Gemischte Gefühle zu Social Media-Verbot: Für Schwandorfer Pädagogen gibt es Pro und Contra

Von Vanessa Ebert · 2. März 2026 um 19:00

Ein Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 Jahren – das hat zunächst die SPD gefordert, dann auch die CDU. In den Schulen gehört die Beschäftigung mit dem Thema längst zum Alltag, das ist auch in der Großen Kreisstadt nicht anders. Ein Verbot sehen Schwandorfer Pädagogen aber mit gemischten Gefühlen.

Geht es nach SPD und CDU, soll bald ein vollständiges Verbot von Social-Media-Plattformen für unter-14-Jährige gelten. Dabei sollen die Anbieter auch verpflichtet werden, den Zugang technisch zu unterbinden. Für Jugendliche bis 16 Jahre ist eine verpflichtende Jugendversion der Plattformen im Gespräch.

Kritisiert werden immer wieder die algorithmisch gesteuerten Feeds sowie die personalisierte Inhaltsausspielung. Auch suchtverstärkende Funktionen wie Belohnungssysteme, die aktiv werden, wenn viel interagiert wird, sind den Politikern ein Dorn im Auge. An vielen Schulen ist das Handyverbot mittlerweile üblich, dennoch stellen Youtube, TikTok, Snapchat, Instagram und Co. die Pädagogen vor Herausforderungen.

Auch der Eigenschutz der Schüler spielt eine Rolle

Für die Schüler der Schwandorfer Kreuzberg Grund- und Mittelschule ist es inzwischen Routine: Wenn der Gong zur ersten Stunde ertönt, wandern die Smartphones aller Grund- und Mittelschüler in einen großen Koffer. Dort bleiben sie auch bis zum Schulschluss. Die sogenannte Handygarage gibt es seit dem vergangenen Schuljahr in allen Klassenzimmern und Fachräumen. „Das Konzept macht den Schulalltag auf jeden Fall entspannter“, schildert Rektorin Maria Karg-Pirzer ihre Erfahrung.

Zum einen gäbe es seither weniger Ablenkung – und zum andern diene die Regel auch dem Eigenschutz der Kinder und Jugendlichen. Denn generell würden viele Schüler mit den sozialen Medien oft zu unbekümmert umgehen. „Ein Foto ist schnell mal gemacht und verbreitet“, sagt die Pädagogin. Solche Situationen können – zumindest im Schulalltag – an der Kreuzbergschule nicht mehr passieren. „Es fällt zwar nicht allen Schülern leicht, sich vom Smartphone zu trennen, aber im Großen und Ganzen ist die Regel inzwischen gut etabliert und akzeptiert“, sagt Karg-Pirzer.

Polizei und Fachleute informieren

So einfach und wirkungsvoll das Konzept für die Zeit im Schulgebäude ist, der Rektorin ist bewusst: Soziale Medien spielen im Alltag der Schüler eine große Rolle. Auf die Gefahren sollen Aktionen und Vorträge aufmerksam machen. Polizei und Fachleute informieren regelmäßig an der Schule. Und auch in den Unterricht werde die Thematik immer wieder integriert.

Was die aktuelle Diskussion um das Verbot von sozialen Medien für unter-14-Jährige angeht, zählen für Karg-Pirzer unterschiedliche Argumente. Zum einen würde es auch positive Effekte geben, was zum Beispiel die Beschaffung von Informationen oder die Kommunikation untereinander angeht. Auch könne ein Verbot die sozialen Medien umso interessanter machen. Andererseits seien große Gefahren wie Mobbing oder verbreitete Fake-News nicht wegzudiskutieren.

„Ein Verbot von Social-Media-Plattformen hätte Vor- und Nachteile“, sagt auch Myriam Grabinger, Realschulkonrektorin an der Konrad-Max-Kunz-Realschule. Ihrer Erfahrung nach sind sich Kinder und Jugendliche der Gefahren, die von den sozialen Medien ausgehen, wie etwa Cyber-Mobbing oder ein übermäßiger Medienkonsum, oft nicht bewusst. Dennoch seien die sozialen Medien auch zu einem Teil des Alltags und der Kommunikationswege geworden. „Dabei sollte die Plattformen selbst mehr in die Pflicht genommen werden und das Alter strenger kontrollieren“, erklärt die Pädagogin. Auch sollten Fake-Accounts verhindert werden, wünscht sie sich. Ein späterer Einstieg in die sozialen Medien würde aber helfen, der Thematik mit der nötigen Reife zu begegnen.

Eltern sollten Vorbild sein

Eltern rät sie, das Thema intensiv mit ihren Kindern zu besprechen, den Medienkonsum zeitlich einzuschränken und nicht zuletzt selbst ein Vorbild für die eigenen Kinder zu sein. „Eltern sollten mit ihren Kindern auch besprechen, wie respektvoll kommuniziert wird“, erklärt die Realschulkonrektorin. „Absolut verboten“ sind laut Grabinger Handys auch an der KMK-Realschule. In diesem Schuljahr wurden in der achten Klassen iPads eingeführt. Neben der Vermittlung von digitalen Kompetenzen werden zugleich die Gefahren von sozialen Medien thematisiert. Diese Themen seien fest verankert und würden regelmäßig wiederholt.

Ältere Schüler stehen den jüngeren zur Seite

Das ist auch an der Mädchenrealschule St. Josef so. Wie Schulleiter Jürgen Moritz bestätigt, nimmt das Thema Social Media auch dort breiten Raum ein. Um über die Gefahren aufzuklären, holt die Schule dabei auch Schülerinnen selbst ins Boot. Beim Projekt Netzgänger werden ältere Schülerinnen als Tutoren ausgebildet und stehen dann Fünftklässlerinnen zur Seite. Auch an der Mädchenrealschule bleiben die Handys während der Schulzeit aus.

Ein Verbot von Social-Media hält Moritz nicht für das Mittel der Wahl, schließlich gebe es technische Möglichkeiten, um das Verbot zu umgehen. Und auch der unkomplizierte schnelle Austausch sei durchaus ein Vorteil. „Stattdessen sollte die Medienkompetenz verstärkt gefördert werden“, meint er.

Auch für Dr. Johannes Werner gibt es sowohl Gründe für als auch gegen das diskutierte Verbot. Der Schulleiter des Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasiums sieht zwar ebenfalls Gefahren durch die Plattformen. Doch stelle sich auf der anderen Seite die Frage nach der Umsetzbarkeit, da es Wege gäbe, ein solches Verbot zu umgehen. Generell habe der häufige Konsum von Social Media aber nicht zuletzt einen Einfluss auf Konzentrationsfähigkeit und Fähigkeiten in den Bereichen komplexes Lesen, Grammatik oder Ausdrucksfähigkeit, erklärt der Schulleiter.

Mit Aktionen und Vorträgen wird aufgeklärt

Bis zur Mittagspause ist am Gymnasium die Nutzung des Handys nicht erlaubt. Damit die Schüler generell lernen, mit dem Thema Social Media umzugehen, setzt man auch am Gymnasium auf Aufklärung mittels Aktionen und Vorträgen ab der Eintrittsklasse. „In der Unterstufe machen die Schüler außerdem einen Medienführerschein“, sagt der Schulleiter. Dabei gehe es um die Nutzung von Rechnern, aber auch um den Umgang mit Social-Media. In den sechsten Klassen werde der Führerschein nochmals erweitert.

Auch er rät den Eltern, genau hinzuschauen, die Chats auf dem Handy des Kindes zu checken und sich die Apps zeigen lassen.