Schwandorfer hatten bei der Bürgerversammlung einiges auf dem Herzen

Mit rund 60 Gästen war die Schwandorfer Bürgerversammlung gut besucht. Erstmals wurde die Veranstaltung per Live-Stream übertragen. Laut Stadt nahmen auf diesem Weg 140 interessierte Bürger teil, in Spitzenzeiten 120 Personen gleichzeitig. Das sind die wichtigsten Themen.
Die drohende Schließung des Lichtwerk-Kinos beschäftigt die Schwandorfer Bürger. Inzwischen hat sich eine Interessengemeinschaft (IG) gegründet und bereits 85Unterschriften für den Erhalt des Lichtspielhauses gesammelt. Die Initiative peilt nach den Worten ihres Sprechers eine Art „Themen- oder Nischenkino“ an. Ohne Unterstützung durch die Stadt werde es sich aber nicht betreiben lassen. Die IG schlägt deshalb vor, das Kino ins Vhs- oder städtische Kulturprogramm einzubetten: „Heute erwarten wir nur ein Signal von der Stadt. Wenn nicht, wird sich die IG auflösen, und 130Jahre Kinogeschichte gehören der Vergangenheit an.“
Oberbürgermeister Andreas Feller zeigte sich gesprächsbereit, aber auch skeptisch. „Es ist unstrittig, dass ein Kino Kultur ist. Aber ein vernünftiges ganzjähriges Programm ist nicht in Sicht“, so der OB. Er forderte die Initiative auf, konkrete Ideen für den Erhalt des Lichtspielhauses einzubringen.
Nachholbedarf bei Radwegenetz und ÖPNV
Gleich mehrere Statements befassten sich mit dem Busverkehr und Radwegenetz in Schwandorf. Eine Neubürgerin aus Naabeck beklagte, dass sie als Radfahrerin im Stadtgebiet „immer zweiter Klasse“ unterwegs sei. Bessere Busverbindungen seien ebenfalls wünschenswert: „Wenn ich mit dem Bus in die Stadt fahren will, muss ich erst einmal nach Büchelkühn.“ Auch den Fahrrad-Abstellplatz am Bahnhof bezeichnete die Schwandorferin als unzureichend und alles andere als diebstahlsicher. Andere Redebeiträge betrafen die Innenstadt: „Es fehlen vernünftige Wege, wo man als Radfahrer sicher fahren kann“, sagte einer der Bürger. Ein anderer vermisste eine Markierung für den Radweg an der Friedrich-Ebert-Straße.
Für den OB ist ein Ausbau der städtischen Buslinien mit einer schnelleren Taktung zurzeit nicht realistisch. „Das ist schlichtweg eine Frage der Finanzierbarkeit“, sagte er. Zudem fehlten mittelfristig die Fahrer, um die Linien auch bedienen zu können. Beim Thema Fahrrad-Abstellplatz kündigte er Verbesserungen an. Am Bahnhof seien diebstahlsichere Abstellmöglichkeiten vorgesehen, informierte er. Planungen, wie sich das Radwegenetz in Schwandorf verbessern ließe, gebe es derzeit nicht, sie könnten aber „gerne angestoßen werden“, hieß es seitens der Stadtverwaltung.
Werden Ortsteile Niederhof und Nattermoos abgehängt?
Um die Infrastruktur in den beiden Stadtteilen ging es ebenfalls in mehreren Wortbeiträgen. Thema Nummer eins war ein fehlender Bolzplatz nahe der Wohnbebauung am Schübelfeld, Thema Nummer zwei die unzureichende Anbindung für Fußgänger und Radler von Nattermoos Richtung Erlebnisbad oder Innenstadt. Angeregt wurde dazu ein kombinierter Geh- und Radweg zwischen beiden Ortsteilen, verbunden mit einer Unter- oder Überführung am ehemaligen Bahnübergang in Nattermoos.
Bei der besseren Verkehrsanbindung musste OB Feller passen. Eine Unter- oder Überführung sei „technisch machbar, kostet aber ein horrendes Geld“. Alleine für den Fuß- und Radweg sei mit Investitionen von mehr als 500000 Euro zu rechnen. Bei der Anlage eines Bolzplatzes sei die Stadt angewiesen auf „Grundstücke, die gepachtet werden können“.
Schwandorfer aufgeschlossen für Video-Überwachung
Eine Video-Überwachung können sich manche Bürger gleich an zwei Brennpunkten vorstellen – beim Glas-Container unter der Adenauerbrücke, wo immer wieder Unrat und Müll abgelagert wird, und beim Fahrrad-Abstellplatz am Bahnhof. Doch die rechtlichen Hürden sind hoch, wie der Oberbürgermeister erläuterte. Er sicherte aber eine erneute Überprüfung durch das städtische Ordungsamt zu.
E-Scooter bleiben für manche ein großes Ärgernis
Eine Schwandorferin kritisierte die Mini-Fahrzeuge vor allem unter Sicherheitsaspekten. Es gebe keine Helmpflicht, die Beleuchtung sei schlecht, und die Miet-Roller stünden „überall herum“. Der OB entgegnete, dass die E-Scooter „den Zulassungsbedingungen entsprechen“ würden. Es sei grundsätzlich zulässig, sie auf Geh- und Radwegen abzustellen.
OB Andreas Feller zog 40 Minuten lang Bilanz
In komprimierter Form hatte zuvor OB Andreas Feller (CSU) bei der Bürgerversammlung die Aktivitäten, Investitionen und Vorhaben der Stadt abgehandelt – von der Feuerwehr bis zur Kultur.
Wichtiger Schwerpunkt waren und sind nach seinen Worten Kinderbetreuung und Schulwesen, für die kontinuierlich Millionenbeträge investiert werden. Geplant ist nach seinen Worten nicht nur eine Erweiterung der Kitas Lindenblüte und Storchenwiese, sondern auch ein völlig neues Kinderhaus mit sieben Gruppen in Krondorf. Bei den Schulen geht es vor allem um die offene Ganztagsschule: An der Gerhardingerschule ist sie bereits in Betrieb, in Fronberg und Ettmannsdorf geht es um die Umsetzung. Auch die Frage, ob ein neues Mittelschulzentrum auf der grünen Wiese Sinn mache, werde in diesem Jahr geklärt.
Eine weitere Grundsatzentscheidung soll heuer beim Thema Feuerwache getroffen werden. Sanierung im Bestand oder Neubau an anderer Stelle, lauten die Alternativen. Parallel dazu wird laut OB die Ausstattung der Einsatzkräfte kontinuierlich verbessert – mit Fahrzeugen wie der neuen Drehleiter, aber auch durch Baumaßnahmen.
Bei der Digitalisierung sieht Feller die Stadt als Vorreiter. Das multifunktionale Terminal in der Raiffeisenbank sei „einzigartig in Deutschland“, die neue Schwandorf-App schon 20.000 Mal heruntergeladen worden. Auch der Glasfaser-Ausbau im Stadtgebiet schreitet nach seinen Worten voran.
Der Oberbürgermeister hob auch die Leistung der städtischen Planer hervor, die zahlreiche Projekte auf den Weg gebracht und Zuschüsse an Land gezogen hätten – bei den Pocket-Parks sogar rund 90 Prozent. Auch die Bürgerfreifläche auf den obersten Decks des Naabparkhauses, die heuer in Angriff genommen werden soll, wäre laut OB ohne Zuwendungen nicht zu realisieren.
Millionenbeträge für neue Leitungen
Im Tiefbauprogramm lautet die Devise der Stadt ebenfalls „Klotzen statt Kleckern“. Millionenbeträge werden unter anderem in die Unterführung an der Frühlingstraße oder den Ausbau der Wasser- und Fernwärmeleitungen investiert. Auch der Wirtschaftsstandort Schwandorf floriert nach den Worten Fellers, wenngleich die verfügbaren Gewerbeflächen langsam zur Neige gehen.
Dass es sich in der Großen Kreisstadt zu leben lohnt, verrät laut OB schon ein Blick in das Kultur- und Festprogramm. Mehr als 1000 Veranstaltungen gebe es in Schwandorf im Jahr – vom Volksfest bis zum Jubiläum des Jugendbeirats im Erlebnisbad.