E-Scooter in Schwandorf: Manch Stadtrat sieht „Chaos“, Betreiber beschwichtigt

Die Mietroller sind erst seit ein paar Wochen in Schwandorf, da wollen sie die ersten schon wieder aus der Stadt verbannen. Weil die E-Scooter von Zeus immer wieder an Stellen parken, wo sie eigentlich nicht stehen sollen, macht mancher Stadtrat schon jetzt ein großes Fragezeichen hinter einem Weiterbetrieb nach Ablauf der Testphase.
Seit 24. März kann man sich auch in Schwandorf Elektroroller ausleihen. Das Angebot, das man bislang vor allem aus Großstädten kannte, hat damit auch seinen Weg aufs Land gefunden. 80 schwarz-orangene Flitzer stehen den Schwandorfern seitdem zur Verfügung. Bis Ende September läuft der Probetrieb, dann will die Stadt entscheiden.
Wer mit den Zeus-Scootern fahren will, braucht zunächst eine App auf seinem Handy. Dann kann man den Roller entsperren, was generell einen Euro kostet. Für jede Fahrminute werden weitere 28 Cent berechnet. Eine Nutzung ist nur in einem festen Gebiet möglich. In Büchelkühn, Klardorf und Naabeck kann man zum Beispiel nicht fahren. In der Innenstadt dürfen die Roller nur in fest definierten Parkzonen abgestellt werden. Außerhalb können sie laut Stadtsprecherin Maria Schuierer überall auf öffentlichen Flächen geparkt werden, „sofern auf dem Gehweg eine Mindestbreite von 1,40 Metern verbleibt“.
So weit die Theorie. Doch die Praxis sieht in Schwandorf nicht immer so aus. Unserer Zeitung liegt zum Beispiel ein Foto vor, das ein „Roller-Treffen“ von drei Fahrzeugen auf dem Gehsteig vor dem McDonald’s an der Max-Planck-Straße zeigt. Und dann gibt es da zum Beispiel noch eine Aufnahme, auf der ein Schelm einen Roller auf einem Hydranten platziert hat.
UW vermissen die von OB Feller angekündigten Parkzonen
„Die Roller stehen kreuz und quer im ganzen Stadtgebiet“, stellt UW-Fraktionschef Kurt Mieschala fest. Die festen Parkzonen in der Innenstadt, wie sie Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) vor Beginn der Testphase versprochen hatte, sind in den Augen des Stadtrats „nicht existent“. „So wie das momentan läuft, ist das kein Zustand. Für mich ist das chaotisch“, konstatiert Mieschala. Dass Zeus-Scooter auch nach der Testphase durch Schwandorf düsen – dahinter steht für den UW-Fraktionsvorsitzenden noch ein großes Fragezeichen.
Noch einen Schritt weiter geht Reinhard Mixl von der AfD. „Die Firma soll ihren Elektroschrott nehmen und ihn dort hinbringen, wo er hergekommen ist“, schimpft er. Schließlich würden die Roller „an diversen Orten in der Stadt herumlungern“. Mixl erinnert an eine Bürgerfragung, die kürzlich in Paris stattgefunden hat. 89 Prozent der Teilnehmer sprachen sich dabei für die Abschaffung der Mietroller aus, ab September wird es die Gefährte in der Metropole daher nicht mehr geben.
Die Große Kreisstadt sollte sich ein Beispiel an Paris nehmen, findet AfD-Stadtrat Mixl. „Man konnte bis vor Kurzem in Schwandorf auch ohne die Roller gut leben“, meint er.
Unterstützung für die Elektroroller gibt es dagegen von der SPD. „Ich finde es gut, dass es dieses Angebot in Schwandorf gibt“, sagt Fraktionschef Franz Schindler. Nach dem Sommer sollte eine erste Bilanz gezogen und dann über das weitere Vorgehen entschieden werden.
Sind die Mietroller bald ein Thema im Verkehrsausschuss?
Wenig kritisch äußert sich auch CSU-Fraktionschef Andreas Wopperer. Gleichwohl kündigt er an, dass die Abstellsituation mit den Rollern „wohl ein Thema für den Verkehrsausschuss“ werde. „Ein Weiterbetrieb sollte mit verbesserten Abstellzonen in den Außenbereichen stattfinden“, so Wopperers Forderung.
Bei der Zeus Scooters GmbH äußert man sich derweil „sehr zufrieden“, was den Start in Schwandorf angeht. Wie Geschäftsleiter Jens Altmann mitteilt, bewege sich die Beschwerdelage „in einem normalen Rahmen“. „Am Anfang werden Scooter auch einmal falsch abgestellt“, sagt Altmann. Doch seine Firma verfolge ein derartiges Fehlverhalten der Nutzer konsequent. Wer nach einer einmaligen Verwarnung sich noch immer nicht an die Spielregeln hält, bekomme ein Bußgeld in Höhe von 30Euro.
Betreiber: 80 Roller sind täglich im Gebrauch
Altmann hat auch schon eine erste Auswertung vorgenommen, was das Nutzerverhalten in Schwandorf angeht. So würde jeder der 80 Elektroroller täglich im Schnitt 1,5 Mal genutzt werden. Die zurückgelegte Distanz würde sich dabei zwischen 1,5 und drei Kilometern bewegen.
Die Polizeiinspektion Schwandorf beschäftigen indes die Zeus-Roller immer wieder. Laut einer Auswertung von Franz-Xaver Michl, dem stellvertetenden Leiter der PI, wurden bislang fünf Nutzer auffällig. Es habe sich dabei um Fahrten unter Drogen- oder Alkoholeinfluss gehandelt. „Und zweimal konnten wir eine solche Fahrt noch rechtzeitig verhindern“, ergänzt Michl.
Erst gestern konnte der Polizeihauptkommissar einen weiteren Fall vermelden. Bei einer Verkehrskontrolle in der Wackersdorfer Straße am Montagabend hätten seine Kollegen bei einem 19-jährigen Schwandorfer festgestellt, dass dieser unter Drogeneinfluss unterwegs war. „Es wird nochmals darauf verwiesen, dass bei den Leih-Scootern die allgemein bekannten Grenzen für Alkohol oder Drogen gelten“, so Michl.