U18-Wahl zum Landrat: Das ist der Favorit der Jugendlichen im Landkreis Schwandorf

Von Jan Lange, Martin Kellermeier · 3. März 2026 um 14:00

Die Spannung steigt. Am kommenden Sonntag werden ab 18 Uhr die Stimmzettel zur Kommunalwahl im Landkreis Schwandorf ausgezählt. Dann entscheidet sich auch, wer künftig der Chef im Landratsamt ist. Zuvor hatten schon die Jugendlichen in der Region bei der U18-Wahl die Entscheidung. Sie würden zwei Landratskandidaten in die Stichwahl schicken.

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An insgesamt 15 Orten konnte von unter 18-Jährigen zwischen dem 16. und dem 27. Februar gewählt werden. Wahlkabinen waren vor allem in Schulen aufgebaut, darunter beispielsweise die Mittelschulen in Schwarzenfeld und Nittenau, die Realschulen in Nabburg und Neunburg sowie die Gymnasien in Nabburg und Nittenau. Auch in mehreren Jugendtreffs, zum Beispiel in Schwandorf, fand die U18-Wahl statt. Zudem bot der Kreisjugendring (KJR), der die Aktion veranstaltete, Wahlurnen im Beruflichen Bildungszentrum, bei der Firma Horsch, der Nabaltec AG sowie im Landratsamt an.

Organisatorin und KJR-Geschäftsführerin Susanne Ernst freut sich über viele Jugendliche, die das Wahlangebot nutzten. Insgesamt haben nach ihrer Aussage 861 junge Landkreisbürger mitgemacht. Da die Wahllokale über die Region gut verteilt waren, sei die U18-Wahl „eine schöne, runde Sache gewesen“, sagte Ernst. Vor allem 14- bis 16-Jährige hätten mitgemacht.

Nicht alle Jugendlichen wussten, was ein Landrat macht

Wählen konnten die Jugendlichen ausschließlich einen Landrat. Auf ihrem Stimmzettel befanden sich dieselben Namen wie bei der Landratswahl am kommenden Sonntag. Das Amt des Landrates war für manch Jugendlichen aber offenbar fremd, beobachtete Susanne Ernst. „Die einen oder anderen konnten mit dem Begriff nur wenig anfangen“, sagte die KJR-Geschäftsführerin.

Zu den Ergebnissen: Platz eins sicherte sich mit 362 Stimmen (42 Prozent) Amtsinhaber Thomas Ebeling (CSU). Hinter ihm folgte mit deutlichem Abstand Thomas Borcuch (AfD), der 220 Stimmen (25,6 Prozent) erhielt. Platz drei ging an SPD-Landratskandidatin Marianne Schieder mit 132 Stimmen (15,3 Prozent). Auf den weiteren Rängen folgten Diana Schulz (Linke, 11,4 Prozent) und Christina Bauer (CWG/UW, 5,7 Prozent). Da keiner der Bewerber bei der U18-Wahl mehr als 50 Prozent auf sich vereinen konnte, wäre eine Stichwahl zwischen Ebeling und Borcuch die Folge.

Ebeling will Freizeitangebote für die Jugend schaffen

Landrat Thomas Ebeling (50) kommentierte den Ausgang der U18-Wahl auf MZ-Anfrage so: „Natürlich freue ich mich, dass mir die jungen Menschen Landkreis Schwandorf das Vertrauen schenken würden.“ Mit Blick auf das starke Abschneiden der AfD werde aber auch deutlich, „dass die demokratischen Kräfte im Land nicht nachlassen dürfen, gerade bei den Jugendlichen für ihre Positionen zu werben, um das Erstarken der Rechtsextremen zu verhindern“. Der Amtsinhaber will „die Belange der jungen Menschen“ ernst nehmen. „Die weitere Verbesserung des ÖPNV und passende Freizeitangebote für junge Menschen sind dabei unerlässlich“, sagte Ebeling.

AfD-Landratskandidat Thomas Borcuch (43) freut sich derweil über die vielen Stimmen für seine Person. „Ich finde es schön, dass die Jugend offen für die Alternative ist“, kommentierte er. In seinen Augen würden die jungen Menschen in der Region ein digitales Landratsamt erwarten. Für eine „zentrale Anlaufstelle für alles“ wolle er sich einsetzen. Borcuch hofft, dass er es am Sonntag tatsächlich in die Stichwahl gegen Ebeling schafft. „Das war von Anfang an unser Ziel“, erklärte der AfD-Kandidat.

Marianne Schieder warnt vor der AfD und rechten Kräften

Marianne Schieder (63) von der SPD kann beim Blick auf die Ergebnisse der U18-Wahl nur mit dem Kopf schütteln. „Ich finde es bedauerlich, dass so viele junge Menschen nicht erkennen, welche Gefahr hinter den rechten politischen Kräften steckt“, sagte die langjährige Bundestagsabgeordnete gegenüber der MZ. Der Ausgang der Wahl sei „leider repräsentativ“, wie Schieder aus vielen Gesprächen mit jungen Landkreisbürgern zu berichten wusste. Wie die Landratswahl am Sonntag ausgeht, könne sie nicht abschätzen. Ihr Ziel sei es aber, besser als die AfD abzuschneiden.

Ich finde es bedauerlich, dass so viele junge Menschen nicht erkennen, welche Gefahr hinter den rechten politischen Kräften steckt.Marianne Schieder, Landratskandidatin der SPD

Dass die U18-Wahl nicht unbedingt ein guter Indikator für die tatsächliche Wahl ist, zeigte sich bei der letzten Kommunalwahl im Jahr 2020. Damals bekam CSU-Kandidat Ebeling 41,2 Prozent, gefolgt von Rudi Sommer (Grüne, 15,2 Prozent) und Peter Wein (SPD, 14,4 Prozent). Auch hier hätte also alles auf eine Stichwahl hingedeutet. Doch es kam bekanntlich anders. Amtsinhaber Thomas Ebeling wurde bereits im ersten Wahlgang mit fast 70 Prozent der Stimmen gewählt.