Jugend war seine Lebensaufgabe: Klardorfer Sigi Roidl hört als Kreisjugendring-Chef auf

Von Martin Kellermeier · 20. April 2026 um 17:00

Ein Leben ohne Jugendarbeit war für Siegfried „Sigi“ Roidl (59) aus Klardorf über Jahrzehnte undenkbar. Als Vorsitzender der Klardorfer Falken und nicht zuletzt als Chef des Kreisjugendrings hat er die Jugendarbeit in der Region geprägt. Nun, ein paar Monate vor seinem 60. Geburtstag am 20. Juli, räumt er seine Posten für die nächste Generation. Vor seinen Nachfolgern liegt eine spannende Zeit. Denn der sorglose Umgang der Jugend mit der AfD alarmiert Roidl.

Wer einen Experten in Sachen Jugendarbeit im Landkreis Schwandorf suchte, der kam in den vergangenen Jahren kaum an Sigi Roidl vorbei. Früh begann sein Engagement in diesem Bereich. 1986, damals noch 20 Jahre jung, wurde er Vorsitzender der Klardorfer Falken. Mit Ausnahme einer mehrjährigen Kinderpause sollte er das bis heute bleiben. Auch in der Vorstandschaft des Kreisjugendrings hat der Klardorfer seine Fußspuren hinterlassen – als Beisitzer, stellvertretender Vorsitzender und seit 2022 als Vorsitzender.

Nun tritt Roidl bei beiden Organisationen bewusst in die zweite Reihe. Er tut das mit Blick auf sein Alter. Es sei Zeit für „junge Hände“, sagt der Vereinsfunktionär. Er blickt zufrieden auf seine jahrzehntelange Jugendarbeit zurück und ist froh, sowohl für den Kreisjugendring mit dem Schwandorfer Tobias Bergmann als auch für die Falken mit drei Frauen geeignete Nachfolger gefunden zu haben. Er ist zuversichtlich, dass diese bei den jeweiligen Versammlungen dann auch gewählt werden. Der Kreisjugendring trifft sich bereits am kommenden Donnerstag, 23. April, zur Neuwahl.

Ausgang der U18-Wahl kann Roidl nicht nachvollziehen

Blickt man auf die Liste der Veranstaltungen und Aktionen, die der Klardorfer mitorganisiert hat, stellt man schnell fest: Sie ist sehr lang. Egal ob Ferienprogramm, Ausflüge oder zuletzt die U18-Wahl im Rahmen der Kommunalwahl – überall war Sigi Roidl an vorderster Front mit dabei. Die Ergebnisse der Abstimmung besorgen ihn. Wie berichtet, hatten damals 861 junge Landkreisbürger ihren Favoriten bei der Landratswahl gewählt. Bekanntlich setzte sich zwar hier Amtsinhaber Thomas Ebeling (CSU) mit 362 Stimmen deutlich durch. Hinter ihm folgte aber – anders als bei der Wahl am 8. März – Thomas Borcuch (AfD) mit 220 Stimmen.

Ich frage mich, warum die Jugend so tickt und derart auf die AfD aufspringt.Siegfried Roidl, scheidender Vorsitzender des Kreisjugendrings

Roidl kann auch über einen Monat nach der Aktion nicht verstehen, warum so viele Teilnehmer ihr Kreuz beim AfD-Kandidaten gemacht haben. Dessen Partei würde vor allem durch Propaganda, Hetze und wenig Ideen auffallen. „Ich frage mich, warum die Jugend so tickt und derart auf die AfD aufspringt. Wo geht da die Reise hin am Ende?“, zeigt sich der Klardorfer im MZ-Gespräch ratlos.

Er fordert, dass die Politiker noch mehr in die Schulen gehen und dort Aufklärungsarbeit leisten. Landrat Thomas Ebeling macht das beispielsweise bereits. „In der Schule muss noch mehr über Politik gesprochen werden“, stellt Roidl fest. Der Kreisjugendring werde sich im Rahmen des Tages der Demokratie im September engagieren.

Zu viel am Handy: Jugendliche verlernen persönlichen Austausch

Nicht nur die Politik hat der Klardorfer im Blick, auch über die Jugend allgemein zerbricht er sich seinen Kopf. Denn diese habe sich seit seinem Start in der Jugendarbeit Mitte der 80er Jahre doch sehr verändert, vor allem durch einen „wahnsinnig starken Einfluss der sozialen Medien“. Roidl bedauert, dass immer mehr junge Menschen den persönlichen Austausch verlernen. „Heutzutage hat jeder ein Handy. Und die Kinder sitzen dann nebeneinander, und jeder tippt anstatt sich zu unterhalten“, bedauert der scheidende Vorsitzende des Kreisjugendrings. Gemeinschaft würde außerhalb von Vereinen immer mehr verloren gehen. „Das wird ein riesiges Problem“, warnt Roidl.

An diversen Aktionen für Kinder und Jugendliche hat Sigi Roidl (r.) mitgewirkt, wie hier beim Kürbisschnitzen mit den Klardorfer Falken. - Foto: Daniela Reinisch

Der Klardorfer würde es daher begrüßen, wenn sich die Politik zu einem Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren durchringt. „Gewisse Apps und Seiten sind für die Entwicklung der Jugendlichen einfach nicht gut“, stellt er fest.

Sigi Roidl will mit gutem Beispiel vorangehen. Sobald er seine Führungsposten abgegeben hat, will er mit seinem Enkel Leon (4) die Zeit genießen und zum Angeln gehen – ganz ohne Smartphone, versteht sich.