Ein Neuanfang im Schwandorfer Lichtwerk-Kino – Weitere Unterstützer werden gesucht

Von Jan Lange · 2. Oktober 2024 um 19:00

Ein gutes halbes Jahr blieb die Leinwand im Schwandorfer Kino dunkel, die Türen waren verschlossen, der Betrieb ruhte. Das soll sich bald ändern: Karl-Heinz Saur, Eigentümer des Gebäudes, hat mit Christina Wolf eine neue Pächterin gefunden.

Der Neustart soll aber ein bisschen anders ablaufen als in der Vergangenheit, als ein Pächter dem nächsten folgte. Den Betrieb soll eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft (gUG) übernehmen, der Christina Wolf als Geschäftsführerin vorsteht. Es sollen nicht nur Filme über die Leinwand flimmern – das Lichtwerk-Kino soll auch eine Art sozialer Treffpunkt sein, wünscht sich Wolf. Es sollen Filmgespräche stattfinden und die Räumlichkeiten auch für andere kulturelle Angebote genutzt werden, wagt die 48-Jährige einen Blick in die Zukunft.

Es brauche einen Mehrwert, um die Schwandorfer wieder in ihr Kino zu locken, weiß Christina Wolf. Denn nur einen Film anschauen, könne man auch zuhause. Sie hat dafür erste Kontakte geknüpft, so zur Volkshochschule Schwandorf und zur Stadt. Auch mit dem Zwickl hofft sie auf eine Kooperation. Schon in den vergangenen Jahren hatte das Doku-Festival immer wieder Filme im Lichtwerk-Kino gezeigt.

Mehr zur Vorgeschichte lesen Sie in diesem Artikel: Steht Schwandorfs Kino vor dem Aus? – Suche nach neuem Betreiber bisher nicht von Erfolg gekrönt

Die ersten Veranstaltungen sind bereits fest geplant: So werden sich beim Mondschein-Shopping die Türen des Kinos öffnen. Cineasten können dann einen Blick in die Räumlichkeiten werfen. Das Lichtwerk-Kino hat zwei Säle, einen großen und einen kleineren. „Wir wollen keine Konkurrenz zu anderen kulturellen Einrichtungen in der Stadt werden, sondern eine Ergänzung“, betont die neue Pächterin.

Erhalt des Schwandorfer Kinos ist vielen wichtig

Die Sessel in den beiden Kinosälen sollen sich bald öfter füllen. Die neue Pächterin könnte sich einen regelmäßigen Betrieb ab November vorstellen. Allerdings sollen nicht sieben Tage die Woche Filme über die Leinwand flimmern. Ziel sei es, so Wolf, von Donnerstag bis Sonntag einen Kinobetrieb auf die Beine zu stellen. „Es wird keine One-Woman-Show sein“, sagt die 48-Jährige. Sie hofft auf viele Filmfreunde aus Schwandorf und Umgebung, die sich für das Kino engagieren wollen.

Karl-Heinz Saur weiß, dass es dieses Engagement unbedingt braucht. „Das Kino ist kein Selbstläufer. Es wird nicht immer einfach sein“, gibt er der neuen Betreiberin mit auf den Weg. Der 70-Jährige, der eigentlich Zahnarzt ist und für die Freien Wähler auch im Schwandorfer Stadtrat sitzt, spricht aus Erfahrung: Nach der Insolvenz der Betreibergesellschaft Kino Schwandorf UG des vorherigen Pächters Frederik Hohrath betrieb er das Lichtwerk-Kino in Eigenregie.

Am Wochenende sei der Besuch zwar gut gewesen, unter der Wochen kamen laut Saur jedoch nur wenige Gäste. Letztlich waren es nicht genug, um das Kino auf Dauer rentabel zu betreiben. Nach einem Wasserschaden im Frühjahr 2024 hatte er dann die Reißleine gezogen und das Kino geschlossen.

Christina Wolf will das Risiko mit der Konzentration des Kinobetriebes aufs Wochenende gleich etwas verringern. Ihre Hoffnung auf viele engagierte Helfer ist nicht unrealistisch. Bei der diesjährigen Bürgerversammlung in Schwandorf wurde auch der Erhalt des Kinos angesprochen. In der Folge hätten sich 70 Interessenten gemeldet, denen das Thema wichtig sei. Ein kleiner Unterstützerkreis hat sich in der Zwischenzeit schon gebildet.

Konzept wird vorgestellt

Weitere Engagierte können sich jederzeit melden oder am 11. Oktober im Lichtwerk-Kino vorbeikommen, wenn das neue Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt werden soll. Der Unterstützerkreis soll aber ein lockerer Verbund bleiben, die Gründung eines Vereins sei nicht geplant, sagt Wolf. Karl-Heinz Saur werde sich auch ab und zu einbringen, sichert er der neuen Pächterin zu. Vorrangig wolle er aber nur als Vermieter des von ihm 2006 erworbenen Gebäudes auftreten.

Für die Klardorferin wird die Arbeit im Kino nur eine Nebentätigkeit bleiben. Im Hauptberuf ist sie IT-Mitarbeiterin bei Siemens in Amberg. Daran soll sich auch künftig nichts ändern. Mit Kino und Film hatte sie bis jetzt nichts zu tun, sagt Christina Wolf. Sie sei einfach nur eine leidenschaftliche Kinogängerin. Auch im Lichtwerk-Kino war sie vor der jüngsten Pause hin und wieder zu Gast. Sie habe oft allein im Saal gesessen, erzählt sie.

Das soll nach dem Neustart nicht mehr der Fall sein. Sie will die Besucher bei der Auswahl der Filme mit einbeziehen. Sie ist sich natürlich bewusst, dass es schwer sein wird, die großen Blockbuster fürs Schwandorfer Kino zu bekommen. Für viele Verleiher sei die Spielstätte in der Postgartenstraße zu klein. Christina Wolf will deshalb eher aufs Programmkino setzen. Auch müssten die Filme nicht unbedingt immer gleich zum Bundesstart im Lichtwerk-Kino anlaufen. Sie könnten auch erst ein paar Wochen später gezeigt werden.

Eine Bürde liegt nicht auf Christina Wolf: Technisch und baulich muss erst mal nichts ins Lichtwerk-Kino investiert werden. „Zu meinem 70. Geburtstag vor drei Wochen haben wir einen Testlauf gemacht und es hat alles funktioniert“, berichtet Karl-Heinz Saur.

Der Eigentümer und seine neue Pächterin haben bereits einen Unterstützerkreis mit Maria Schießl, Ingrid Hirsch, Hannelore Hanka und Lieselotte Kellermann (sitzend v. l.) gewonnen.