzial da.Karl Heinz Saur, Besitzer des Kinos
„Vielmehr ist zu beobachten, dass es einen Strukturwandel gibt und die Kinos sich stark verändern und umbauen. Es ist nicht so, dass das Kino an sich verschwindet – aber das klassische kleine Kino ohne Spezialisierung ist immer weniger zu finden.“ Um für die Zukunft erfolgreich zu sein, würden Lichtspielhäuser heute „sehr erfinderisch“ sein, sich neu denken und „viel mehr als nur Filme“ anbieten.
Tatsächlich kann sich auch Karl Heinz Saur vorstellen, dass das Schwandorfer Kino in Zukunft mehr bieten könnte. Er spricht von einer möglichen „Mischnutzung“ – beispielsweise für Firmenveranstaltungen, Geburtstage oder Präsentationen. Für Veranstaltungen habe es auch bereits erste Interessenten gegeben, die sich eine Nutzung der Räume hätten vorstellen können. „Das wäre sicherlich sinnvoll“, sagt er.
Die Stadt würde sich ebenfalls über ein Kino freuen
Saur ist zuversichtlich, dass das Kino wieder mit Leben gefüllt werden kann. Die Menschen in Schwandorf würden gerne in Gesellschaft etwas erleben, wollten auch mal rauskommen, mit Freunden ausgehen, sagt er. „Da wäre ein wahnsinniges Potenzial.“ Es müsse nur jemand bereit sein, „auch etwas Stress auf sich zu nehmen und ein gewisses Risiko einzugehen“. Spätestens Ende des Jahres, wenn er wieder etwas mehr Luft habe, werde er sich wieder verstärkt um einen möglichen Nachnutzer bemühen können.
Bei der Stadt Schwandorf würde man sich ebenfalls freuen, wenn es wieder ein Kino in Schwandorf gibt. Man stehe „jederzeit bereit, entsprechende Initiativen zu einer Wiederbelebung“ im Rahmen der Möglichkeiten „zu begleiten“, sagt Pressesprecher Andreas Hofmeister. Er verweist konkret auf die Volkshochschule (VHS), die das Kino bereits für Vorführungen genutzt habe. Dafür sei die VHS weiterhin offen. „Ein Kino wäre auch im Rahmen weiterer kultureller Veranstaltungen perspektivisch als geeigneter Veranstaltungsort denkbar, sofern die Rahmenbedingungen passen.“
„Ein Kino ist grundsätzlich ein Gewinn für jede Stadt“, sagt auch Oberbürgermeister Andreas Feller (BLS). Es würde die Innenstadt beleben, Begegnungsräume schaffen und sei eine wichtige kulturelle Institution. „Deshalb ist die Stadt Schwandorf jederzeit offen für gute und tragfähige Konzepte, die eine Wiederbelebung ermöglichen“, sagt Feller.