Überraschende Wendung: Der Kino-Traum in Schwandorf ist schon wieder Geschichte

Erst vor knapp drei Monaten hatte das Schwandorfer Lichtwerk-Kino einen Neustart gewagt. Die Vision: Es sollte mehr sein als bloß ein Lichtspielhaus, sondern zu einem sozialen Treffpunkt werden. Doch nun ist der Traum bereits wieder Geschichte: Denn die Betreiberin Christina Wolf hat überraschend die Reißleine gezogen.
In einer Mail, verschickt am Montagabend, informiert die 48-Jährige über die Entscheidung. Vor allem das „finanzielle Risiko aus hohen Fixkosten, fraglichem Erfolg und meiner fehlenden Erfahrung“ nennt die Schwandorferin als Gründe, wieso mit dem Angebot nach wenigen Monaten bereits wieder Schluss ist.
Filme von Donnerstag bis Sonntag geplant
Wolf wollte das Kino von Karl-Heinz Saur pachten, der Eigentümer des Gebäudes an der Postgartenstraße ist. Mehr noch, es sollte sogar eine gemeinnützige Unternehmensgesellschaft gegründet werden, die sich um den Betrieb kümmert. An deren Spitze sollte Wolf als Geschäftsführerin stehen.
Der Plan sah ursprünglich vor, dass die Filme von Donnerstag bis Sonntag laufen sollten. Bisher war das reguläre Programm aber noch nicht gestartet. Dafür gab es unter anderem ein VHS-Kino in Kooperation mit der städtischen Einrichtung. Für Wolf war dieser soziale Charakter, in dem das Kino ein Treffpunkt für das kulturelle Leben sein sollte, ein wichtiger Faktor.
„Es wird keine One-Woman-Show sein“, hatte die 48-Jährige gesagt, als das Konzept im September vorgestellt wurde. Sie hoffte damals auf viele Filmfreunde, die sich für das Schwandorfer Kino engagieren würden. Und tatsächlich war das Interesse groß: Schon nach der Bürgerversammlung im Mai, bei der die Zukunft des Kinos angesprochen wurde, hatten sich rund 70 Interessenten gemeldet, für die das Thema wichtig war. Auch ein kleiner Unterstützerkreis hatte sich gebildet, der ehrenamtlich mitanpacken wollte. Erst im November brachten sich Freiwillige bei Malerarbeiten ein.
Große Hoffnungen begleiteten den Neustart für das Schwandorfer Kino
Die Hoffnungen waren daher groß, dass ein Neustart gelingen könnte. Auch die Resonanz sei sehr positiv gewesen, sagt Wolf. Doch in den vergangenen Wochen, als die Gründung immer konkreter wurde, sei klar geworden, dass der Kinobetrieb nicht so ohne Weiteres zu stemmen sei. Denn eine Rentabilitätsprüfung habe gezeigt, dass es jeden Monat hohe Fixkosten gebe – ohne dass denen sichere Einnahmen gegenüberstehen. „Ich habe mich nicht sicher gefühlt, dass wir das wirklich reißen“, sagt Wolf mit Blick auf die Besucherzahlen, die dafür nötig wären. „Das sind keine guten Bedingungen, um ein Kino zuverlässig zu starten.“ Hinzu kommt, dass das Kino für Wolf ein Zweitberuf war – neben ihrem Hauptjob als IT-Mitarbeiterin.
Hohe finanzielle und rechtliche Verpflichtungen
Der Betrieb eines Kinos sei mit hohen finanziellen und rechtlichen Verpflichtungen verbunden, während der finanzielle Rücklauf gleichzeitig gering sei. „Das im Ehrenamt zu machen, ist mir zu viel.“ Einen ersten Eindruck von den schwierigen Bedingungen habe sie zwar bereits im Oktober gehabt, sagt Wolf. Aber die ganzen Dimensionen seien erst so richtig klar geworden, als die Gründung konkretere Formen annahm.
Ihr Fokus sei es gewesen, mit dem Kino einen „Gemeinschaftsort“ zu entwickeln, sagt Wolf. Wegen der ganzen Formalitäten sei diese Idee aber doch „sehr in den Hintergrund gerückt“. Auch das war einer der Gründe für ihre Entscheidung. „Wenn ich so ein großes Thema mit finanziellem Druck angehe und mein Herzblut total in den Hintergrund rückt, dann passt das halt nicht mehr zusammen“, sagt sie. Dennoch findet es Wolf sehr schade, dass mit dem Kino nun vorerst Schluss ist. Ihr Dank gelte Karl-Heinz Saur sowie den Schwandorfer Kinofreunden für die Unterstützung.
Schwandorfs Oberbürgermeister bedauert die Entscheidung
Wie es nun mit dem Lichtwerk-Kino weitergeht, ist bisher offen. Als Eigentümer will sich Karl-Heinz Saur nun um eine Nachfolge kümmern, wie er der Mittelbayerischen sagt. Seine Hoffnung ist, dass sich „jemand findet, der es wirklich wieder als Kino nutzt“. „Aber natürlich geht das nicht so auf die Schnelle. Deswegen wird es sicherlich in den nächsten Monaten kein Kino geben, bis sich eventuell eine neue Alternative auftut.“ Saur denkt dabei an Interessenten, die das Kino als Hauptjob betreiben. Denn ein solches Angebot nebenbei zu betreuen, sei schwierig.
Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass die Zukunft des Lichtwerk-Kinos in der Schwebe ist. So hatte ein langjähriger Pächter im März 2023 Insolvenz anmelden müssen. Für einige Zeit hatte Saur das Kino damals in Eigenregie weiter betrieben. Doch nach einem Wasserschaden, der Ende März 2024 aufgetreten war, hatte er selbst die Reißleine gezogen. Rund ein halbes Jahr war das Kino daher ungenutzt – bis sich mit Christina Wolf wieder eine Interessentin fand.
Dass Saur nun wieder vorübergehend einspringt, komme diesmal aber nicht infrage. „Das kann ich nicht schultern“, sagt der Zahnarzt und Schwandorfer FW-Stadtrat. Er möchte auch noch „ein bisschen Privatleben“ haben.
Oberbürgermeister Feller (CSU) bedauert das Aus
Auch Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) bedauert das Aus. „Ich finde es schade, dass diese Initiative schon wieder Geschichte ist“, sagt er. Er hätte sich gefreut, wenn es im Lichtwerk-Kino weitergehe. Ein Problem sieht er darin, dass die Branche sehr auf „Kinopaläste mit diversen Kinosälen“ ausgerichtet sei. Kleinere Spielhäuser könnten da schwer mithalten.
Die Große Kreisstadt ohne ein Kino kann sich der Rathauschef aber schwer vorstellen, wie er sagt. Auch deswegen betont der CSU-Politiker: „Wenn sich jemand meldet, der in Schwandorf etwas etablieren möchte, werden wir den an die Hand nehmen und schauen, dass es funktioniert.“
